Mercure-Hotel, Stadtkrone auf Zeit www.werkstatt-lustgarten.de

In Potsdam steht wieder ein Schloss. Wiedererstanden nach Plänen aus dem Büro Kulka, standesgemäß genutzt vom Landtag des Landes Brandenburg. Das Schloss steht so ziemlich dort, wo es einmal sein Architekt, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Auftrage des Alten Fritz, hingestellt hatte. Allerdings sieht die Umgebung, der öffentliche Raum um den Wiederaufbau nicht mehr so aus, wie Fotografien aus dem 19. Jahrhundert belegen. Nicht bloß der Alte Markt wird empfindlich von der verrottenden Architektur der FH Potsdam gestört (die in den Siebzigern nach Plänen von Sepp Weber gebaut wurde), auch die Sichtachse Schloss-Lustgarten besitzt einen Störer, ebenfalls aus DDR-Zeiten und ebenfalls von Sepp Weber (im Kollektiv). Von Walter Ulbricht in den Sechzigern als „sozialistische Stadtkrone“ in Auftrag gegeben, ragt der Hotelturm, der damals nach der Sprengung des ausgebrannten Schlosses allein da stand, 60 m hoch in den Himmel.

Aber während der Rückbau der FH mit der Rekonstruktion des Schlosses beschlossene Sache war, war der Mercure-Turm offiziell kein (Abbruch-)Thema. Mit einem im August von den Stadtverordneten zum Lustgarten beschlossenem Werkstattverfahren „Planungswerkstatt im Dialog – Lustgarten“ möchte die Stadt ermitteln, wie die Stimmung ist im Bezug auf die Zukunft südlich der Breiten Straße. Dort liegen der Lustgarten, das so genannte Humboldt-Quartier und auch die neuen Palais Chiericati und Pompej hinter ­historischer Fassade für sehr gehobenes Wohnen. Wie die Stimmung der Stadt ist, verhehlt ihr erster Bürger, der Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) nicht. Wenn es nach ihm ginge käme das Mercure-Hotel „irgendwann weg“. Nicht irgendwann, jetzt sofort solle es abgerissen werden, so ein Professor für Architektur an der FH Potsdam. Der sitzt in der neuen FH, nicht in der, die man langsam hat verrotten lassen.

Vielleicht ist das DDR-Produkt Mercure-Hotel, das der Schlossneubauarchitekt und gebürtige Dresdner Peter Kulka erhalten würde, ja im Museum Barberini gut aufgehoben. Der geplante Neubau am Alten Markt soll für Kunst aus der DDR herhalten, eine Sammlung von Potsdams berühmtestem Sohn, Hasso Plattner. Als Fotografie könnte es dort hängen, oder, weil man das damals so machte, als Portrait in Öl mit dem Titel: „Sozialistische Stadtkrone triumphiert über Feudalherrenarchitektur“; oder so ähnlich. Hat sich nun austriumphiert, das DDR-Erbe. Be. K.

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