Schloss soll und wird gebaut werden
Oberlandesgericht gibt Bund recht: Francesco Stella ist rechtmäßiger
Projektarchitekt

Es war spannend, wie am 2. Dezember das Oberlandesgericht in Düsseldorf entscheiden würde: Sollte die Klage Kollhoffs gegen die Vergabepraxis im Schlosswettbewerb, der erstinstanzlich vom Bundeskartellamt stattgegeben worden war, erfolgreich sein, müsste der Bund sich einen neuen Architeken suchen; oder einen neuen Wettbewerb ausloben.

Nach nur 45 Minuten Verhandlung entschieden die Düsseldorfer Richter allerdings für den Bund: Der Vertrag mit Stella zur Wiedererrichtung des Stadtschlosses in Berlin sei zwar formal nicht korrekt, in der Sache
allerdings ohne Tadel. Heißt: Stella bleibt
der verantwortliche Architekt, jetzt mit neuem Vertrag. Da es gegen den Spruch keine Revisionsmöglichkeit gibt, ruft man jetzt
aus Berlin, mit dem Schlossbau werde 2010 begonnen. 2016 soll Eröffnung sein. 552
Mio. € soll das Ganze kosten, keinen Cent mehr.

So jedenfalls kategorisch der neue Bundesbauminister Ramsauer im Zusammenhang mit dem Architektenhinweis auf Mehrkosten: Stella hatte zuvor im Magazin „Focus“ davon gesprochen, dass die Kuppel und das Portal im Eosanderhof zu realisieren seien, „auch wenn ihr Dekor im jetzigen Budget von 550 Millionen Euro nicht enthalten ist“. 15 Mio. € soll die Kuppelrekonstruktion kosten, das gleiche noch mal für das Portal. Jetzt sollen die Bürger spenden, meinen manche. Und vergessen dabei offensichtlich, dass sie das längst machen: 552 Mio. € plus. Be. K.

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