DAM Preis 2024 für Studierendenhaus der TU Braunschweig

Ausstellung der besten Bauten noch bis 28. April im DAM

Der DAM Preis 2024 geht an Gustav Düsing und Max Hacke für das Studierendenhaus der TU Braunschweig. Der Siegerentwurf sowie alle Bauten der Shortlist sind noch bis zum 28. April 2024 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt zu sehen, teilt das Museum mit.

Bereits seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. Für die Longlist nominiert waren 104 Bauwerke aus Deutschland, von denen 24 in die engere Auswahl kamen und letztlich fünf Finalisten ausgewählt wurden. Grundsätzlich bestand für die Nominierung der Bauten keine Einschränkung auf eine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme. Zwei Bauten deutscher Architekten im Ausland (Niederlande und Mexiko) kam außer Konkurrenz hinzu, sie sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Knapp die Hälfte der Bauten seien Projekte am und mit dem Bestand, was häufig auch umfassende Renovierungen einschließe, teilt das DAM mit. Flexibilität sei ein anderes wichtiges Thema, sei es, mit Wohnungszuschnitten auf verschiedene Lebensformen zu reagieren oder zwischen unterschiedlichen Nutzungen zu wechseln, wenn z.B. ein als Bürobau geplantes Haus mit wenig Aufwand in ein Wohngebäude umgebaut werden kann. Den zumindest temporär beliebten Rückzug aufs Land spiegeln drei individuelle Ferienhäuser wider.

Die Preisträger

Gustav Düsing und Max Hacke - Studierendenhaus der TU Braunschweig

Siegreich: Haupteingang und Vorplatz des Studierendenhauses von Gustav Düsing und Max Hacke
Foto: Leonhard Clemens

Siegreich: Haupteingang und Vorplatz des Studierendenhauses von Gustav Düsing und Max Hacke
Foto: Leonhard Clemens

Das Bauwerk auf dem Campus der TU Braunschweig ist einem Wettbewerb zu verdanken, der 2015 unter den wissenschaftlichen Mitarbeitenden der Architektur-Fakultät initiiert wurde, um Arbeitsplätze für Studierende zu schaffen. Die Arbeit von Gustav Düsing und Max Hacke wurde von der Jury ausgewählt und mithilfe eines lokalen Ingenieurbüros realisiert. Das etwa 1.000 Quadratmeter große zweigeschossige Haus mit Arbeitsplätzen für bis zu 160 Studierende ist ein lichtes, filigranes Bauwerk aus weißem Stahlgestänge und Glas. Es überzeugte die Jury mit seiner technischen Raffinesse, bei gleichzeitig hoher Abstraktion und visueller Reduktion. Das weit auskragende Dach überspannt die außenliegenden Treppen und im Obergeschoss einen balkonartigen Umlauf, der die Arbeitsplätze in den Außenraum erweitert. Auf diagonale Kreuze zur Aussteifung wurden verzichtet. Diese Aufgabe übernehmen der massive Kern und die einläufigen Stahltreppen, die kraftschlüssig verbunden sind. Sonnengelbe Vorhänge als Raumteiler setzen Akzente in der ansonsten von Weiß- und Grautönen dominierten Farbpalette.

Sonnengelbe Vorhänge als Raumteiler setzen Akzente im Studierendenhaus der TU Braunschweig
Foto: Iwan Baan

Sonnengelbe Vorhänge als Raumteiler setzen Akzente im Studierendenhaus der TU Braunschweig
Foto: Iwan Baan

Die Konstruktion sei mit zehn Zentimeter dünnen Stahlrohren und einem eigens entwickelten Knotenpunkt, ohne zusätzliche Konstruktion für die angeschraubte Fassade und mit integrierter Verkabelung meisterhaft, so die Jury. Darüber hinaus sei das Gebäude eines der seltenen realisierten Beispiele für zirkuläres Bauen. Außerdem beantworte das Stahl-Glas-Haus viele Fragen an das Bauen von heute: Wie wollen wir arbeiten? Wie sehen Orte der Interaktion aus, die weder allein dem Wohnen noch dem Arbeiten vorbehalten sind? Das alles lasse sich im Studierendenhaus beobachten, das an sieben Tagen von 8 bis 22 Uhr genutzt werde.

Und schließlich sei das Studierendenhaus von einer modernen, funktionalistischen Schönheit aus selbstverständlichen Details, aus einer reduzierten Materialität und einer intuitiven Lowtech-Haustechnik, wie der mechanischen Durchlüftung, dem zentralen Dachoberlicht und den Klappflügeln in der Glasfassade. Ein Haus, das alle Probleme von Energieeinsparung, Sonneneinstrahlung bis hin zur Reversibilität und Wiederverwendbarkeit löse, so die Jury. Mehr dazu in DBZ 09/2023

Weitere Finalisten

Florian Nagler Architekten - Dante II, München

Florian Nagler Architekten - Dante II, München
Foto: Stefan Müller-Nauman

Florian Nagler Architekten - Dante II, München
Foto: Stefan Müller-Nauman

Die Überbauung des Parkplatzes sollte zügig Wohnraum zur Verfügung stellen. Um so viele Parkplätze wie möglich zu erhalten, wurde eine Konstruktion aus Stahlbetonstützen und Unterzügen errichtet, worauf dann die Wohnbebauung als Holzkonstruktion ruht. Die 144 Wohnungen werden von den Treppenhäusern über Laubengänge erschlossen. Vor jeweils drei Wohnungen ist der Laubengang zu einem kleinen Erker ausgeweitet, der als Treffpunkt und Freibereich für die Bewohner dient. Außerdem gibt es eine großzügige Dachterrasse. Die Stahlbetonkonstruktion wurde in einer Kombination aus Fertigteilen und Ortbeton hergestellt. Der Holzbau wurde mit hohem Vorfertigungsgrad innerhalb eines knappen Jahres errichtet. Die farbige Fassade ist so gegliedert, dass die Konstruktion und der Montageprozess noch ablesbar sind. Das Haus füge sich in die Umgebung mit ihren überwiegend farbigen Putzbauten ein.

