Durchgefärbter Beton

Durchgefärbter Beton hat eine hohe Farbqualität durch besondere Beschichtung und Einfärbung. CMYK Beton könnte Fahrbahnmarkierungen ersetzen.

Wenn Beton gefärbt wird, ist aufgrund seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften die Farbintensität, die erreicht werden kann, limitiert. Pastellfarben sind machbar, leuchtende, intensive Farben hingegen nicht. An einer U-Bahnlinie in Düsseldorf sollte ein farbintensiver Beton verwendet werden, woraufhin Heike Klussmann und Thorsten Klooster von der Forschungsplattform BAU KUNST ERFINDEN an der Universität Kassel mit einem vergleichsweisen geringen Budget von 50 000 € innerhalb eines Jahres einen Beton entwickelten, der in unterschiedlichen Farben durchgefärbt werden kann. CMYK Beton haben sie das neue Material getauft. Ein Name, der die möglichen Mischverhältnisse der Farben wie bei einem Vierfarbdruck verdeutlichen soll.

Vorteil der konstanten Durchfärbung des Betons ist, dass Beschädigungen nicht sofort sichtbar sind, da der Kern des Betons keinen anderen Farbton aufweist als die sichtbare Oberfläche. Gleichzeitig beeinflusst die Grundeinfärbung des Substrats die Farbtiefe positiv, die wiederum den Farbeindruck bestimmt. Wie Thorsten Klooster versichert, „kann jeder Beton eingefärbt werden. Besonders gut eignet sich jedoch Weißbeton, aufgrund seiner Zuschlagsstoffe.“ Dennoch kann die wahrnehmbare Farbe aufgrund von Wetter und Umwelteinflüssen verblassen, denn dadurch gehen die Farbanteile im Substrat und an der Oberfläche zurück. Die Farbsättigung ist an den erreichbaren Grad des Materials gekoppelt. Die Intensität der Farbe nimmt mit der Menge der zugegebenen Farbpigmente zu – bis die Sättigung bzw. die Qualität der Farbwirkung erreicht ist. Für gewöhnlich sind das ca. 8 % im Verhältnis zur Menge des Bindemittels.

Um die Farbintensität bei Beton zu erhöhen, verwenden Klussmann und Klooster flüssige und pulvrige, farbgebende Pigmente, die während der Herstellung zugefügt werden. Zudem beschichten sie den Beton mit zwei verschiedenen Verfahren: Hydrophobierung und Antigraffiti. Zurzeit läuft hierfür die Patentanmeldung.

Für die Pigmente, die dem Beton seine unverwechselbare Farbgebung verleihen, greifen Klussmann und Klooster auf bewährte, am Markt bereits etablierte Pigmente zurück, die sie modifizieren.

In Zukunft soll jeder Farbton möglich sein. Selbst verschiedene Betonqualitäten können Klussmann und Klooster bereits erzielen. So kann das Material benzin- und säurefest sein. Generell gelten jedoch für den CMYK Beton dieselben technischen Eigenschaften wie für herkömmlichen Beton.

Um die Forschungen in der Praxis zu erproben, kooperiert die Forschungsplattform mit Lothar Beeck, einem mittelständischen Unternehmen, das Betonfertigteile herstellt. Das Unternehmen war von Anfang an der Entwicklung des neuen Materials beteiligt. Dass Klooster gerne mit mittelständischen Unternehmen zusammenarbeitet, liegt an der flachen Hierarchie, die in solchen Firmen herrschen.

Der farbige Beton soll voraussichtlich an der Wehrhahnlinie verwendet werden. Weiteres Potential sieht Klooster im Stadtraum: Radwege und Fahrbahnen können mit CMYK Beton gestaltet werden, Fahrbahnmarkierungen ebenfalls. In einem Projekt am Flughafen Tegel in Berlin soll das Material für diesen Einsatz getestet werden. S.C.

„Der Begriff CMYK Beton steht gleichermaßen für die technische Adaption wie für die konzeptuellen Möglichkeiten des Vierfarbraums.“

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