Metz reloaded
Shigeru Ban auch in Südkorea: Klubhaus Yeoju Golf Resort

Es ist, als hätte sich ein Kreis geschlossen: Die formale Idee des Centre Pompidou in Metz war ein chinesischer Strohhut. Dessen Webmuster wurde zum Basismodul der frei geformten Dachkonstruktion der lothringischen Museumsdependance des Pariser Stammhauses. Nun hat der Architekt Shigeru Ban mit dem Dach des Klubhauses des Yeoju Golf Resort in Südkorea eine zweite Holzkonstruktion geschaffen, die sich aus einem identischen Entwurfansatz generiert, allerdings konsequent weiter entwickelt. Konstruktiv findet das Centre Pompidou von Metz in Yeoju seine Vollendung; oder: Der chinesische Strohhut ist nach Asien heimgekehrt.

Während bei der Variante von Metz noch die sechs vorhandenen Ebenen des Holztragwerkes deutlich wie ein echtes Flechtwerk übereinander liegen, sind es in Yeoju nur fünf. Diese sind jedoch so ineinander verschränkt, dass sie optisch nur noch wie eine einzige Ebene wirken. Das Dach besteht aus einem regelmäßigen Raster, das in fünf verschiedene Typen zerlegt werden konnte und dessen Elementgröße jeweils 9 x 9 m beträgt. Die jeweilige Länge der Durchlaufträger wird durch dieses Raster ebenfalls definiert, da die Träger immer an den Feldgrenzen enden.

In Metz, wie auch in Yeoju war es notwendig, die bis zu 85 m langen Brettschichthölzer jeweils einzeln passgenau zu verformen und zu verwinden, um diese dann mit entsprechenden Dollen exakt übereinander zu positionieren. In Yeoju gibt es zudem an den Durchlaufträgern Anschlusspunkte mit Nebenträgern, welche – da diese konstruktiv in einer Ebene mit den Durchlaufträger liegen - stoßartig ausgeführt werden mussten. Für diese Knoten war grundsätzlich eine winkelgenaue Erstellung der entsprechenden Stirnflächen der Nebenträger für eine kraftschlüssige Lastübertragung notwendig.

Während in Metz die Dachkonstruktion 7500 qm überspannt, sind es in Yeoju mit 2500 qm, also rund nur ein Drittel davon. Trotzdem besteht das Tragwerk der mit opakem Kunststoff bedeckten Witterungshülle aus knapp 15000 Knotenpunkten. Aufgrund seiner symmetrischeren Geometrie konnte in Yeoju das Tragwerk im Gegensatz zu Metz deutlich rationaler ausgeführt werden: 21 Stützen tragen prinzipiell eine regelmäßige Ebene. Allerdings mit der nicht unerheblichen Einschränkung, dass diese baumartig ausgebildeten Stützen direkt in das Dachgeflecht übergehen und so letztendlich von oben jeweils wie ein Strudel erscheinen.

Gefertigt werden konnten sowohl der Entwurf von Metz wie von Yeoju nur durch eine funktionierende digitale Planungs- und Produktionskette CAD – CAE (Computer Aided Engineering) – CAM (Computer Aided Manu­facturing). Denn mitnichten können Hersteller und Baufirmen die von den Architekten generierten Freiformen (Fachbegriffe: Splines und NURBS) auch nur ansatzweise für Fertigungsprozesse oder gar für Stücklisten verwenden, geschweige denn einfach umrechnen. Dementsprechend erfolgreich wurden sowohl Metz wie auch Yeoju von einem identischen Planungskonsortium realisiert. Bis auf den Holzbauer, weil eine Firma allein das Material nicht für beide Projekte gleichzeitig hätten liefern können. Sich das Wunder in Südkorea anzuschauen wird nicht ganz leicht, spielen darf dort nur, wer eingeladen wird und eine Mio. € Eintrittsgebühr zahlt; Metz ist da günstiger zu haben. Robert Mehl, Aachen

 

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