Innauer-Matt Architekten - Kunstraum Kassel

Innauer-Matt Architekten - Kunstraum Kassel, Kassel
Foto: Nicolas Wefers

Innauer-Matt Architekten - Kunstraum Kassel, Kassel
Foto: Nicolas Wefers

Die neue Ausstellungshalle ist ein reiner Holzbau, der in den Innenhof der denkmalgeschützten Kunsthochschule, ein Bau von Paul Friedrich Posenenske, gesetzt wurde. Die Halle mit rund 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll als studentisches »Ausstellungslabor« ebenso dienen wie zur Herstellung von großformatigen Kunstwerken. Die dunkel gehaltene Fassadengestaltung setzt sich deutlich vom Gebäudebestand ab. Die überall sichtbare, vom Tragwerk klar gegliederte Gebäudestruktur sei hingegen ein deutlicher Bezug zum denkmalgeschützten Bestand. Der klare, stützenfreie Innenraum ermögliche die gewünschten Nutzungsvarianten. 864 eigens für das Projekt entwickelte Lichtlinsen bringen umlaufend gleichmäßig diffuses Licht in den Innenraum.

June14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff - Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin

June14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff - Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin
Foto: Laurian Ghinitoiu

June14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff - Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin
Foto: Laurian Ghinitoiu

Die Struktur des Baugruppenhauses besteht aus sechs Türmen, die sich vertikal und horizontal überschneiden. Sie folgen jeweils versetzt den beiden nicht orthogonalen Straßenverläufen und verzahnen sich durch die entstehenden Vor- und Rücksprünge mit dem Stadtraum und dessen Akteuren. Jede Wohnung hat einen sehr hohen Raum und optional mehrere niedrigere Räume, die auch zwischen den Wohnungen gemeinsam genutzt werden können. Dieses einfache Prinzip ermöglicht viele Kombinationsmöglichkeiten in Bezug auf Größe und räumliche Konfiguration. Das Haus möchte neue Alternativen für unser Zusammenleben bieten und flexibel auf individuelle Bedürfnisse und Absprachen reagieren können, wobei die Architektur das Teilen nicht vorschreibt, sondern nur ermöglicht. Auch in den Wohnungen selbst sind die Bewohner herausgefordert, ihren Lebensstil selbst zu gestalten, da die Räume keine Nutzungen vorgeben.

Nalbach + Nalbach - Kantgaragenpalast, Berlin

Nalbach + Nalbach - Kantgaragenpalast, Berlin
Foto: Ken Schluchtmann

Nalbach + Nalbach - Kantgaragenpalast, Berlin
Foto: Ken Schluchtmann

Die abrissgefährdete Kantgarage gilt als Deutschlands bedeutendste Großgarage der Zwischenkriegsmoderne und als die älteste mit Doppelhelix in Europa. Ziel der Sanierung war, die Originalsubstanz möglichst umfangreich zu erhalten. Auf den Rampen können heute als »Art Walk« Ausstellungen präsentiert werden. Der Stahlbetonskelettbau mit einer Deckenstärke von nur elf Zentimetern ist mit Mauerwerk ausgefacht und im historischen Sinne konstruktiv ablesbar. Sämtliche tragende Elemente wurden mit zwei Zentimeter starkem Betonputz versehen. Die historische Befahrbarkeit aller Geschosse ist optisch durch die Glastürelemente am Ende der Rampen erlebbar. Der alte Boden erinnert an die alte Fahrbahn, die gesamte Farbgebung innen und außen wurde gemäß dem Farbbefund wiederhergestellt. Die Originalfassade an der Kantstraße wurde komplett ausgebaut, werkseitig restauriert und mit transluzentem historischen Drahtglas versehen. Das Filigrane der Profile der Einfachverglasung wurde vollkommen erhalten. Eine zweite gläserne Fassade im Inneren übernimmt dagegen die technischen Anforderungen aus der neuen Nutzung.

Katalog:

Architekturführer Deutschland 2024, Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.) Erschienen bei DOM publishers, Berlin / 2023, Softcover, 224 Seiten, 28 Euro.

Deutsches Architektur Jahrbuch 2024, Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.) Erschienen bei DOM publishers, 2024, 256 Seiten, 38 Euro

Ausstellung

Deutsches Architekturmuseum im DAM OSTEND, Henschelstr. 18, 60314 Frankfurt am Main

Di, Do – Fr 12 – 18 Uhr, Mi 12 – 19 Uhr, Sa – So 11 — 18 Uhr / Mo geschlossen

www.dam-preis.de

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