Büro ohne Alltag
Trendreport zu neuen Arbeitswelten

Technologische Entwicklungen in der Arbeitswelt werden nicht nur die zukünftige Gestaltung von Büroräumen maßgeblich beeinflussen, sondern auch die Aufgaben und die Mobilität der Mitarbeiter, der lösungsorientierten Wissensarbeiter, verändern.

Neue Horizonte tun sich in der Arbeitswelt auf: in der Technologie, im Management, in der Infrastruktur. Kreativität, Interaktion und Kommunikation werden immer mehr zum Angelpunkt erfolgreicher Aufgabenbewältigung. Für diese Herausforderungen gilt es die besten Lösungen zu finden. Unternehmen bleiben dann erfolgreich, wenn sie über die Trends der nächsten Jahre Bescheid wissen. Dafür liefert der Trendreport „Räume der Arbeit II“ einen Kompass: Es geht darum, neue Entwicklungen und Rahmen­bedingungen auszumachen, die zukunfts­orientierte Arbeitsweisen und Büroformen prägen.

Mit sieben Thesen bietet der Trendreport II all jenen, die in Büros arbeiten oder sich für Bürogestaltung interessieren, spannende Ein­blicke in aktuelle Entwicklungen. Im Jahr 2010 erschien der Trendreport I, der die Er­gebnisse der Analysen in fünf Thesen zusammen­fasste: Das Büro der Zukunft wird eine Wissensmanufaktur sein, ein WIR-Ort, ein Kult-Büro – und die Räume oder wechselnden Orte der Arbeit werden wichtiger sein als der eigentliche Arbeitsplatz wie bisher. Immer mehr verändert humane Technologie unseren Alltag. Mittlerweile hat sich die Entwicklung dieser Thesen bestätigt, zugleich lassen sich Modifikationen feststellen. Auch neue Trends machen sich bemerkbar. All dies fließt in den erweiterten und aktualisierten Trendreport II ein.

Neue Thesen

Zum einen sind die Arbeitsansätze im modernen Büroalltag lösungsorientierter geworden – Knowledge Worker entwickeln sich zu Solution Workern. Zum anderen gibt es zwei wichtige Trends, die sich auf die Bürogestaltung auswirken: Die Arbeitsumgebung wird zur „Learning Landscape“, in der wir uns ständig weiterentwickeln können. Und Gesundheit wird zum wesentlichen Faktor, nicht nur für die individuelle „Job Satisfaction“, sondern auch für den Erfolg des gesamten Unternehmens.

Das Spannende an der neuen Bürowelt ist die Herausforderung, mit neuen Formen von Arbeit Schritt zu halten, mehr noch: sie zu fördern und zu optimieren. Egal welche Tätigkeit im Vordergrund steht, ob eher die an einen Platz gebundene Bearbeitung von Workflows und Daten oder das flexible Andocken an jeweils neue Projekte innerhalb und außerhalb des Unternehmens: Das Büro von heute und erst recht das von ­morgen schafft die Rahmenbedingungen.

Für jeden Solution Worker den optimalen Arbeitsplatz

Es kommen Arbeitsszenarien auf uns zu, die unsere kognitiven wie auch unsere emotionalen Fähigkeiten beanspruchen werden. Jetzt schon können wir sehen, wie sich die Fähigkeiten und Kenntnisse von Menschen im Büro immer weiter auffächern; dass sie alle mit dem riesigen Bereich des Wissens hantieren. Charakteristisch wird sein, dass wir Lösungen produzieren. Daher sprechen wir im vorliegenden Trendreport von Solu­tion Workern, wenn wir die Mitarbeiter meinen, die mit den hier aufgelisteten sieben Thesen zu tun haben werden. Die Anforderungen an Solution Worker werden weiter differieren, ihre Berufe werden sich kaum vergleichen lassen. Nur dass sie in komplexen Optimierungsprozessen eingebunden sein werden und darin bestimmte Rollen spielen, das macht sie vergleichbar.

