Energiekonzept verabschiedet

Das Bundeskabinett bekennt sich zum Technologie- und Wohlstandsstandort Deutschland; mehr aber auch nicht

Am Dienstag  (28. September 2010) beriet und verabschiedete das Kabinett der Bundesregierung eine umfassende wie zugleich allgemein gehaltene Absichtserklärung zum „Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“. Zentrales Thema dieser Absichtserklärung (siehe Anlage unten) war allerdings nicht, wie man vielleicht denken könnte, die CO2-Minderung, zentrale Themen waren die Bewahrung der Wettbewerbsfähigheit und das „hohe Wohlstandsniveau“ des Innovationsstandortes Deutschland. Des Weiteren wurde ein Szenario zukünftiger Mobilität (Elektro) gezeichnet wie das Damoklesschwert „Zwangssanierung“ zwecks Erreichung des politisch gewollten Null-Emissions-Standards bis 2050 an mehrere weitere Pferdehaare festgebunden. Die Bürger sollen allein über Anreize zur Sanierung bewegt werden (wie auch über die in diesem Konzept notierte Kostenexplosion auf dem Energiemarkt).

Neu ist das alles nicht, revolutionär schon gar nicht, von Einschnitten beispielsweise ist immer noch nicht die Rede, im Gegenteil muss das „hohe Wohlstandsniveau“ auch in den kommenden 40 Jahren gewahrt bleiben; man möchte schreiben „auf Teufel komm raus!“. Energieeffizienz? Ja bitte, was aber ist mit der Energieeffektivität? Von Verdopplung der Sanierungsleistung ist die Rede, sie sei notwendig, das Null-Emissions-Zeil 2050 zu erreichen. Doch was als Bild erstmal schön aussieht (Verdopplung), erscheint als Zahl ernüchternd: Statt ein Prozent des Bestandes pro Jahr, sollen es dann zwei werden. Welche Energieverbräuche aber in vierzig Jahren anstehen, welche Energien der mündige Bürger in 2050 aufwenden muss, um beispielsweise seinen Hausmüll zu entsorgen, Trinkwasser aufzubereiten, seine Kommunikationstechnologien zu betreiben oder die Elektroautoflotte der Familie für den Wochenendausflug aufzuladen, das kann man heute ahnen, Mut macht das allerdings nicht.

Wir brauchen eben nicht zuerst neue Technologien, wir brauchen in erster Linie helle, kühle Köpfe, Planer beispielsweise, die aus Respekt vor dem allgemeinen Wohlstandsniveau des Menschen (und das liegt weit unter dem in diesem Land) der Zeit angemessen planen; also effektiv, also mit Wirkung auf ein neues Denken, eine neue Haltung, eine zukünftige Architektur jenseits aller Wohlstandsklischees. Be. K.

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