Neues Europäisches Bauhaus

Ein Bauhaus für Europa

Wie wollen wir nach der Pandemie leben? Wie kann Kultur die Klimakrise stoppen? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen will das Neue Europäische Bauhaus liefern. Als Vorbild und Orientierung für zukünftige Bauvorhaben hat es sich die Themen Nachhaltigkeit, Inklusion und Ästhetik auf die Fahnen geschrieben. Darüber hinaus soll es die disziplinübergreifende Vernetzung und den Austausch fördern.  

In der EU Kommission herrscht Aufbruchsstimmung – nach dem europäischen „Green Deal“ kündigte die Kommission im Herbst 2020 das Projekt „Neues Europäisches Bauhaus“ an. Es wird aus dem Aufbaupaket „Next Generation EU“ zur Abfederung der unmittelbaren Schäden der COVID-19-Pandemie finanziert. Es soll unter anderem ein Diskussionsforum, ein Versuchslabor und eine Anlaufstelle für interessierte Bürger*innen sein, wie Ursula von der Leyen zum Start des Neuen Bauhauses im Herbst erklärte. Die übergeordneten Prinzipien Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion – hier wird besonders der Dialog zwischen verschiedenen Kulturen, Disziplinen und Altersstufen betont – sollen unter Beteiligung von Wissenschaft, Architektur, Kunst und Zivilgesellschaft umgesetzt und gefördert werden.

Das Programm sieht verschiedene Formate der Beteiligung vor. So kann jeder auf der Webseite existierende Beispiele teilen, welche die Ziele Nachhaltigkeit, Gestaltung und Inklusion bereits umsetzen. Kreative Köpfe können ihre Ideen zur Gestaltung und Weiterentwicklung der Initiative einbringen sowie Herausforderungen formulieren, die vorab gemeistert werden müssen. Besondere Einflussmöglichkeiten haben die Partner­organisationen des Europäischen Bauhauses, die während des gesamten Verlaufs als Community-Manager und Ansprechpartner agieren sowie Debatten initiieren und fördern. Als Partner können sich Organisationen und Vereine bewerben, die bereits eine große Reichweite besitzen und die Initiative mit ihren Zielen unterstützen wollen.

Alle Interessierten haben die Möglichkeit, das Neue Europäische Bauhaus mitzugestalten. Damit sind sie Teil der ersten von drei Phasen, in der es um die gemeinsame Gestaltung des Programms geht. Ursula von der Leyen prophezeit: „Das neue Europäische Bauhaus wird zeigen, dass auch das Notwendige schön sein kann“. In diesem Sinne steht die Sammlung von Vorzeigeprojekten in dieser Phase im Vordergrund – konkrete zeitgenössische Beispiele, die Anstoß für weiterführende Debatten der Beteiligten geben. Ein Beispiel für ein solches Initiatorenprojekt ist die Forschungsinitiative „Beta Hood“. Es bietet eine Strategie zur Lösung der Wohnraumproblematik – temporäre Bauten, die aus partizipativ entwickelten, autarken Modulen bestehen, sollen Obdachlosen die Wiederintegration in die Gesellschaft ermöglichen. Das Projekt untersucht die neue städtische Typologie eines mobilen, zirkulären und inklusiven Quartiers und befasst sich mit der Aktivierung von Brachflächen, die in klassischen Bauverfahren ungenutzt bleiben. Entwickelt wurde es von dem Start Up Urban Beta.

Übergeordnet soll aus diesen Bausteinen der ersten Phase ein „Unterstützungsrahmen“ gestaltet werden, für die Umsetzung von weiteren Projekten und für die Ernennung von fünf Bauhauspiloten in verschiedenen Mitgliedsstaaten. Die Phase endet im Sommer 2021 mit der Vergabe des ers­ten New European Bauhaus Preises, der im April ausgelobt wird: Geplant ist die Prämierung von zehn Projekten in verschiedenen Kategorien mit insgesamt 30 000 Euro. Außerdem ist die Veröffentlichung einer Dokumentation der Projekte geplant sowie eine Ausstellung. Die Preisträger*innen erhalten darüber hinaus die Gelegenheit, ihre Arbeit in Fachforen zu präsentieren – ihre Auswahl wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden.

Die zweite Phase – die Realisierung – soll ab September 2021 mit der Aufstellung der Bauhauspiloten starten, welche beispielhaft das Bauhaus-Konzept realisieren. Um ihre Projekte besser strukturieren zu können, werden die Piloten mit digitalen Netzwerken und Plattformen unterstützt. Ziel dieser Phase ist die Aufbereitung der Ideen und prototypischen Methoden und Modelle, die aus den Pilotprojekten abgeleitet werden. Diese sollen wiederum in der dritten und letzten Phase, ab Anfang 2023, verbreitet werden.

Die Konzepte, die aus dem Neuen Europäischen Bauhaus hervorgehen, sollen ein breites Publikum, auch über Europa hinaus, erreichen. Außerdem soll die Initiative den Wissensaustausch unter allen Beteiligten und weiteren Fachleuten fördern und systematisieren. Werden die hochgesteckten Ziele erreicht, kann das Neue Europäische Bauhaus auch eine Plattform für bereits existierenden Projekte sein, die eine Alternative zu konventionellen Bauvorhaben darstellen. Dafür müssen die Ergebnisse des Prozesses jedoch zunächst transparent aufbereitet und zugänglich gemacht werden.

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