Selbstvergewisserung
Der Architekt – Geschichte und Gegenwart eines Berufsstandes.

„Brauchen wir noch Architekten?“ titelt ein gerade neu erschienenes Buch, und angesichts des baukulturellen Zustandes einer bautechnologisch hochgerüsteten Nation möchte man diese Frage mit einem neinja beantworten. Vielleicht brauchen wir andere Architekten, die, die später einmal von denen unterrichtet werden, die jetzt noch an den Hochschulen mit alten Denkmustern konfrontiert werden, diese aber nicht mehr unreflektiert verdauen wollen.

Da erscheint es also nötig, in die zunehmend kabbeliger werdende See der Sinnkrise einen Anker zu werfen. Der hier vorliegende wiegt 4315 gr. (ohne Schuber) in zwei Teilen, und was er bereits einfach so erreicht: er beruhigt. Zumindest für die Zeit der Lektüre (also ein paar Tage), denn die hier beschriebene Geschichte des Werdens eines Berufsstandes (Band 1, mit Ausblicken auf ausgewählte nationale Entwicklungen im 20./21. Jahrhundert) und zahlreicher Sonder­themen (Band 2, hier endlich auch ein kleines Kapitel zu den Frauen Architektinnen, oder zum Verhältnis Architekt/Bauherr, oder die Beziehungen zu Literatur, Musik und Theater etc.) ist textlich extrem dicht und wunderbar satt mit Bildern angereichert. Dass die Beiträge von unterschiedlicher Qualität sind, konnte erwartet werden. Dass sie alle mehr als der winzigen Klammer ganz vorne, die knappe Einleitung des Herausgebers Winfried Nerdinger, bedurft hätten, dieser Eindruck ergiebt sich insbesondere in Band 2, in welchem die Themen fast schon beliebig gereiht erscheinen. Mit Literaturverzeichnis und Namensregister.

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