Die Schweiz: Minergie bald überholt?
www.ethlife.ethz.ch, Stichwort „Minergie“

Wenn es nach dem Architekturdepartement der ETHZürich geht, werden wir in Zukunft nicht mehr besonders energiesparende Häuser bauen, sondern Gebäude, die keine CO2-Emissionen mehr verursachen. Ganz nach dem „Zero-Emissions-Architecture“-Motto: Wenn
ich mein Haus nicht mit fossilen Brenn­stoffen, sondern mit selbst gespeicherter Sonnenenergie vom letzten Sommer heize, so spielt der Energieverbrauch keine entscheidende Rolle mehr. Die Energie der Sonne, so Marc Angélil, Leiter des Departements Architektur der ETH auf dem Campus Hönggerberg, stehe im Überfluss zur Verfügung, sie müsse nur „geerntet“ werden: Hybridkollektoren auf den Dächern liefern Strom und Wärme, die in Erdspeicher geleitet wird.

Der Großteil des Stroms werde besser von Solarkraftwerken im Süden oder Windparks importiert, sagte Hansjürg Leibundgut, Professor für Gebäudetechnik an der ETH. Alle Professoren der Abteilung Architektur haben die neue Zero-Emissions-Strategie unterzeichnet. Netter Nebeneffekt: Architekten gewännen, so die Minergie-Gegner, Gestaltungsfreiheit zurück. Material werde gespart, wenn die Fassaden nicht mehr so dick isoliert werden. Getestet wurde die „Zero-Emissions-Architecture“ bei der Monte-Rosa-Hütte, dem Dock E (Zürcher Flughafen), bei der International School in Adliswil und anderen.

Gegner der Zero-Emissions-Strategie, wie sie von Hönggerberg progagiert wird, wenden insbesondere ein, dass durch die Lockerung der mühsam erkämpften Effizienz-Standards und den vermehrten Einsatz von Wärmepumpen und Sensoren der Strombedarf steigen wird. Und diese Menge sei, so die Experten, mittelfristig nur durch neue fossile oder atomare Kraftwerke zu decken. Heinrich Gugerli vom Amt für Hochbauten der Stadt Zürich hält das Energiesparen um jeden Preis genauso wenig zielführend, wie die einseitige Fokussierung auf die Vermeidung der Emissionen aus dem Betrieb der Gebäude. Als wirksamer wird sich seiner Meinung nach eine kluge Kombination der beiden Ansätze erweisen. Was auch der deutschen Planer- und Politikseite dringend zu empfehlen ist! Be. K.


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