Baden, Bahnen und Gesellschaft

Schwimmbadbau als Teil der Daseinsvorsorge? Und was ist eigentlich, bautypologisch betrachtet, Schwimmbadbau? Vergnügungsstätte mit Vergnügungsstättenverordnung? Kampfbahnhaus mit sportpädagogischem Hintergrund? Hygienetempel oder, ganz groß gedacht, die gezähmte Wassernatur unter Dach oder freiem Himmel? Schwimmbäder werden, heute meist in kommunaler Hand, eher geschlossen als neueröffnet, die Bauaufgabe, der Hans Scharoun ebenso etwas (Überraschendes) beisteuerte wie Max Frisch oder Otto Zollinger, Günther Behnisch oder Hans-Busso von Busse, ist kaum noch auszumachen. Die Zeit der Spaßbäder ist vorbei, was danach kommen sollte, daran kann sich heute niemand mehr erinnern.

Grund genug also, die Geschichte des (deutschen) Schwimmbadbaus auszurollen. Matthias Oloew schaut dabei insbesondere auf die Baugeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg, stellt allerdings in der ersten Hälfte seiner Arbeit grundsätzliche Fragen zur Vorgeschichte, die die Zwischenkriegszeit umfasst. Funktion und Form, Zweck oder Repräsentation, Hygienedenken, Gemeinschaft erleben und Schwimmen sind Kampf in der Nazizeit, das sind hier die Stichworte, die das Fundament dafür liefern, was sich in den anschließenden Jahrzehnten bis zur Jahrtausendwende entwickelte.

Aber hat sich etwas entwickelt in dieser Zeit? Das Thema der Versorgung der Menschen mit einem – aus Autorensicht – wesentlichen Freizeitangebot ist ein großes Thema, architektonisch bleibt in der Regel eine von Trägern überspannte Halle mit ihren Wasserbecken, mal hinter geöffneten, mal hinter geschlossenen Fassaden, mal mit, mal ohne Sprungtürme, mal als Wellenbad, dann als Wettkampfbecken, mal als saniertes Volksbad, mal als hypermodere Badelandschaft.

Damit bietet die Arbeit eine im Wesentlichen chronologische Darstellung der Bau- und Architekturgeschichte des Schwimmbads mit Blick auf Architektur und Ausstattung sowie mit Blick auf Politik und Architekten. Die Fokusierung auf einzelne Städte erlaubt u. a. den Schluss, dass es mit dem Bäderbau als Daseinsvorsorge abwärts geht. Heute ins Schwimmbad? Gerne, aber wurde das nicht gerade geschlossen? Be. K.

Matthias Oloew, Schwimmbäder. 200 Jahre Architekturgeschichte des öffentlichen Bades. Vom ersten gedeckten Schwimmbecken in Magdeburg 1830 bis zu den Herausforderungen im Jahr 2030. Reimer Verlag, Berlin 2019, 392 S., 22 Farb- u. 234 sw-Abb.79 €, ISBN 978-3-496-01617-5

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Ausgabe 03/2013

Neues Gymnasium, Bochum www.hascherjehle.de, www.neues-gymnasium-bochum.de

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