Medienarbeit des Bauhauses

Tagung „bauhauskommunikation“ am 18. und 19. Juni 2009, Weimar

Mit einer deutlichen Kampfansage setzte sich der Bauhausdirektor Walter Gropius gegen die Presseangriffe auf seine neu gegründete Hochschule zur Wehr. Das Bauhaus war nämlich nicht nur eine künstlerische und pädagogische Einrichtung, sondern auch immer wieder Gegenstand kritischer, öffentlicher Diskussionen. In den 14 Jahren seines Bestehens wurden am Bauhaus "innovative Kommunikationsmaßnahmen nach innen und außen entwickelt", erklärt Professor Patrick Rössler. Der Kommunikationswissenschaftler von der Universität Erfurt untersuchte in einem einjährigen Forschungsprojekt die Medienarbeit der Einrichtung. Die Ergebnisse dieser und anderer Studien werden am 18. und 19. Juni in einem Symposium im Goethe- Nationalmuseum Weimar vorgestellt.

Gropius selbst entwickelte ein Leitbild und eine Corporate Identity für das Bauhaus, auch wenn diese Begriffe damals noch nicht verwendet wurden. Grundlage für die Bauhauskommunikation war eine intensive Pressearbeit: Gropius beauftragte einen Presseausschnittsdienst, alle über das Bauhaus erschienen Zeitungsausschnitte zu sammeln und weiterzuleiten - eine ungewöhnliche Maßnahme für eine Kunsthochschule dieser Zeit. Und obwohl dieses Monitoring nicht alle erschienen Artikel erfasste, bot es doch eine gute Grundlage die veröffentlichte Meinung über das Bauhaus im Blick zu behalten und durch Pressemitteilungen und eigene Artikel aufzuwerten. "Die Presse ist hier sehr blöd und bewusst bauhausfeindlich", war sich Gropius schon 1922 - nach der ersten Welle der Bauhausangriffe - sicher.

Die Ergebnisse der Analyse der Erfurter Kommunikationswissenschaftler sind unerwartet. "Die Meinung der Presse über das Bauhaus war keinesfalls durchweg negativ", berichtet Professor Rössler. "Gropius hatte zwar recht mit seiner Meinung in Bezug auf die Weimarische Presse - deutschlandweit war das Echo auf das Bauhaus aber überwiegend positiv". Später gab das Bauhaus sogar eigene Medien (wie die verschiedenen Bauhauszeitschriften und die Reihe der Bauhausbücher) heraus. Solche Corporate Publishing-Produkte haben sich in der heutigen Unternehmenswelt fest etabliert - damals waren sie jedoch ein Novum.

Um all diese Aspekte der Medienarbeit geht es Mitte Juni auf der Tagung zum Thema "bauhauskommunikation": International hochkarätige Referenten sind geladen und werden insgesamt 16 Vorträge bestreiten, darunter unter anderem Prof. Dr. Magdalena Droste (Cottbus/ Berlin), Dara Kiese (Museum of Modern Art, New York), Ute Brüning (Berlin) und Vertreter der Bauhaus-Einrichtungen in Weimar, Dessau und Berlin.

Veranstaltet wird das Symposium von einem Team des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt, das selbst auch eigene Forschungsergebnisse präsentiert. In den Vorträgen des Symposiums werden die Facetten der Öffentlichkeits- und Medienarbeit am Bauhaus, darunter die bauhauseigenen Veröffentlichungen, Ausstellungen und deren Medienresonanz untersucht und präsentiert.

Veranstaltung: Symposium „bauhauskommunikation“
Ort: Goethe-Nationalmuseum Weimar, Frauenplan 1, 99423 Weimar
Zeit: 18. bis 19. Juni 2009
Weitere Informationen: Die Teilnahme am Symposium ist kostenfrei, die vorige Anmeldung zwecks Planung zwingend erforderlich. Zur Veranstaltung erscheint zudem eine umfangreiche Publikation in einer neu aufgelegten Reihe der klassischen "Bauhausbücher".
Kontakt: Universität Erfurt, Kommunikationswissenschaft, Corinna Lauerer, Nordhäuser Straße 63, 99089 Erfurt
Tel: (0172) 36 17 358, Fax: (0361) 73 74 179
Email: info@bauhauskommunikation
Internet:www.bauhauskommunikation.de  
Bibliografie:
Patrick Rössler (Hrsg.), bauhauskommunikation.Gebr. Mann Verlag, Berlin 2009
ca. 300 Seiten mit Abbildungen, 39,00 Euro ISBN 978-3-78-61-2606-5.

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