Modul-Recycling: Vom Bergcafé zum Büro

Mit Modulen lassen sich Gebäude schnell und witterungsunabhängig erstellen. Holzmodule gelten zudem als nachhaltig. Noch nachhaltiger und schneller war der Bau des Architekturbüros FAT Architects S.à.r.l. in Luxemburg aus drei recycelten Holzraummodulen.

Vor ihrem Einsatz im luxemburgischen Moutfort hatten die Module in über 2 000 m Höhe auf dem Berg Chäserrugg in den Schweizer Alpen gestanden, wo sie während der Bauzeit eines neuen Gipfelrestaurants als Übergangsgastronomie gedient hatten. Nach der Eröffnung des neuen Restaurants waren die Module von dem Holzbauunternehmen Blumer-Lehmann AG, das sowohl die Module gebaut als auch die Holzarbeiten des Neubaus ausgeführt hatte, abgebaut und per Helikop­ter ins Tal und per Lkw weiter ins Werk zurückgebracht worden.

FAT Architects realisierten seinerzeit mit der Holzbaufirma den Pavillon im Innovationspark Zürich. Im Zuge dieser Zusammenarbeit war das Büro nach einer Idee zur Nutzung der Module gefragt worden. „Zu der Zeit war uns für den Bau unseres eigenen Architekturbüros ein Grundstück angeboten worden, das wir nur auf begrenzte Zeit nutzen können. Es war uns wichtig, eine adäquate Lösung zu finden, die jedoch unseren architektonischen Ansprüchen genügt“, erläutert Architekt Thomas Kruppa. „So entstand die Idee der Wiederverwendung der Chäserrugg-Raummodule für unser Architekturbüro.“

Minimale Anpassungen

Das neue Bürogebäude setzt sich aus insgesamt drei Modulen zusammen, wobei ein Modul plus einer Wandscheibe im Erdgeschoss die Basis für die beiden darüber quer liegenden Obergeschossmodule bildet. Eine dunkle, horizontal umlaufende Holzlattung unterstützt dabei die optische Einheit des Gebäudes. Im Erdgeschoss-Modul mit den Außenmaßen 3 x 9 m ist neben einer Ausstellungsfläche mit Besprechungstisch ein WC, eine Technikeinheit sowie die Treppe ins Obergeschoss untergebracht. Oben wiederum bilden zwei Module eine entsprechend doppelt so große Fläche, auf der die Arbeitstische sowie eine Kichenette, Dusche und Backoffice angeordnet sind. Durch die großen Fensteröffnungen entstand hier ein heller, repräsentativer Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. „Wir haben versucht, so wenig wie möglich an den Modulen zu verändern, durch eine gestapelte Anordnung aber dem Gebäude eine neue Erscheinung gegeben“, so Architekt Kruppa. „Tatsächlich konnten sogar die Fenster überwiegend übernommen werden. Lediglich das große Fenster neben dem Eingang im Erdgeschoss ist neu, während die alten Fensteröffnungen der Stirnseiten wieder verfüllt wurden.“

Schnell und flexibel

Alle Einbauten aus 3-Schicht-Platten (Schränke und Treppe) sowie Küche, WC, Dusche, Fassade und das begrünte Dach waren bereits im Werk komplett vorgefertigt worden. Auch die Anpassungen waren in der Werkshalle im schweizerischen Gossau ausgeführt worden, so dass die drei Module nach vierwöchiger Ausbauphase mit dem Lkw nach Moutfort transportiert und hier mit Hilfe eines mobilen Krans innerhalb von nur wenigen Stunden aufgebaut werden konnten.  Sollten die Raummodule später einer neuen Nutzung oder einem neuen Standort zugeführt werden, wird dies schnell und unkompliziert möglich sein. Das untere Modul ist über Stützfüße mit fünf Streifenfundamenten verbunden. Diese sind wiederum sind mit einem Haken versehen, so dass auch die Fundamente bei Bedarf unproblematisch mit umziehen könnten. Am Ende ihrer Lebensdauer sind die Module zudem komplett rückbaubar. Nina Greve, Lübeck

www.fat.lu

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht im DBZ Sonderheft Modulbau 2019. Hier finden Sie Projektberichte, Fachbeiträge und Interviews mit Architekten zum Modularen Bauen.

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