Niederschwellig, praxisnah, zukunftsorientiert

Der Studiengang Architektur an der IU Internationalen Hochschule, einer der größten Hochschulen Deutschlands, wurde 2019 etabliert und beschäftigt inzwischen 31 Professorinnen und Professoren an bundesweit 22 Standorten. Gelehrt wird per Fernstudium oder im dualen System in vier Großstädten und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Praxisunternehmen, wodurch ein starker praktischer Bezug implementiert wird. Darüber hinaus bietet die privat geführte IU durch ihre kompakten Strukturen und das digitale Lehrangebot einen niederschwelligen Zugang und arbeitet so am Thema der Bildungsgerechtigkeit.

Architektur befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch ökologische, technologische, gesellschaftliche und ökonomische Transformations-prozesse geprägt ist. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die architektonische Ausbildung. Hochschulen stehen vor der Aufgabe, Inhalte und Formate so weiterzuentwickeln, dass künftige Architektinnen und Architekten auf eine disziplinäre Realität vorbereitet werden, die zunehmend komplexer, digitaler, internationaler und zugleich lokaler in ihren räumlichen und sozialen Bezügen wird. Die IU Internationale Hochschule reagiert auf diese Veränderungen mit spezifischen strukturellen, organisatorischen und curricularen Ansätzen. Diese unterscheiden sich deutlich von jenen klassischer Hochschulen und eröffnen neue Wege zwischen digitaler Flexibilität, räumlicher Präsenz, gesellschaftlicher Zugänglichkeit und praxisnaher Verankerung.

Digital, modular, adaptiv

Die IU wurde 1998 mit der Zielsetzung gegründet, akademische Bildung durch differenzierte Studienmodelle zugänglich zu machen und Personen zu erreichen, die in traditionellen Hochschulstrukturen kaum oder nur unter erheblichem Aufwand studieren können. Die institutionelle Entwicklung der IU ist eng mit der kontinuierlichen Erprobung und Weiterentwicklung digitaler Lehrformate verbunden. Früh investierte die Hochschule in digitale Lernplattformen, modulare Curricula und adaptive Qualitätssicherungs-instrumente, die es ermöglichen, Studiengänge regelmäßig und in vergleichsweise kurzen Intervallen zu aktualisieren. Dadurch sammelte die IU bereits früh umfangreiche Erfahrungen mit didaktischen Mischformen, Fernstudienkonzepten und datengestützten Lehrprozessen.

Grundsätzlich ist zu bedenken, dass für den Eintritt in eine Architektenkammer mehrere Schritte erforderlich sind. Nach einem 180-ECTS-akkreditierten Bachelorstudiengang muss ein Masterstudiengang mit 120 ECTS-Punkten (vier Semester) erfolgreich abgeschlossen werden. Alternativ kann ein akkreditierter Bachelorstudiengang mit 240 ECTS-Punkten einen Masterabschluss ersetzen. Anschließend müssen zudem zwei Jahre Berufserfahrung absolviert, einzelne Leistungsphasen bearbeitet sowie weitere verpflichtende Schulungen und Fortbildungen nachgewiesen werden.

Im Falle der IU wurde der Architekturstudiengang im Jahr 2019 eingeführt. Die Erstakkreditierung erfolgte mit einem Umfang von 180 ECTS-Punkten und einer Regelstudienzeit von sieben Semestern. Anschließend wurde der Studiengang bundesweit an 22 Standorten etabliert. Nachdem er angelaufen war, wurde der akkreditierte Studiengang jedoch von der Bundesarchitektenkammer als „nicht kammerfähig“ eingestuft. 2023 wurde der Studien­gang deshalb erneut akkreditiert und durch Vertreterinnen und Vertreter der Architektenkammern begutachtet. Um den Studierenden aus dem Studiengang von 2019 trotzdem den Kammerbeitritt zu ermöglichen, haben diese die Möglichkeit, ein kostenfreies achtes Semester zu absolvieren, in dem sie die Präsenzzeiten und Module aus dem neuen Curriculum nachholen können. Seit dem Sommersemester 2024 wird an den Standorten Hamburg (inkl. Masterstudiengang), Stuttgart, Berlin und München ein überarbeiteter und weiterentwickelter Architekturstudiengang angeboten, der nun einen ersten Baustein für eine spätere Kammereintragung bildet.