Das Royal College of Art in London hat eine Typologie von Wissensarbeitern erstellt, die auch für lösungsorientierte Mitarbeiter bestimmend bleiben wird (siehe www.hhc.rca.ac.uk/2261-2272/all/1/space_for_thought.aspx). Die Untersuchung unterteilt die Mitarbeiter nach dem Grad ihrer Mobilität in vier Typen: der „Anchor“, der „Connector“, der „Gatherer“ und der ­„Navigator“.

Der „Anchor“ nutzt vor allem den eigenen Schreibtisch. Er verarbeitet Informationen, die er zur Verfügung gestellt bekommt. Der „Connector“ verbringt die meiste Arbeitszeit im Office, arbeitet jedoch in unterschiedlichen Zonen und Bereichen und stellt den Informationsfluss innerhalb des Unternehmens sicher. Der „Gatherer“ ist rund die Hälfte seiner Arbeitszeit außerhalb des Büros tätig, er braucht das Büro als Landefläche und Rückzugsort, um mitgebrachtes Wissen zu verarbeiten und zu kommunizieren. Der „Navigator“ arbeitet meist außerhalb des Office. Ins Büro kommt er, um sich auszutauschen und Meetings beizuwohnen.

Vitaler Lebensraum Büro

Heute nutzen Solution Worker nicht mehr nur den eigenen Schreibtisch, sondern die gesamte Büroinfrastruktur und machen den Raum zum Dialogfeld. Sie nutzen verschiedene Zonen alleine oder kooperativ mit anderen, nehmen Arbeitsplätze und Räume temporär oder stationär in Anspruch. Deshalb muss gute Bürogestaltung sowohl Konzentration als auch Kommunikation, Inspiration und Rekreation fördern. Fest steht: Die Wahl zwischen unterschiedlichen Raumangeboten ist für Solution Worker von hoher Bedeutung.

Das Büro als physischer Ankerpunkt

Büroarbeit befindet sich heute stets im Spannungsfeld zwischen Kommunikation, Kollaboration und Konzentration. In Zeiten neuer Kommunikationstechnologien, die das Arbeiten an jedem Ort und zu jeder Zeit grundsätzlich ermöglichen, dient das Büro als physischer Ankerpunkt. Büro ist unverzichtbarer Koordinations- und Knotenpunkt der Wissensarbeit und bildet den Kristallisationspunkt der Unternehmenskultur. Ein Kristallisationspunkt in einer immer virtueller und mobiler werdenden Arbeitswelt. Es dient als Filter und Medium für Wissen und Austausch, denn „alte“ Bürokonzepte haben im Zeitalter der kreativen Ökonomie endgültig ausgedient.

Das offene, abteilungsübergreifende Zusammenspiel in Unternehmen, die Förderung individueller Talente, die Integration und Interaktion modernster Technologien und die Bildung von Kulträumen und Wohlfühl-Orten sind herausragende Aufgaben für die Büroarchitektur. Bürogestaltung wird ein zentrales Instrument für das Management von morgen – nicht nur wegen höherer Anforderungen an die Produktivität, sondern auch weil Räume geschäftsförderlich oder hinderlich sein können, weil sie Energie abgeben oder rauben und weil sie dadurch passende Mitarbeiter anziehen und halten oder vergraulen können. Denn der physische Ort gibt Orientierung, zeigt Werte und ermöglicht Begegnung. Orte können beeindrucken und den Menschen in Erinnerung bleiben.

