Architekten erforschen russische Gittertürme

Vladimir G. Schuchov gehört zu den genialsten Ingenieuren des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Russe entwickelte völlig neue Bautechniken, darunter das erste Hängedach. Aus verdrehten, sich überkreuzenden Stabreihen baute er bis zu 150 m hohe Gittertürme – eine enorm sparsame, äußerst stabile und überdies elegante Konstruktionsweise. Doch sein Werk wird international kaum beachtet. Ein internationales Forscherteam untersucht nun Entstehung, Tragverhalten und Zustand der Bauwerke. Als erster Wissenschaftler hatte Andrij Kutnyi von der Technischen Universität München (TUM) Zugang zu den 100 Jahre alten Schuchov-Leuchttürmen am Schwarzen Meer.

Das erste Ziel des interdisziplinären Forschungsprojekts mit Wissenschaftlern der Universität Innsbruck und der ETH Zürich ist es, sämtliche Bauwerke Schuchovs zu identifizieren. Viele Türme sind von Verfall und Zerstörung bedroht, andere längst verschwunden. Im zweiten Schritt vermessen und dokumentieren die Bauforscher der TU München die Konstruktionen und rekonstruieren ihre Entstehung. Was die Türme im Einzelnen so stabil macht, untersuchen die Tragwerksplaner der TUM: Welche Parameter bestimmen die Form der Hyperboloide? Welche Wechselwirkungen haben Geometrie und Tragverhalten?

Das Forschungsprojekt könnte Grundlagen schaffen, Schuchovs zeitlos elegante Formen wieder vermehrt einzusetzen – beispielsweise für neue Strommasten, die wegen der Energiewende gebaut werden müssen.

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Interdisziplinäres Forschungsprojekt der Universitäten Innsbruck und Zürich ist dabei, sämtliche Bauwerke Vladimir G. Schuchovs zu identifizieren

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