Ein Curriculum für Morgen

Die Überarbeitung umfasst insbesondere eine deutliche Erweiterung der hochschulischen Präsenzzeiten sowie die Entwicklung eines neuen Curriculums, das an aktuelle fachliche und gesellschaftliche Anforderungen angepasst wurde. Neben der klassischen Gebäudelehre und den architektonischen Entwurfsmodulen wurden zusätzliche Lehrveranstaltungen implementiert, die gegenwärtige Fragestellungen und relevante Transformationsprozesse im Bauwesen abbilden. Hierzu gehören u. a. Themen wie der Umgang mit KI-generierten Bildwelten und der Einsatz künstlicher Intelligenz in Planungs- und Bauprozessen, sowie Module im Bereich nachhaltige Konstruktionsmethoden, zirkuläres Bauen und Bauen mit Bestand. Im Wahlpflichtbereich der höheren Semester erhalten die Studierenden die Möglichkeit, individuelle fachliche Vertiefungsrichtungen zu wählen und ihr architektonisches Profil entsprechend auszubilden.

Schneller, weil schlanker

Die IU unterscheidet sich im aktuellen Hochschulraum deutlich von traditio­nellen staatlichen Universitäten und Fachhochschulen. Dies betrifft nicht die fachlichen Inhalte, sondern die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen, in denen diese Inhalte vermittelt werden. Die Hochschule arbeitet mit vergleichsweise schlanken Entscheidungswegen und kann curriculare Anpassungen in kürzeren Zyklen umsetzen. Dies führt dazu, dass neue Technologien, digitale Planungswerkzeuge, nachhaltigkeitsbezogene Inhalte oder Forschungsschwerpunkte zeitnah eingeführt werden können. Während klassische Hochschulen oft längerfristige Gremien- und Entscheidungsprozesse durchlaufen müssen, kann die IU auf aktuelle Entwicklungen reagieren, indem Module überarbeitet, Lehrmaterialien aktualisiert, digitale Tools integriert und pädagogische Konzepte angepasst werden.

Fernstudium für Flexibilität und Inklusion

Die IU bietet ein vollumfängliches Fernstudium im Fachbereich Architektur an, das vollständig online absolviert werden kann. Dieses Studienformat eröffnet die Möglichkeit, ortsunabhängig zu studieren, ohne für ein Architekturstudium in kostenintensive Hochschulstädte umziehen zu müssen. Die Kurse werden in Kleingruppen mit maximal 30 Studierenden durchgeführt, was eine enge Betreuung ermöglicht. Durch diese Gruppengröße kann das Lernumfeld individuell an die Studierenden und ihre Bedürfnisse angepasst werden, wodurch eine differenzierte Didaktik und gezielte Förderung einzelner Kompetenzen möglich ist. Darüber hinaus erlaubt die zeitliche Flexibilität des Fernstudiums ein Lernen zu individuell passenden Uhrzeiten, sodass berufliche Verpflichtungen, familiäre Aufgaben oder andere Lebenssituationen integriert werden können. Trotz der räumlichen Distanz ist die fachliche Betreuung durch Professorinnen und Professoren gewährleistet, sodass ein kontinuierlicher akademischer Austausch und eine qualitativ hochwertige Begleitung der Studierenden sichergestellt sind. Das Fernstudium stellt damit eine eigenständige Qualität des architektonischen Bildungsangebots dar, die sich konsequent an den Bedürfnissen einer modernen, digitalisierten und diversifizierten Studierendenschaft orientiert.

