Fließender Raum
Alles aus einem Guss

Riga ist das neue „Paris des Ostens“, so sagt man. Inspiriert durch die Seine, hier natürlich die Düna, die direkt vor dem Haus fließt, gestalteten Cappa + Stauber Architects eine Mansardenwohnung in einem Neubau als fließenden Raum.

Es gibt keine Schwelle und keine klar definierte Grenze innerhalb der Wohnung. Der fließende Raum lässt Blickbeziehungen zwischen Räumen unterschiedlicher Nutzung zu. Cappa & Stauber Architekten legten großen Wert auf Funktionalität, die sich in flexiblen, verwandlungsfähigen, dynamischen Raumgliederungen ausdrückt.

Der Wohnraum ist der Mittelpunkt, die Schaltstelle, in der sich die Bewohner begegnen. Denn von hier haben fast alle anderen Räume durch breite Schiebetüren direkten Zutritt. Je nachdem, ob diese Türen offen oder geschlossen sind, vergrößert oder verkleinert sich der zentrale Gemeinschaftsbereich. Dadurch wird einerseits die Kommunikation erleichtert, andererseits bleibt die Möglichkeit zum Rückzug bestehen.

Architektonisch werden die fließenden Strukturen mit einer konsequenten räumlichen Idee umgesetzt: Fußboden, Wände und Decke werden miteinander verschmolzen. Es gibt keine rechten Winkel, sondern Kurven. Um die Kontinuität zu unterstreichen, sind sämtliche Oberflächen in der gleichen Materialität gehalten: Kunstharz. Die glatte Fläche betont das Ineinanderfließen der Räume umso deutlicher. Perlmuttfarbene, parallele Streifen dienen als dekoratives Ornament, jedoch nicht nur: In ihrer Flucht verlaufen Leuchtkörper, sowohl in der Decke als auch in der Wand. Das Lichtkonzept berücksichtigt drei Beleuchtungsarten, eine streifenförmig diffuse für flächiges Licht, eine direkte, in Form von gerichteten Strahlern, die spezielle Highlights setzen und Bodeneinbauleuchten, die entlang der Fensterfront verlaufen und diese besonders betont.

Erster optischer Anziehungspunkt beim Betreten des Appartements ist das Aquarium, das den Wohnraum vom Eingang trennt. Analog der Wand-, Decke-, Bodenmorphologie entwickelt es sich aus den Oberflächen heraus als selbstverständlicher Bestandteil der Umgebung. Einbauregal und Weinschrank sind weitere Elemente, die als fixe Einbauten bewusst in das Gestaltungskonzept mit einbezogen werden und individuell entwickelt und angefertigt wurden.

Der freistehende Funktionsschrank der Küche ist ebenfalls ein Entwurf der Architekten. Er schafft eine optische Trennung der Kochstelle vom Essbereich. Funktional dient er der Unterbringung der Haushaltsgeräte. Eyecatcher ist die Kugelküche, in die Spüle und Herd integriert sind. Das Koch-Ufo ist eine Einheit aus zwei Halbkugeln, die geöffnet die Essenz einer Küche darstellt und geschlossen eine leuchtende Skulptur im Raum bildet.

In den Rückzugsbereichen, wie den Zimmern und den Bädern wechselt die Materialität dann doch, was allerdings bleibt, ist der detaillierte, individuell geplante Umgang mit dem Raum. Die Wohnung als Ganzes erscheint als eine in der Bewegung erstarrte, homogene Einheit, die eine futuristische, aber trotzdem nicht unwohnliche Atmo­­sphäre erzeugt. S.G.

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