Architektenerscheinung

Wer unserer Leseempfehlung in DBZ 10 | 2025 gefolgt ist und sich Tom Emersons London­spaziergang entlang des „Dirty old River“ (bei Park Books) angeschlossen hat, dem wird in der hier vorliegenden Publikation textlich nichts Neu vorkommen. Tom Emerson hat dem schönen Foto­essay Johan Dehlins zu fünf frühen Gehry-Bauten seinen Gehry-Text erneut hinzu gestellt. Fünf „weitgehend unbekannte“ (Verlag) Bauten Gehrys werden hier über neu erstellte Zeichnungen und die Fotografie Dehins präsentiert, ob unbekannt oder eher hinter den Großtaten der späteren Bauphase verblasst, sei dahingestellt. Die fünf bilden, so Emerson mit Recht, Abschluss und Durchgang bis heute, sie sind Schlüsselwerke auch für die Museumsbauten. Die Echos sind auf das Assemblieren, dem „as found“, wie es gleichzeitig auch die Smithons baulich in die Welt setzten. Das frühe Experiment, das auch auf Gehrys Verbindung zur Cool School zurückzuführen ist, ist heute aktueller denn je.

Und so schauen wir über eine Portraitfotografie Johan Dehlins auf die Wohnhäuser/Galerien im Raum LA, als da sind Gemini G.E.L. (1979), das Spiller House (1980), die Indiana Avenue Houses (1981) sowie das Benson- (1984) und das Norton House (1984). Dass auf den Fotos ein Architekt erscheint, der längst hinter Bilbao-Effekten oder einem spektakulären (Fassaden-)Dekonstruktivismus verschüttet ist, muss als Hauptverdienst dieser schön gemachten, mit eben kongenialen Fotografien reich gesegneten Publiaktion genannt werden. Von hier ausgehend können wir den Architekten, auch den Menschen Frank Gehry neu anschauen, sein Werk differenzierter sehen.

Und nicht zuletzt: Die fünf Häuser in LA stehen für eine Lebenshaltung, einen Live-Style, der im aktuellen Nordamerika zu verschwinden droht. Fast schade, dass diese Publikation nach dem Tod Gehrys erscheint. Er hätte dieses sehr intensive Wiedersehen gefeiert!                                  Be. K.

Johan Dehlin, Five Buildings by Frank Gehry. Fotografie Dehlin. Texte von H. Sample & T. Emerson. Walther König, Köln 2025, 188 S. mit 128 Abb., davon 103 Farbfotos u. Plänen

48 €, ISBN 978-3-7533-0589-9

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 10/2025

A pleasant Reminder

Die insgesamt 12 Texte des Buchs, dessen Titel eine Hommage an den Kinks-Song „Waterloo Sunset“ ist, eröffnen ein weites (Spannungs-)Feld an Themen zwischen Hochkultur und Alltäglichem. Leserinnen...

mehr

„New York by Gehry“ Ein neuer Wohnturm mitten in Manhattan, New York, aus der Feder Frank Gehrys

Vor wie vielen Jahren noch wollte Mr Gehry in New York ein neues Guggenheim bauen? Direkt unterhalb der Brooklyn Brigde am East River hätte sich die dann größte Museumsdependance des...

mehr
Ausgabe 07/2011

„New York by Gehry“ www.newyorkbygehry.com, www.foga.com

Er musste zweiundachtzig werden, der Meister aus dem Sonnenland Kalifornien Frank Gehry, bevor er einen wirklichen Hochhaus­turm in sein Werkverzeichnis eintragen konnte. Mitten in Manhattan steht...

mehr
Ausgabe 04/2009

Zweimal achtzig Frank O. Gehry und Walther Betz wurden 80

Eigentlich verbindet die beiden Architekten nicht so viel, ganz im Gegenteil ist ihre Auffassung von Architektur deutlich ihrem Herkommen und der Region geschuldet, aus welcher sie stammen. So ist der...

mehr
Ausgabe 7/8/2018

Gehry gegen Kaden = Beton gegen Holz?

Vor gut vier Jahren (DBZ 03|2014) berichteten wir ausführlich über den Hochhauswettbewerb am Alexanderplatz in Berlin. Der schon lange an diesem zentralen Ort aktive Investor Hines, ein privates und...

mehr