Ein zweiter zentraler Aspekt ist die Bedeutung von Inklusion innerhalb dieses Studienformats. Das Fernstudium ermöglicht insbesondere Personen ein Architekturstudium, denen der Zugang zur Hochschule im klassischen Präsenzbetrieb verwehrt wäre – etwa aufgrund sozialer Phobien, chronischer Erkrankungen, eingeschränkter Mobilität oder familiärer Pflegeverantwortung. Durch die flexible und barrierearme Studienstruktur schafft die IU einen Zugang, der im traditionellen Hochschulsystem nur selten realisierbar ist. Die Hochschule verfolgt damit das Ziel, ein Studium für alle zu ermöglichen und die strukturellen Hürden zu reduzieren, die bislang viele potenzielle Studierende vom Studium der Architektur ausgeschlossen haben.

Duales Studium in Präsenz und …

Bei der Lehre im dualen Studium finden an zwei Präsenztagen Seminare, Entwurfskorrekturen, Exkursionen und Werkstattangebote statt, während die übrigen Tage in einem Praxisunternehmen verbracht werden. Die Präsenzpflicht ergibt sich dabei nicht nur aus didaktischen Erwägungen, sondern auch aus den Vorgaben der Architektenkammern, die bestimmte praktische Kompetenzen an physische Lern- und Arbeitsräume knüpfen. Die Verzahnung zwischen Theorie und Praxis ermöglicht es, Entwurfsentscheidungen, technische Aspekte und projektbezogene Abläufe frühzeitig in rea­len Kontexten zu reflektieren. Die Praxisunternehmen stellen dabei im dualen Studium der IU den zweiten zentralen Baustein des Ausbildungssys­tems dar. Sie kooperieren mit der IU, um Studierenden eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis zu ermöglichen. Ein Praxisunternehmen ist dabei ein Unternehmen, das Studierende für die praktischen Phasen des Studiums beschäftigt, ihnen den Erwerb berufsrelevanter Kompetenzen im realen Arbeitsumfeld ermöglicht und die Studiengebühren vollständig übernimmt. Darüber hinaus kann das Praxisunternehmen den Studierenden zusätzlich ein monatliches Gehalt zahlen. Die Studierenden verbringen typischerweise drei Wochentage im Unternehmen, sodass sie das im Studium erworbene Wissen unmittelbar anwenden und wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln können.

… und Partnerschaft

Die Hochschule kooperiert mit einer breiten institutionellen Vielfalt an Praxisunternehmen. Diese reichen von Architekturbüros über kommunale Verwaltungen bis zu Fachingenieurbüros und Bauunternehmen. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die Zusammenarbeit nicht nur projektbezogen erfolgt, sondern als gelebte Praxis in der gemeinsamen Entwicklung von Forschungsschwerpunkten und der Ausarbeitung von Forschungsanträgen verankert ist. Praxisunternehmen profitieren dabei niederschwellig von der Möglichkeit, sich an drittmittelgeförderten Projekten zu beteiligen und so Zugang zu wissenschaftlicher Expertise, methodischer Unterstützung und überregionalen Netzwerken zu erhalten. Darüber hinaus besteht für die Praxisunternehmen ein direkter Austausch mit Professorinnen und Professoren über laufende Forschungsthemen und aktuelle Ergebnisse. Durch diese Bandbreite an Partnern, die fachliche Vernetzung und die offene Kommunikationskultur entstehen interdisziplinäre Projekte und Austauschprozesse, die in einem rein akademischen Umfeld nicht ohne Weiteres reproduzierbar wären. Die Studierenden erleben dadurch eine Vielfalt an Herangehensweisen, Projektkulturen und architektonischen Rollenbildern, was wesentlich zur Reflexion über die eigene berufliche Position beiträgt.

