Auszeichnung Dreischeibenhaus, Düsseldorf

Das Dreischeibenhaus bietet auf 35 000 m² modernisierte Büroräume mitten im Düsseldorfer Central Business District. Das Hochhaus, ehemalige ThyssenKrupp-Zentrale, mit seiner schlanken Silhouette – Verhältnis Höhe/Breite 11:1 –, ist eine weithin sichtbare Landmarke. Die gesamte Sanierung erfolgte nach Green-Building-Kriterien und wurde mit der LEED-Vorzertifizierung in Gold ausgezeichnet. Zu den Schwerpunkten der Maßnahmen zählen die Fassade, die nachhaltige Planung, die verbesserte interne Erschließungsstruktur sowie der Mietflächengewinn durch die dezentralisierte Haustechnik. Außerdem wurde der Hauptsitz eines einzigen Konzerns in eine flexible Multi-Tenant-Immobilie, Mehrmieternutzung, umgewandelt um zukünftigen Nutzungen zu entsprechen.

Fassade

Die denkmalgeschützte Fassade wurde innenseitig energetisch ertüchtigt und in den Bürobereichen geschossweise als zweischalige Fassade mit öffenbaren Fenstern ausgeführt. Die denkmalgeschützte äußere Fassadentragkonstruktion inklusive des Brüstungselements blieb jedoch unangetastet. Die vorhandene Fensterverglasung wurde durch eine Prallscheibe ersetzt, die am unteren und oberen Rand einen ca. 12 cm großen Abstand zum Rahmen aufweist.

Der Sonnenschutz ist im Fassadenzwischenraum hinter der äußeren Prallscheibe mit Alu-Lamellen gemäß dem ursprünglichen Bestand montiert. Die Stirnfassaden mit den gekanteten Edelstahl-flächen wurden gereinigt und bleiben aufgrund der Dauerhaftigkeit des Materials im Urzustand erhalten.

Tragwerk

Der dreigeschossige Gründungskörper des Dreischeibenhauses besteht aus einem torsionssteifen Stahlbetonhohlkasten, der aus mehreren Zellen zusammengesetzt ist. Darüber ist das Gebäude in Stahl konstruiert. Lediglich die Geschossdecken wurden in Verbundweise hergestellt. Neben einigen Maßnahmen im Bereich der Tiefgarage und des Foyers sind vor allem die Aspekte „Deckenloch“, „gedrehtes Treppenhaus“ und „interne Treppenerschließung in den Regelgeschossen“ für die Tragwerksplanung von AWD von besonderer Bedeutung gewesen: Um zwischen dem 22. und 23. Obergeschoss einen zweigeschossigen Luftraum zu schaffen, wurde die Decke geöffnet und jeder zweite Stahlträger entfernt. Der neue zweigeschossige Multifunktionsraum dient auch dem neuen, öffentlichen Restaurant Phoenix als Veranstaltungsfläche.

Energiekonzept

Die Sanierung erfolgte nach Green-Building-Kriterien. Insbesondere wurden ressourceneffiziente Baumaßnahmen angewendet (z. B. durch den Erhalt der Edelstahlfassade und weiterer Baustoffe im Gebäude) und die strengen Anforderungen durchgesetzt, um die Kosten in Betrieb und Bewirtschaftung so niedrig wie möglich zu halten. Die nachhaltige Sanierung ermöglicht die LEED-Gold-Zertifizierung des Dreischeibenhauses.

Haustechnik/TGA

In den Bürogeschossen wurden die vorhandenen Brüstungsgeräte zum Heizen, Kühlen und Lüften demontiert. Die Beheizung der Büros erfolgt je nach Mieter über Gebläsekonvektoren in der Abhangdecke oder über Kühl- und Heizdecken.

Die Beseitigung der Brüstungskanäle trug auch zu einem Flächengewinn von 1 200 m² bei. Seit der Modernisierung werden die Büros mittels dezentralen Teilklimaanlagen mit Wärmerückgewinnung mit einem mindestens zweifachen Luftwechsel be- und entlüftet.

Bauphysik

Die Leistung von DS-Plan bestand in der ineinandergreifenden Planung von Fassade, Bauphysik, Schallschutz, Akustik und Schallimmissionsschutz unter Berücksichtigung des denkmalgeschützten Bestands.

Integrale Planung

Bei der Modernisierung des Dreischeibenhauses spielte die integrale Planung der HPP Architekten mit den Ingenieuren von AWD, DS-Plan und IB Nordhorn eine entscheidende Rolle. Die Konzeption für die jeweiligen Modernisierungsaufgaben des denkmalgeschützten Gebäudes, insbesondere bezüglich der Fassade, der verbesserten Erschließung, der marktorientierten, kleinteiligen Vermietbarkeit und der hochwertigen Gebäudeausstattung stammt von HPP Architekten, die Planung und Ausführung konnte aber nur mit dem Know-How der Projektbeteiligten umgesetzt werden.

Beurteilung der Jury

Das Dreischeibenhaus, ein 95 m hohes Bürogebäude in Düsseldorfs Stadtmitte, zählt zu den bedeutendsten Ikonen der Nachkriegsmoderne. Als Symbol des sogenannten Wirtschaftswunders bildet es zusammen mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus ein einmaliges Bauensemble. Ein beherzter Eingriff in eine durch den Krieg zerstörte Stadt. Heute steht das Gebäude solide in seiner Umgebung. Die Nutzer haben über die letzten Jahrzehnte gewechselt. Für die jüngste Renovierung machte sich ein integrales Team unter der Führung des Urheberarchitekten wieder ans Werk. Gute Stücke zu flicken, zu reparieren, ist nicht nur bei Bekleidung, sondern auch bei Bauten sinnvoll. Dahinter steckt eine edle Gesinnung, die Bestehendes nicht so rasch verkommen lässt. Nicht zuletzt ist dies ein zeitgemäßer Umgang mit verfügbaren Ressourcen. Die Fassaden wurden aufgefrischt, das Grundrisslayout optimiert. Die Einbauten und die Innenräume wurden unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten von allem Überflüssigen gereinigt. Zum Energiekonzept: Die Sanierung erfolgte nach Green-Building-Kriterien und wurde mit der LEED-Vorzertifizierung in Gold ausgezeichnet. Die Gebäudetechnik wird geschossbezogen und dezentral geregelt. Der Mieter kann Kühlung, Heizung und Beleuchtung individuell steuern. Die denkmalgeschützte Fassade wurde energetisch ertüchtigt und als zweischalige Fassade mit öffenbaren Fenstern ausgeführt. Das Team wählte bewusst ein Floatglas mit Eisenoxidanteil für die Prallscheiben, denn dies verleiht dem Glas einen Grünstich, der die ursprüngliche Farbwirkung aus dem Jahr 1960 wieder aufgreift. Die Prallscheiben sind so leicht und dünn, dass die ursprünglichen Fensterlaibungen nicht verändert werden mussten. Das Dreischeibenhaus ist ein exemplarisches Beispiel für den gekonnten Umgang mit einem denkmalgeschützten Gebäude. In ihm manifestiert sich beispielhaft die Wertschätzung historischer Bausubstanz und spiegeln sich die baukulturellen Ziele des Balthasar Neumann Preises wider.

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