Identität und Kontext    Brillux Architektenforum in Frankfurt

Das 8. Brillux Architektenforum am 1. Juni am Westhafen in Frankfurt am Main stand unter dem Motto: „Identität und Kontext – Farbgestaltung im städtischen Raum“. Zu dem Thema waren der Psychologe und Professor für Architekturtheorie Riklef Rambow (Karlsruhe und Cottbus) und die Architekten Lars Krückeberg (GRAFT, Berlin) und Ritz Ritzer (bogevischs büro) eingeladen. Bevor die Referenten vor etwa 120 Teilnehmern ihre Arbeits- und Sichtweise zum Umgang mit Farbe zeigten, leitete eine Architekturexkursion das Architektenforum ein. „Psychologische Anmerkungen zur Farbe in der Architektur“ titelte Prof. Dr. Riklef Rambow seinen Vortrag, der sich einigen zentralen Fragen widmete: Wie geht die Psychologie mit dem Thema Farbe um? Was macht das Thema Farbe so schwierig? Welche Einflussfaktoren, Interaktionen und Wirkebenen von Farbe gibt es? Seine Botschaft lautet: „ Farbwahr­nehmung in der Architektur muss immer im Kontext der gesamten Architekturwahrnehmung und -nutzung betrachtet werden.“
Ritz Ritzer ordnet Farbe in der Architektur drei zentrale Aufgaben zu: Referenz, Identität und Orientierung. Wann und wo immer möglich, werden in seinem von ihm mitbegründeten bogevischs buero individuelle Entwurfsansätze im engen Dialog mit dem Bauherrn weiterentwickelt und umgesetzt. Dabei spielt neben der räumlichen Figuration und der intensiven Detailplanung vor allem die Fassade in Form und Farbe eine wesentliche Rolle. Die „Wohnanlage Drei Höfe in München-Neuhausen“ ist ein Beispiel, wie ein intensiver Rotton im Treppenhau­s dem Gebäude Identität verleiht. Bei der Erneuerung des Olympischen Dorfes in München dient die Farbgestaltung zur Orientierung. Ursprünglich hatte Ott Eichel nur die Türen mit Farbe versehen: Er hatte es mit einer Farbkomposition geschafft, gestalterisch 800 verschiedene Türen herzustellen. Das Farbkonzept des unter Ensembleschutz stehenden Olympischen Dorfes basiert auf einer reduzierten Farbigkeit außen und starker Farbgebung innen. Auch jetzt hat jeder Bewohner das Recht, seine Fassade selbst zu gestalten.

Lars Krückeberg, Mitbegründer des Architekturlabel GRAFT, befasste sich in seinem inspirierenden Vortrag vor allem mit der Kraft der Narration. Farbe in Kombination mit einem erweiterten und amorphen Formvokabular, mit einer experimentiellen Materialsprache machen den Charme vieler Projekte dieses Büros aus.

In der anschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Referenten einig, dass der Einsatz von Farbe Mut braucht. Die Frage nach den Trends in der Architektur mit Farbe bejahten alle. Als ein Beispiel wurde der Trend zu starker Farbigkeit genannt, der die pastelligeren Farben abgelöst hat.

Das nächste Architektenforum findet im Oktober in Dresden statt; ausführliche Informationen zu dem Architektenforum unter www. brillux.de B.F.

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