(Über-)Regionale Strukturen

Derzeit lehren 31 Professorinnen und Professoren im Architekturbereich der IU, verteilt auf vier Fachgebiete: Konstruktion und Technologie, Architektur und Stadt, Geschichte und Theorie sowie Darstellen und Gestalten. Ein weiteres Merkmal des IU-Profils ist die geografisch dezentrale Standortstruktur. Der Studiengang Architektur wird derzeit in Hamburg, Berlin, Stuttgart und München angeboten. Das daraus entstehende große, bundesweite Netzwerk bildet eine wichtige Ressource für wissenschaftliche und fachöffentliche Diskurse. So wurde vor zwei Semestern das digitale Format „digital ­discurse“ organisiert, in dessen Rahmen vierzehn Online-Vorträge zum Thema „Aspects of Sustainability“ gehalten wurden. Die Verteilung in größere Ballungsräume erleichtert zudem die regionale Vernetzung mit Praxispartnerinnen und -partnern sowie mit kommunalen und wissenschaftlichen Institutionen. Für die dualen Studierenden, die neben dem Studium drei Tage pro Woche in einem Praxisunternehmen arbeiten, ist diese Struktur besonders bedeutsam, da sie ortsnahe Berufs- und Lernorte miteinander kombinieren können. Die Möglichkeit, in der eigenen Region zu bleiben, während man ein vollwertiges Architekturstudium absolviert, schafft eine regionale Kontinuität, die in stärker zentralisierten Hochschulmodellen nicht immer gegeben ist.

Blick nach vorne

Damit verfolgt die IU eine Weiterentwicklung des Architekturstudiums, das an der Lebenssituationen, den Interessen und Kompetenzen der Studierenden ausgerichtet ist. Jede Lehrveranstaltung, jedes Modul und jedes Projekt wird so konzipiert, dass es individuell unterstützt, eigenverantwortliches Lernen fördert und praxisrelevante Fähigkeiten gezielt vermittelt. Künstliche Intelligenz, digitale Simulationen, Onlineformate, flexible Betreuung, aber weiterhin auch physische Werkstätten und Präsenzphasen werden zu einem variablen, auf die Studierenden zugeschnittenen Lehrsystem kombiniert. Auf diese Weise soll Lernen künftig noch stärker an die individuellen Lernstile, Bedürfnisse und Lebenslagen der Studierenden angepasst werden, sodass Studium, Beruf, Familie und persönliche Verpflichtungen miteinander vereinbar sind, ohne dass qualitative Unterschiede zwischen Fernstudium, dualem Studium oder Vollzeitformaten entstehen.

Mit Fokus auf die Studierenden

Durch diese klare Fokussierung auf die Studierenden wird sich die IU künftig noch deutlicher von klassischen Hochschulen abheben. Während traditionelle Lehrpläne oft starr und unflexibel bleiben, wird die IU eine Lernumgebung schaffen, die dynamisch, adaptiv und innovativ ist – eine Umgebung, in der individuelle Stärken gefördert, kreative Prozesse unterstützt und praxisrelevante Fähigkeiten gezielt entwickelt werden. Studierende werden dadurch befähigt, selbstständig, kritisch und lösungsorientiert zu denken, digitale Kompetenzen zu nutzen und interdisziplinäre Fähigkeiten zu erwerben – genau die Qualifikationen, die in der modernen Architekturpraxis zunehmend entscheidend sind. Mit diesem zukunftsgerichteten Ansatz wird die IU langfristig die Art und Weise, wie Architektur gelehrt wird, neu definieren. Sie wird ein Vorreiter für innovative, auf Studierende zugeschnittene Lehrformate sein, die praxisnah, digital unterstützt und flexibel zugleich sind. Studierende können an der IU lernen, wie man in komplexen, vernetzten und sich ständig wandelnden Umgebungen erfolgreich gestaltet – und damit können sie genau die Fähigkeiten erwerben, die in einer modernen, digitalen und nachhaltigen Architekturpraxis der Zukunft unverzichtbar sein werden.

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