Deutscher Pavillon auf der 17. Architekturbiennale Venedig 2020

2038

Das Ausstellungskonzept für den Deutschen Pavillon steht

"2038" ist ein internationales Team aus den Bereichen Architektur, Kunst, Literatur, Ökologie, Ökonomie, Politik und Technologie. Es wurde 2019 von Arno Brandlhuber, Olaf Grawert, Nikolaus Hirsch und Christopher Roth für den Beitrag des Deutschen Pavillons auf der 17. Architekturbiennale Venedig 2020 initiiert.

2038.
Die Neue Gelassenheit – Geschichte

Heute, im Jahr 2038, haben wir die großen Krisen gemeistert. Es war knapp, aber wir haben es geschafft. Die globalen, ökonomischen und ökologischen Katastrophen der 2020er Jahre brachten Menschen, Staaten, Institutionen und Unternehmen zusammen. Gemeinsam verpflichteten sie sich auf Grundrechte und schufen selbsttragende Systeme auf universeller Basis, die dezentralen lokalen Strukturen den Raum geben, individuelle Lebensweisen zu erhalten.

Technologien und Big Data halfen uns dabei, neue und alte Ideen des Zusammenlebens in die Realität umzusetzen. Und oftmals waren Architektinnen und Architekten Teil der Lösungen, weil sie Antworten statt Fragen hatten. Drama ist jetzt Geschichte. Wir leben in einer radikalen Demokratie, einer radikalen Bürokratie. In einer Welt, die weder Heldinnen noch Schurken kennt. Oder braucht.

2020.
Who architects the future? – Kuratorisches Konzept

Am 12. November 2008 titelte die New York Times: IRAQ WAR ENDS. Die Nachricht überraschte alle die wie jeden Morgen am Frühstückstisch, auf dem Weg in die Arbeit oder bei einem Kaffee die Zeitung lasen. Die Ausgabe war datiert auf den 4. Juli 2009. Good Fake News.

Den «Yes Men», einer Netzkunst- und Aktivistengruppe gelang es mit dieser Aktion, die öffentliche Wahrnehmung Tausender zu verändern. Gemeinsam glaubten sie in diesem Moment an eine alternative Zukunft ohne Krieg. Fiktion wurde Realität.

Obwohl die Fälschung schnell als solche erkannt wurde, lasen sie weiter. Über eine liberale Utopie mit nationaler Gesundheitsversorgung, erstarkter Wirtschaft, progressiven Steuermodellen, einem nationalen Fond zur Erforschung des Klimawandels und anderen Zielen einer fortschrittlichen Politik.

Storytelling

2038 ist ein lösungs-optimistischer Rückblick aus der Zukunft. 2038 erzählt die Geschichte einer Vergangenheit, die wir heute noch Zukunft nennen. Statt Fragen zu stellen und Optionen aufzuzeigen, wagt es 2038, Antworten zu geben. In einer Reihe von Filmen, zwischen Fiktion und Fakt, erzählt 2038 die Geschichte einer Welt, in der noch einmal alles gut gegangen ist und wir in einer Ära der “Neuen Gelassenheit” angekommen sind. Eine Fiktion, die ihre Berechtigung im Wissen der Expertinnen und Experten hinter dem Projekt findet. Aus Politik, Kunst und Wirtschaft, aus Ökologie, Technologie und Architektur. Es geht darum, wie wir in Zukunft miteinander leben wollten.

Publikation

Die offizielle Publikation des Deutschen Pavillons entsteht in Kollaboration mit Arts of the Working Class, einer internationalen Straßenzeitung für Kunst und Gesellschaft, Armut und Reichtum. Arts of the Working Class erscheint alle zwei Monate und enthält mehrsprachige Beiträge von Künstlerinnen und Künstlern und Denkerinnen und Denkern aus verschiedenen Feldern und Ländern. Sie zeigt das Potential der Kunst auf, die nicht nur für die Wenigen, sondern für alle da ist. Mit ihrem Verkauf auf den Straßen trägt sie zur Meinungsvielfalt einer offenen Gesellschaft bei und re-definiert das Territorium der Künste, deren Lebensraum die Architektur ist. Verkäuferinnen und Verkäufer auf den Straßen behalten den vollen Verkaufspreis. Jede Künstlerin und jeder Künstler, deren/dessen Arbeit beworben wird, gestaltet mit.

Arts of the Working Class wird von Alina Ana Kolar, María Inés Plaza und Lazo Pauł Sochacki entwickelt und erscheint für die Straßen der Welt.

