Die Zukunft des Bauens auf der BAU 2013

Die BAU 2013 wurde mehr denn je ihrem Anspruch gerecht, Weltleitmesse für Architektur, Materialen und Systeme zu sein. Mit über 235 000 Besuchern wurde der Rekordwert von 2011 erneut erreicht. Ihrem Ruf als „Architektenmesse“ machte die BAU auch diesmal alle Ehre, von den oben schon genannten Besuchern kamen erneut rund 50 000 Besucher aus Architektur- und Planungsbüros, das sind immerhin mehr als ein Fünftel. Und sie hatten alle einen guten Grund, die Messe zu besuchen. Nicht nur wegen der vielen Innovationen der 2060 Aussteller aus 41 Ländern. Vor allem das noch nie so vielfältig wie in diesem Jahr die Messe begleitende Fachprogramm wartete mit Themen und Referenten auf, die alle Aspekte im Architektur-, Ingenieur- und Baubereich abdeckten, die heute für morgen relevant sind oder werden.

Wie überfüllte Hörsäle: Foren auf der BAU

Als absoluter Anziehungspunkt für Architekten, Ingenieure und Architekten erwiesen sich wieder die drei Foren der BAU. Namhafte Fachleute aus der Welt des Planens und Bauens, darunter große Namen der Architekturszene, schilderten ihre Sicht der Dinge zu Themen wie Energy 2.0, Parametric Design, Engineered Materials oder 360-Grad-Planung und integrale Planungen. Das Forum „The Future of Building“, das die DBZ Deutsche Bauzeitschrift zusammen mit den Kollegen der Schwesterzeitschrift Bauwelt inhaltlich initiiert und fachlich vor Ort begleitet haben, war ein Riesenerfolg. Teilweise glich das Forum in Halle C2 einem überfüllten Hörsaal. Ben van Berkel, Thomas Walliser, Patrick Schuhmacher, Brian Cody, Stefan Behnisch, Gerhard Hausladen, Werner Sobek und viele andere mehr waren Garanten des Erfolges.

Aber auch Daniel Libeskind, Christoph Ingenhoven, Juhani Pallasmaa, Mario Cucinella, Andrei Borkov und Jean-Michel Jaspers gaben sich aufgrund besonderer Einladungen die Ehre, und diskutierten intensiv zum Thema Nachhaltigkeit.

Die Energiewende bestimmte viele Themen

Die Stichworte Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, demografischer Wandel umrissen vor allem die Themen, die aufgrund der Energiewende und den damit erforderlichen baulichen Maßnahmen allerorten diskutiert wurden. Angefangen mit dem Kongress des Bundesbauministeriums, auf dem Minister Dr. Peter Ramsauer betonte, dass „die Energiewende eine der wichtigsten Aufgaben für unsere Gesellschaft darstellt. Und Visionen von gestern sind heute längst alltagstauglich.“ Die ersten Gebäude von Prof. Manfred Hegger, TU Darmstadt (er plant gerade das größte Plus-Energie-Haus in Frankfurt a. M.) bis zu den Projekten des Solar Decathlon, das sind heute die Plus-Energie-Häuser, die sich zum Standard des energieeffizienten Bauens entwickeln werden. Und das, was im Neubau machbar ist, wird auch im Altbau realisierbar sein. Nämlich den Altbaubestand zu Plus-Energie-Häusern umbauen. Bei der Wohnungsgesellschaft NUWO in Neu-Ulm werden bereits in diesem Jahr zwei Häuser im Bestand zu Plus-Energie-Häusern als Pilotprojekte umgebaut.

Wo ist das, was uns begeistert?

Worauf wir aber bei allem was wir tun achten müssen ist, „das wir eine Symbiose zwischen Mensch, Gebäude und Technik herstellen“, so Prof. Brian Cody in seinem Vortrag. Stefan Behnisch sensibilisierte die Zuhörer für eine Nachhaltigkeitsdebatte. „Wo ist das, was uns begeistert, wo sind die Ikonen für eine grüne Architektur, eine verantwortliche und nachhaltige Architektur? Architekten und Planer müssen Verantwortung übernehmen und neue Grenzen ausloten. Wir alle müssen uns auf den Weg machen, das Neue zu suchen.“

Thomas Auer von Transsolar zeigte auf, dass sich in den letzten 20 Jahren technologisch nichts wirklich Grundlegendes verändert hat. „Wir planen keine energieeffizienten Gebäude, wir planen Gebäude, die energieoptimiert betrieben werden können mit hoher Aufenthaltsqualität und Wohlfühlqualität für die Nutzer. Und das bedingt auch die Lebens­zyklusbetrachtung sowie das Monitoring eines Gebäudes.“

Architekten und Ingenieure stimmen sich nicht ab!

Das war auch für Prof. Gerhard Hausladen ein wichtiger Punkt: „Wir müssen überlegen: Wo stehen wir eigentlich? Unsere Häuser werden immer komplexer mit ihren Anlagenkonzepten. Wir müssen über die Wertigkeit von Energie nachdenken und nicht einfach Wärme sinnlos vernichten. Wir brauchen die Lebenszyklusanalyse, das Monitoring, und nicht nur das Denken in einzelnen Gebäuden. Es muss auch das Umfeld einbezogen werden.“ Und dann gab es noch eine ganz wichtige Botschaft von Gerhard Hausladen: „Architekten und Ingenieure stimmen sich nicht ab – soweit müssten wir heute eigentlich sein!“ Recht hat er, und wie.

Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Die integralen Prozesse, ob Planung oder Ausführung, sind eigentlich ganz einfach. Doch scheinbar nur theoretisch, in der Praxis scheitert es an „systembedingten Hindernissen und vor allem am Misstrauen der Beteiligten“, so Prof. Rainer Hascher in seinem Vortrag. „Sicherheit geht oft vor Innovation, und beteiligte Projektsteuerer sind oft überfordert.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist für ihn: „Wir müssen eine Brücke schlagen zwischen Planern, Ingenieuren und der Industrie. Wir müssen nicht in Katalogen der Industrie denken, sondern mit der Industrie Kreativität zulassen und Innovationen entwickeln.“

Für Prof. Manfred Grohmann von Bollinger Grohmann ist das längst Alltag, in integralen Prozessen und Schnittstellen zu denken und zu arbeiten. Das Büro sieht sich im Selbstverständnis als Partner der Architek­ten, die Ingenieure bearbeiten eben nicht nur das Tragwerk, sondern machen auch die Fassadenplanung und die Bauphysik. Die Planungsbetreuung des Büros bei den Projekten für die internationalen Architekturbüros SANAA, Coop Himmelb(l)au oder schneider+
schuhmacher verdeutlichen, dass es auch gute Beispiele für integrale Prozesse gibt. Dieses Thema wie auch viele werden uns weiter begleiten. Bei einigen sind wir schon weit vorangekommen, andere beschäftigen uns mit Sicherheit bis zur und auch auf der nächsten BAU vom 19.-24.1.2015. BF

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