Sieben Thesen zur Bürowelt

1. Der neue Rohstoff Wissen: Es geht nicht darum, immer schneller zu werden, sondern auf immer bessere Art Wissen zu produzieren und zu kommunizieren. Denn Produktivität bedeutet, klug mit dem Rohstoff Wissen umzugehen. Der Solution Worker löst den Stempelroboter ab.
2. Räume der Arbeit statt Arbeitsplatz: Das zukunftsorientierte Büro hat für jede Tätigkeit den richtigen Ort: einen sicheren Hafen, in den man sich zurückziehen kann. Und Zonen und Bereiche, die Raum für Meetings und für das Arbeiten in wechselnden Teams bieten. Das Büro wird zum Kristallisationspunkt in einer immer virtueller und mobiler werdenden Arbeitswelt.
3. Das Büro der Zukunft ist ein Wir-Ort: Moderne Büroarbeit findet in Teams statt. Was zählt, sind Zusammenarbeit und Vernetzung. Darin bündelt sich die Leistung eines Unternehmens.
4. Büros werden zu Kult-Büros: Die Gestaltung von Büros orientiert sich an der Kultur des Unternehmens und materialisiert Werte, Haltungen und Denkweisen. Denn Mitarbeiter wollen nicht nur effizient sein, sondern auch inspiriert. Gute Inszenierungen verwandeln Büros in attraktive Orte des Austausches und der Anregung.
5. Humane Technologie verändert den Alltag und unser (Büro-)Leben: Zu Handys und Laptops sind Tablets dazugekommen. Sie und andere Game Changers helfen uns bei der Kommunikation – wenn wir sie richtig einsetzen. Technologie ist omnipräsent und verwebt sich mit dem Alltag.
6. Räume der Arbeit sind auch Räume des Lernens: Wir lernen dazu, permanent und flexibel. Die Arbeitsumgebung wird zur „Learn-ing Landscape“, in der wir uns ständig weiterentwickeln und Innovation entsteht.
7. Gesundheit heißt Bewegung in den Büroalltag bringen. Das Büro der Zukunft sorgt dafür, die Gesundheit zu fördern und zu erhalten: durch die richtige mentale und physische Umgebung. Gesundheit ist essenziell für die individuelle „Job Satisfaction“ und den Unternehmenserfolg im gesamten.

Moderne Büroplanung greift diese Bedürfnisse und Anforderungen auf und entwickelt facettenreiche Bürolandschaften. Sie sind heute vitaler Lebensraum mit vielfältigen Zonen und Bereichen, die die unterschiedlichen Tätigkeiten der Wissensarbeiter unterstützen. So individuell gegliedert, wie es den Arbeitsformen und der Kultur eines Unternehmens entspricht – mit offenen Strukturen, räumlicher Flexibilität und hoher Flächeneffizienz: durchdachte Lösungen, die heute und mehr noch morgen zur Zufriedenheit der Mitarbeiter im Büro und zur Produktivität von Unternehmen beitragen.

Checkliste

Die Checkliste für all jene, die sich mit der ­Errichtung und Gestaltung von Büroräumen beschäftigen und eine zukunftsfähige Arbeitsumgebung schaffen wollen, lautet:

– Das Büro als Kristallisationspunkt gewinnt an Bedeutung.
– Das Büro der Zukunft ermöglicht eine mul-

tiple Raumnutzung und bietet gleichzeitig das Gefühl einer sicheren Verortung.
– Das Büro hat eine Infrastruktur der Begeg- nung, in der Vielfalt inszeniert wird.
– Die Gestaltung von Büros orientiert sich an der Kultur des Unternehmens und materi-

alisiert Werte, Haltungen und Denkweisen.
– Informations- und Präsentationstechnolo-

gien durchdringen den Arbeitsalltag.
– Unterschiedliche Raumzonen entstehen und machen das Arbeitsumfeld individu- eller denn je.
– Räume sollen die Kreativität fördern und „Learning Landscapes“ sein.
– Das Büro der Zukunft gibt Energie anstatt sie aufzusaugen.
– Im Büro soll es gelingen, Komplexität in Leichtigkeit zu verwandeln.

Das im Trendreport gebündelte Wissen zeigt auf, welche Trends gerade die Rahmenbedingungen neu definieren. Wer die Veränderungen der Wissensgesellschaft frühzeitig erkennt, kann die entsprechenden Ableitungen für eine zukunftsweisende Bürogestaltung treffen. So kann man Büro weiterdenken, so lassen sich die richtigen Raumkonzepte und passenden Lösungen finden.

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