Nur fast geglückt

Ist es Zufall oder nicht, dass in zwei Verlagen Bücher publiziert wurden, die sehr nahe beieinanderliegen? Das hier besprochene hat zudem die Besonderheit, dass der Verleger ein Buch herausbringt, das das Werk des Vaters vor Augen führt, führen soll. Er hat es natürlich nicht selbst gemacht, die Aufgabe hat ein Autor übernommen. Doch nach Anmutung und Charakter ist es ein DOM-Publisher-Kind, bei dessen Geburt der Verleger/Sohn selbstredend zur Seite gestanden haben wird.

Beide Bücher parallel zu lesen verwirrt vielleicht, schon, weil die gleichen Projekte vorgestellt werden über meist dieselben Projektansichten. Doch während der Band über die Arbeiten von Walter von Lom das zeigt, was der Architekt gebaut hat, was er darüber dachte, wie er einzelne Arbeiten im Kontext des ganzen Werks angesehen hat, ist hier der Blick auf das Schaffen des Architekten Hubert Meuser der Blick aus der zweiten Reihe: Hubert Meuser war – zunächst bei den Schürmanns (wie von Lom auch), dann bei von Lom  – Projekt- und später Büroleiter.

Und da wird es kompliziert. Scheinen die Anteile an den Arbeiten bei von Lom klar zu sein – was gerne auch einer Selbsttäuschung entspringt! –, ist die Zuweisung auf Urheberschaft beim Projektleiter oder Partner schwieriger. Darum sind die ersten Projektstrecken als „Mitarbeit … im Büro Schürmann/von Lom“ übertitelt. Und fragte man sich gerade, welcher Art diese Mitarbeit war, kommt das sehr knappe Kapitel „Bauten und Projekte in Eigenverantwortung“ mit überwiegend Wohnhäusern.

Ja, es gibt ein Gespräch mit beiden Architekten, mit Herrn Meuser und von Lom. Es gibt am Ende der Projekteschau einen längeren Text „Gedanken zur deutschen Architekturgeschichte zwischen 1975 und dem Millenium“, in welchem der Autor leider mehr über sich selbst und seine Auffassungen/Meinungen zur Architektur schreibt, als dass er versuchte, diesen Rückblick an der Biografie des Herrn Meuser, wie er gerne genannt wurde, aufzuhängen.

Und ja: Vielmehr als diesen „Gedanken zu ...“-Abschluss hätte ich mich über eine Geschichte zum Architekten, Hochschullehrer und eben Verleger Philipp Meuser gefreut, eine Vater-Sohn-Geschichte, die in der Architektenlandschaft keine seltene Konstellation beschreibt. Allerdings wäre dann vielleicht herausgekommen, was die linke Hand der Architektur in Händen hält … Beziehungsfäden möglicherweise! Be. K.

Dirk Meyhöfer, Die rechte Hand der Architektur. Baukulturelles Umdenken und Weiterbauen. Das Schaffen des Architekten Hubert Meuser 1965–2015. Mit e. Vorw. v. Walter von Lom. DOM Publishers, Berlin 2023, 192 S., 240 Farb. u. sw-Abb.,28 €, ISBN 978-3-86922-847-1
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 06/2014

Zeitenfänger

Bei der Recherche zum IBM Gelände in Stuttgart-Vaihingen (hier auf S. 38) geriet auch das hier besprochene Buch in den Blick, in welchem der Fotograf und Verleger Andreas Gehrke Bilder von Partien...

mehr
Ausgabe 11/2009

Gang über die Buchmesse Neues Museum, weniger Fachbücher. Birkhäuser verkauft?

Das E-Book, wie oft schrieb ich an dieser Stelle schon darüber? Spätestens seit der Buchmesse 2002 in Frankfurt, als Umsatzrückgänge um rund 4,7 Prozent gemeldet wurden, war der Feind ausgemacht:...

mehr
Ausgabe 01-02/2024

Rob Krier (1938–2023)

Nachrufe bekannter Persönlichkeiten liegen, so die Mär, meist schon geschrieben in den Schubladen der Redaktionen. Heute wäre das eher ein digital dargestellter Ordner, der in der Rechnerhierarchie...

mehr
Ausgabe 10/2015

Wow!

Vielleicht ist das nicht gerade der seriöseste Einstieg in eine Buchrezension, aber ein Wow! muss hier einmal geschrieben sein: wegen der Menge an Seiten, wegen der Menge an Bildern, wegen der schier...

mehr
Ausgabe 11/2022

Quelle für das eigene Denken

Eigentlich wollte ich lange schon keine dieser tatsächlich überflüssigen Monografien mehr rezensieren, die die großen Architekturbüros dieser Welt in Auftrag geben. Meist sind das teure...

mehr