Metropol Parasol demnächst in Sevilla www.jmayerh.de, www.finnforest.de, www.arup.com

In diesem Sommer könnte man wieder einmal nach Sevilla reisen. Nicht nur, weil die Stadt in der Gluthitze des südlichen Spaniens eine der lebendigsten Städte der Halbinsel ist, auch wegen des dann wohl endlich fertiggestellten „Metropol Parasol“ aus dem Büro J. Mayer H., Berlin, eines gigantischen, mehrteiligen und mehrfunktionalen Sonnenschirms, der einen ganzen Platz beschattend überdeckt.

Und zwar die Plaza de la Encarnación. Etwa 600 m Luftlinie nördlich der Kathedrale und also mitten im Herzen der Altstadt gelegen, ist die Plaza schon seit langem ein traditioneller Marktplatz. Die hier 1842 errichtete Verkaufshalle wurde wegen Leerständen und angegriffener Bausubstanz 1973 abgerissen. Und, am Ende der Hochzeit des Automobils, für innerstädtisches Parken freigegeben. Knappe 30 Jahre später erkannte die Stadt immerhin, dass ein dreckiger Parkplatz für diesen öffentlichen Raum die pure Verschwen­dung sei, und 2004 wurde ein Realisierungswettbewerb ausgelobt. Neben der Integration von wertvollen und für die Stadtgeschichte bedeutenden archäologischen Fundstellen – die, dem Mobilitätswahn sei Dank, während erster Bodenarbeiten für eine zunächst noch geplante Tiefgarage unverhofft ans Tageslicht kamen – sollte die Neuplanung insbesondere einen öffentlichen Ort schaffen, der in der Lage wäre, vielfältige Anforderungen zu erfüllen; zuerst aber sollte er ein lebendiger und vor allem ein öffentlicher Platz werden.

Das Team um Jürgen Mayer entwickelte eine gigantische Raumskulptur, deren sechs schirmartige Beton-/Holz-Stämme sich in etwa 20 m Höhe zu einem begehbaren Dach vereinigen. Die sechs unterschiedlich groß dimensionierten und jeweils verschieden winklig schräg in den Holzhimmel stoßenden Stützen aus Beton/Holz, sind zugleich die vertikale Erschließung der Dachebenen. Die wohl weltweit größte, stahlarmierte Holzkonstruktion, die eine Fläche von 150 x 70 m überdeckt, beherbergt im Untergeschoss ein archäologisches Museum, dann die Markthalle auf Platzebene, darüber einen Platz für Events – man möchte fast sagen, den eigentlichen Platz im Platz –, sowie Bars, Restaurants und einen Panoramarundgang auf der auf- und abwogenden Dachlandschaft der Parasols. Die Holzkonstruktion (Finnforest Merk) wurde aus Kostengründen gewählt. Sie besteht im Wesentlichen aus Furnierschichtholzplatten mit bis zu ca. 16 m Länge. Die kürzesten Träger haben eine Länge von ca. 1,5 m entsprechend dem Raster des Trägerrostes. Bis auf den Cafébereich bestehen im Rahmen des speziellen Brandschutzkonzeptes keine Anforderungen an den Brandschutz; der bauliche Holzschutz erfolgt über eine wenige Millimeter dünne PU-Beschichtung der größtenteils vorgefertigten Bauteile; wie auch schon beim Neubau der PH-Mensa in Karlsruhe, deren Umsetzung den Ausschlag für diese Technik in Sevilla gegeben hat. Die Polyurethanbeschichtung vermindert eine Bauteilverwitterung und ist selbstreinigend. Sie muss etwa alle 20 bis 25 Jahre erneuert werden.

Das Design des Metropol Parasol, der die ursprüngliche Platzfläche um rund 4 500 m² verdoppelt, wurde nach dem Wettbewerbsgewinn nur unwesentlich und zumeist nach Absprache mit den späteren Pächtern abgestimmt. Finanziert wird das computergerechnete Gebilde zur einen Hälfte von der Kommune, zur anderen durch den spanischen Bauunternehmer Sacyr Vallehermoso. Letzterer hat Ansprüche auf Einnahmen aus dem Bau über einen Zeitraum von 40 Jahren; in welchem das Unternehmen für den Erhalt des Bauwerkes zuständig ist; der offenbar wenig kosten wird. Be. K.

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Ausgabe 2011-03

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