Liebe Leserinnen und Leser,

man kann es tatsächlich so schreiben: Wir, die DBZ-Redaktion, freuen uns immer auf das Thema Holz. Auf das Thema Tragwerk/Konstruktion sowieso. Nun sogar beides zusammen: Konstruktiver Holzbau. Da muss es doch gut gestaltete Architektur geben, neuartige Knoten, rekordverdächtige Spannweiten, subtile Lastabträge und dieses Paradoxon der offensichtlich federnden Unnachgiebigkeit!

Holz, so wollte es uns scheinen, sieht immer gut aus. Kaum ein Material spricht derart deutlich über sich selbst, mehr noch als wir es tun: Ich bin die Lösung eurer akuten Bauprobleme! Nun ja, wir suchten und fanden tatsächlich beispielhafte Projekte zum Thema – zusammen mit unseren Heftpartnern dieser Ausgabe, mit Laura ­Fogarasi Ludloff und Jens Ludloff von Ludloff Ludloff Architekten in Berlin. Wir mussten zugleich aber auch feststellen, dass das eine und andere Projekt, das wir gerne im Heft gehabt hätten, noch in der Planungsphase steckt, gerade die Bauanträge gestellt werden, die Fundamente gegossen oder die Holzelemente noch in der Zimmerei gefräst werden. Wir sind offenbar sehr früh dran, vielleicht gar zu früh für die Lösung unserer Bauprobleme?!

Das Gespräch mit den Architektinnen in Berlin öffnete unsere Horizonte, wieder einmal – so ist es ja auch gewollt in der Heftpartnerschaft, die wir monatlich zu unseren Themenheften mit Expertinnen eingehen. Laub- oder Nadelholz sind zwei Welten in Holzbau, aber dazwischen liegen weitere. Eiche, Buche … Wie wäre es mit Esche? Wie mit Ahorn, Linde oder mal Kirsche an dieser Stelle und Tanne an jener? Warum nehmen wir Holz aus Sibirien, wenn doch die Birken von nebenan für diesen oder jenen Lastabtrag auch geeignet wären? Wieso verleimen wir immer noch, mit viel Chemie, die eine Nachnutzung erschwert? Und warum immer metallische Verbindungen, wenn zimmermannsmäßige, CNC-hergestellte ausreichend wären?

Holz wird immer noch viel zu wenig konstruktiv eingesetzt, häufig werden immer noch mangelhafter Brand- oder Schallschutz als Ausschlusskriterien angeführt. Und natürlich die fehlende Zertifizierung. Holz spielt im Modulbau eine zentrale Rolle, „unterfordert“, wie Jens Ludloff im Gespräch sagt. Holz kann mehr, aber nicht alles. Die gebaute Welt retten zum Beispiel oder die ermöglichen, die gerade im politischen Diskurs über ein anderes Bauen/Wirtschaften steht.

Unsere ausgewählten Projekte zeigen den Moment des Übergangs. Sie zeigen, was möglich wäre, was noch möglich sein könnte. Damit sind sie Vorreiter und zugleich Endpunkt einer Debatte, die gerade erst begonnen hat.

Wie weiter bauen? Reduzierter, lokaler, mit unbegrenzten Standzeiten. Dann darf es auch Beton sein oder Stein oder Stahl … Oder eben Holz, mit dem wir gefühlt doch immer schon Häuser bauten. Es bleibt spannend! Seien Sie herzlich gegrüßt, bleiben Sie beweglich, ich klopfe auf Holz!

Ihr

Benedikt Kraft

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