Gras drüber?! Eine Tagung in Hamburg

Mitte September trafen sich an zwei Tagen internationale Wissenschaftlerinnen im Warburg-Haus in Hamburg-Eppendorf. Das Haus, ein interdisziplinäres Forum für Kunst- und Kulturwissenschaften und Einrichtung der Universität Hamburg sowie der Aby-Warburg-Stiftung, ist ein Entwurf von Gerhard Langmaack und steht zusammen mit seinem Nachbarn in der Liste der städtischen Kulturdenkmäler. Ein historisch unbelastetes Haus: Sein Erinnerungswert hängt – unabhängig von seiner architektonischen Gestaltung – am ehemaligen Nutzer, der Warburg-Familie, hier ganz sicher am Kulturwissenschaftler Aby Warburg, dem wir die Ikonografie als Wissenschaft zu verdanken haben.

In dem schmucken Denkmal wurde nun in einer öffentlich zugänglichen Tagung der interessanten Frage nachgegangen, ob das „Gras drüber“, dem viele Bauwerke, Monumente und auch Denkmäler ausgesetzt sind, die an historisch hochproblematische Zeiten wie Kolonialismus und Faschismus erinnern, nicht sogar Teil einer bewussten Strategie war, die Auseinandersetzung mit dem his­torischen Erbe erst einmal in die zweite Reihe zu schieben. Nicht wenige dieser Bauten wurden in den Nachkriegsjahren durch Baumanpflanzungen im Stadtraum kaschiert. Ist dieses Vorgehen eine Form von Verdrängung und bietet das uns Heutigen nicht auch eine Chance für lebendige Aufarbeitung von Ursachen und Wirkungen? Die aus den Beiträgen entwickelten Perspektiven werden voraussichtlich in einer Publikation zusammengebracht und hieraus bereits Strategien für die Zukunft im aktiven Umgang mit dem baulichen Erbe entwickelt. Wir werden sie uns anschauen! Die Konferenz wurde im Rahmen des Projekts ­VISUAL_SCEPTICISM veranstaltet – ein Forschungsvorhaben, das von der Europäischen ­Union noch bis 2026 gefördert wird. Be. K.

www.visual-scepticism.uni-hamburg.de
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