Tirana rockt. Eine Stadt im Aufbruch
MVRDV gewinnen „lakeside competition“ mit ökologischen Features

Grün ist die Farbe, Grün die Zukunft, Grün ist die Eintrittskarte in den von den Schlagworten „Nachhaltigkeit“, „Energieeffizienz“ und „intelligente Architektur“ durchdrungenen Immobilienmarkt. Wer nicht intelligent grün denkt, ist hinterwäldlerisch oder schlicht ignorant. Dass das Grüne vieler Masterplanungen beispielsweise oft aber nur eine Farbe ist, deren Deckkraft vielleicht eine Jurysitzung übersteht, während der Realisierung jedoch schon von allen Oberflächen bröckelt, das hat so mancher Investor weit vor der Abschreibungfrist zu spüren bekommen, die Nutzer im alltäglichen Gebrauch desgleichen. Nur: Was ist eigentlich grün? Keiner weiß es so recht, aber alle wollen es, so auch das gerade erwachende Tirana, bunt angemalte Haupstadt eines von Bürgerkriegen gebeutelten Landes.MVRDV, Rotterdam, die Raumkünstler und Neudenker des Alten, versuchten sich also am grünen Ton in einem Wettbewerb, und strichen ihr Wohn-, Geschäfts-, Leisure- und Naturerlebenwettbewerbsprojekt in Albanien grün an; ersetzten dabei allerdings das Öko-Pigment Grün durch ein stylisches Blauviolett. So erscheinen die in eine künstliche Parklandschaft gewürfelten Bauten mit sicherlich ungünstigem A/V-Verhältnis in der „blue cloud“ genannten Jacaranda-Bepflanzung nur sehr dezent ökologisch. Neben der Farbwolke, aus welcher heraus die Häuserquader grüßen, umfasst die Masterplanung verschiedene öffentliche Plätze am Nordufer des Tirana-Sees, der im Süden der Hauptstadt ein attraktives weil bisher noch wenig erschlossenes Naherholungsgebiet ist. Die Rotterdamer gewannen u. a. gegen Bolles + Wilson und David Chipperfield Architects.

Der Wettbewerb verlangte von den Teilnehmern eine Aufwertung des rund 20 ha großen, mit Wald bestandenen nördlichen Ufergeländes. Zurzeit gibt es hier ein paar gastronomisch bespielte Piers, Fischerhütten sowie wilde Kleinstbebauung. Der Masterplan, der diesen Wildwuchs ordnen und den Investoren beste Renditeaussichten garantieren soll – vorausgesetzt, die politische Lage bleibt stabil –, beeinhaltet 225000 m² Wohnfläche, 60000 m² Büro, 20000 m² öffentliche Gebäude, 60000 m² Shops, ein Hotel mit 15000 m², 20000 m² für Sport und Erhohlung sowie ein Parkhaus. Der Baubeginn ist für 2010 vorgesehen, das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei 600 Mio. €. Der Investor ist eine Gruppe von albanischen Entwicklern.

Ab ca. 2013 wird ganz Tirana über die breit geplante Uferpromenade flanieren, die die Architekten in Anlehung an eine Weltberühmtere jetzt schon mal als „Copa Tirana“ promoten. Ganz Tirana? Die Einwohner von Bathore beispielsweise im Norden der Stadt werden hier nicht willkommen sein; und sowieso im täglichen Kampf um Trinkwasser oder Strom auch keine Zeit für Spaziergänge am See erübrigen können.

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