Gut vorbereitet

„Wie wir wohnen werden“, damit verspricht der Titel des Buchs eine Vision. Liefern tut der Autor, aber eher eine Bestandsaufnahme, eine über viele Projekte beschriebene Erzählung, die aus dem Historischen auf das Heute schaut. Damit schwankt die gut lesbare und auch für Laien verständliche Arbeit zwischen reiner (subjektiver) Dokumentation und Analyse. Wohin dabei aber das (europäische) Wohnen gehen wird, das bleibt offen.

Diese eher ergebnisoffene Haltung ist die ehrliche, denn auch in den drei längeren Interviews zum Ende des Buchs mit Werner Sobek, Tobias Wallisser und Winy Maas konkretisieren sich eher die Mängel der heutigen Zustände und wir erhalten  mehr einen Blick auf das, was die Architekten und Ingenieure heute leisten und weniger, was morgen möglich wäre.

Doch vor den längeren Gesprächen geht der Autor die wesentlichen Begriffe in der aktuellen Beschäftigung mit dem Thema durch: Bauherrngruppe, Betreutes Wohnen, Genossenschaflliches Wohnen, Freie Grundrisse, Movable Houses, Minihäuser usw. Womit wir alle eine inspirierende Lektüre für eine längere Bahnfahrt nach Berlin beispielsweise haben, vor dem Gespräch mit einer Staatssekretärin im BMI Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung oder mit der Taxifahrerin dorthin. Be. K.

Klaus Englert, Wie wir wohnen werden. Die Entwicklung der Wohnung und die Architektur von morgen. Reclam, Ditzingen 2019, 216 S., 28 sw-Abb.
18 €, ISBN 978-3-15-011186-4

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