Liebe Leserin, lieber Leser,
Forschungs- und Laborbauten sind ein Spezialgebiet der Architektur und dieses kann am besten von jenen bedient werden, die bereits Erfahrung mit solchen Bauaufgaben besitzen. So zumindest das Klischee. Die anspruchsvoll formulierten Vergabeverfahren machen es dem Architektinnen-Nachwuchs auch nicht unbedingt leichter, sich einen Auftrag zu sichern. Wobei der Etat, der für Forschung zur Verfügung steht, und die Preise für nötige Einbauten und Ausrüstung der Labore zu Bausummen führen, von denen auch junge Büros gerne profitieren würden. Und dabei ist es gerade der Nachwuchs, den man sich in der Spitzenforschung wünscht. Das berichteten uns auch unsere Heftpartner von Burckhardt Architektur und verweisen neben all der Hochspezialisierung auch auf die Bedeutung von informellen Kommunikationsflächen in Forschungsgebäuden. Es braucht heute mehr als nur die beste Ausstattung der Labore, um in einem „Kampf um Talente“ punkten zu können.
Ein erquickliches Beispiel stellt in diesem Sinne das Amt für Verbraucherschutz (AVS) Aargau in Unterentfelden in der Schweiz dar (S. 36ff.). Der von Markus Schietsch Architekt:innen aus Zürich entworfene Bau ist entgegen der deutschen Konventionen nicht nur in Holz-Hybrid-Bauweise gebaut, sondern auch von einem Büro entworfen, das noch nicht zu den „alten Hasen“ im Geschäft gerechnet werden muss. Wie wichtig Kommunikationsflächen für die Attraktivität eines Forschungsgebäudes sind, streichen wulf architekten beim Helmholtz Pioneer Campus in München-Neuherberg heraus (S. 42ff.). Die rautenförmige Kubatur lässt dabei schon erahnen, dass das Gebäude mehr bietet als die sonst so üblichen hocheffizienten, quadratisch-praktischen Labore. Die räumlichen Qualitäten, die beim Entwurf freigespielt wurden, sichern dabei im Zweifel sogar seine Flexibilität und damit Nachhaltigkeit. Zwei weitere Beispiele, die wir Ihnen vorstellen, mussten allerdings auch auf herausforderndes Terrain reagieren. Das von Burckhardt Architektur entworfene Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle (Saale) schlägt explizit Kapital aus dieser Herausforderung und nutzt die drei Funktionsteile des Gebäudes mit ihren unterschiedlichen lichten Höhen für eine dem Gelände angepasste Staffelung der Geschosse (S. 24ff.). Ganz ähnlich mussten auch heinlewischer bei ihrem Entwurf für das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena agieren, wobei in diesem Falle auch eine hohe Flexibilität der Architektinnen und Architekten gefordert war, da sich die Ansprüche und Vorstellungen des Nutzers so schnell änderten, wie die Forschung selbst voranschreitet.
Gerade diese fortlaufende Entwicklung der Forschung macht die ihr entsprechenden Bauaufgaben so anspruchsvoll wie spannend.
Dementsprechend wünsche ich Ihnen eine gute Lektüre.
Ihr,
Hartmut Raendchen