Pavillon

Die Gestaltung und Ausstattung des Deutschen Pavillons entsteht in Kollaboration mit Rebiennale, einer Plattform, die von einem Netzwerk venezianischer Bürgerinnen und Bürger, Studierender, Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstler und politischen Aktivistinnen und Aktivisten geschaffen wurde. Mit dem Ziel, Abfallmaterialien für ein gemeinsames Projekt der Stadterneuerung wiederzuverwenden, konzentrierte sich ihre Praxis von Anfang an auf die enorme Menge an Müll, die bei den Biennale-Ausstellungen anfällt. Ihr Anliegen ist, Methoden, Fähigkeiten und Know-how im Bereich des Selber-Bauens und der Wiederverwertung auszutauschen.

Mit Blaise Agüera y Arcas, Diana Alvarez-Marin, Andrés Arauz, Arts of the Working
Class, Mara Balestrini, Sandra Bartoli, Diann Bauer, Jan Bauer, BBSR, Tatiana Bilbao,
BMI, Oana Bogdan, Mohamed Bourouissa, Arno Brandlhuber, Jakob Brandtberg
Knudsen & Lorenz von Seidlein, Francesca Bria, Vera Bühlmann, Bureau N, Benjamin
Burq, Vint Cerf, cfk architetti, Elke Doppelbauer, Tobia de Eccher, Keller Easterling,
Eidotech, Kurt Eggenschwiler, Ludwig Engel, ExRotaprint, Cosimo Flohr, Lenny
Flohr, Michaela Friedberg, Yona Friedman, Renée Gailhoustet, Jan-Peter Gieseking,
Goethe Institut, Olaf Grawert, Dorothee Hahn, Nils Havelka, Saskia Hebert, Helene
Hegemann, Holger Heissmeyer, Nikolaus Hirsch, Fabrizio Hochschild Drummond,
Ludger Hovestadt, Pan Hu, JUNG, Sonja Junkers, Roberta Jurcic, Claudia Kessler,
Sénamé Koffi Agbodjinou, Lukas Kubina, Nikolaus Kuhnert, Christopher Kulendran
Thomas & Annika Kuhlmann, Phyllis Lambert, Lawrence Lessig, Ferdinand Ludwig
& Daniel Schoenle, Suhail Malik, Charlotte Malterre-Barthes, Hilary Mason,
James Meadway, Omoju Miller, Evgeny Morozov, Motif, Motor Productions,
Caroline Nevejan, Bahar Noorizadeh, Sabine Oberhuber, Jorge Orozco, Verena Otto,
Poligonal, Joana Pope, Leif Randt, Thomas Rau, RAUE Rechtsanwälte und
Rechtsanwältinnen, Rebiennale, Denis ‚Jaromil‘ Roio, Raquel Rolnik, Meghan Rolvien,
Christopher Roth, Juliana Rotich, Saygel, Schreiber & Gioberti, Jan Schmidt-Garre,
Patrik Schumacher, Max Senges, Deane Simpson, Sol Marino, Bruce Sterling,
Michael Stöppler, Lia Strenge, Audrey Tang, TECE, The Laboratory of Manuel Bürger,
Jeanne Tremsal, Galaad Van Daele, Iris van der Tuin, VITRA International, Georg
Vrachliotis, Julian Wäckerlin, Eyal Weizman, Julia Werlen, Why Ventures, Erez Yoeli,
Tirdad Zolghadr und viele mehr.

Thematisch passende Artikel:

2019-11

Kuratoren für den deutschen Pavillon 2020 gefunden

Anfang Oktober 2019 hatte das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat die Kuratoren des deutschen Pavillons der 17. Architekturbiennale Venedig 2020 bekanntgegeben. Das Team „2038“...

mehr

Jetzt aber alle sputen!

Konzept für deutschen Pavillon in Venedig in Berlin vorgestellt

Eigentlich ist alles ganz einfach: Wir machen alles anders, als unsere Vorgänger. Und setzen dabei auf ein Heer von Zulieferern. Und zwar international. Wir richten also den Fokus international aus...

mehr

Kuratorenteam des deutschen Pavillons 2020 steht fest

Das Team "2038" verantwortet den deutschen Beitrag auf der 17. Architekturbiennale 2020 in Venedig. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) folgt mit der Beauftragung der...

mehr
2009-09

Konzepte für Venedig 12. Architekturbiennale Venedig 2010: Generalkommissar gesucht!

Die Architekturbiennale Venedig ist die bedeutendste internationale Architekturausstellung in Europa. Der deutsche Beitrag für die Architekturbiennale wird durch das Bundesministerium für Verkehr,...

mehr

Deutscher Pavillon in Venedig eröffnet

Ab dem vergangenen Wochenende ist die 16. Architekturbiennale in Venedig bis November 2018 für alle offen

28 Jahre lang ist Deutschland vereint, exakt so lange, wie die Berliner Mauer (1961–1989) bestand. Zu dieser Zeitengleiche werden GRAFT und Marianne Birthler ab dem 26. Mai 2018 im Deutschen Pavillon...

mehr