Pritzker Architecture Prize 2021

Pritzker Architektur Preis 2021

Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, Gründer des in Paris ansässigen Büros Lacaton & Vassal, erhalten den Pritzker Architecture Prize 2021.

Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal aus Frankreich wurden als Preisträger des Pritzker-Architekturpreises 2021 ausgewählt, das gab heute am 16. März 2021, Tom Pritzker, Vorsitzender der Hyatt Foundation, bekannt. Die Foundation sponsort den mit 100.000 US Doller dotierten Preis, der international als die höchste Auszeichnung für Architekten gilt.

„Gute Architektur ist offen - offen für das Leben, offen für die Freiheit jedes Einzelnen, wo jeder das tun kann, was er tun muss“, sagt Anne Lacaton. „Architektur sollte nicht demonstrativ oder imposant sein, sie sollte etwas Vertrautes, Nützliches und Schönes sein, mit der Fähigkeit, das Leben, das in ihm stattfinden wird, ganz wie selbstverständlich und mit allem Respekt zu unterstützen." So die Mitbegründerin eines Architekturbüros, das wir bereits 2018 auf unserer Liste hatten, hier unter den "Die Klassiker" ganz am Ende, neben den "Die zu jungen" und "Die Kollektive". Schön, dass es jetzt geklappt hat!
„Lacton Vassal haben", so die Jury, „nicht nur einen architektonischen Ansatz definiert, der das Erbe der Moderne erneuert, sondern auch eine angepasste Definition des Architektenberufs in die Welt gebracht. Die Hoffnungen und Träume der Moderne, das Leben vieler Menschen zu verbessern, werden durch ihre Arbeit wiederbelebt, eine Arbeit, die auf die klimatischen und ökologischen Anforderungen unserer Zeit reagiert sowie auf soziale Dringlichkeiten, insbesondere im Bereich des städtischen Wohnungsbaus. Sie erreichen dies durch ein starkes Gefühl für Raum und Materialien, das Architektur schafft, die in ihren Formen ebenso stark ist wie in ihren Überzeugungen, in ihrer Ästhetik ebenso transparent ist wie in ihrer Ethik.“
Die Architekten vergrößern den Wohnraum exponentiell und kostengünstig durch Wintergärten und Balkone, die es den Bewohnern ermöglichen, zu jeder Jahreszeit Energie zu sparen und Zugang zur Natur zu erhalten. Latapie House (Floirac, Frankreich 1993) war ihre erste Anwendung von Gewächshaustechnologien zur Installation eines Wintergartens, der eine größere Residenz für ein bescheidenes Budget ermöglichte. Die nach Osten ausgerichteten versenkbaren und transparenten Polycarbonatplatten auf der Rückseite des Hauses lassen natürliches Licht die gesamte Wohnung beleuchten, vergrößern die Gemeinschaftsräume im Innenbereich vom Wohnzimmer bis zur Küche und ermöglichen eine einfache Klimatisierung.
„In diesem Jahr haben wir mehr denn je das Gefühl, Teil der gesamten Menschheit zu sein. Sei es aus gesundheitlichen, politischen oder sozialen Gründen. Es ist notwendig, ein Gefühl der Kollektivität aufzubauen. Wie in jedem vernetzten System müssen wir fair für die nächste Generation, fair gegenüber der Umwelt und fair gegenüber der Menschheit sein“, kommentiert Alejandro Aravena, Vorsitzender der Pritzker Architecture Prize Jury. „Anne Lacaton und Jean-Philippe sind radikal in ihrer Zartheit und mutig in ihrer Subtilität, die einen respektvollen und dennoch unkomplizierten Umgang mit der gebauten Umwelt in Einklang bringt."
In größerem Maßstab verwandelten Lacaton Vassal zusammen mit Frédéric Druot den La Tour Bois le Prêtre (Paris, Frankreich 2011, s. Fotos), ein 17-stöckiges Stadthausprojekt mit 96 Wohneinheiten, das ursprünglich in den frühen 1960er Jahren gebaut wurde. Die Architekten vergrößerten die Innenfläche jeder Einheit durch Entfernen der ursprünglichen Betonfassade und erweiterten die Grundfläche des Gebäudes, um bioklimatische Balkone zu bilden. Früher eingeschränkte Wohnzimmer erstrecken sich jetzt als flexibler Raum in neue Terrassen mit großen Fenstern für uneingeschränkten Blick auf die Stadt, wodurch nicht nur die Ästhetik des sozialen Wohnungsbaus, sondern auch die Absicht und die Möglichkeiten solcher Gemeinschaften innerhalb der Stadtgeographie neu interpretiert werden. Das einfache jedoch derart klar umgesetzte Konzept der Erweiterung wurde auch auf die Umgestaltung von drei Gebäuden (G, H und I), bestehend aus 530 Wohnungen, im Grand Parc (Bordeaux, Frankreich 2017) mit Druot und Christophe Hutin angewendet. Die Umgestaltung führte zu einer dramatischen visuellen Neuerfindung des sozialen Wohnkomplexes, zur Modernisierung von Aufzügen und Sanitäranlagen sowie zur großzügigen Erweiterung aller zum Teil fast verdoppelten Einheiten, ohne dass Bewohner vertrieben wurden und ein Drittel der Kosten für den Abriss anfielen und neu bauen.
Die beiden ArchitektInnen gründeten 1987 ihre Praxis Lacaton & Vassal in Paris und haben über 30 Projekte in ganz Europa und Westafrika abgeschlossen. Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal sind die 49. und 50. PreisträgerInnen des Pritzker-Architekturpreises. Wir gratulieren von Herzen!

Informationen zur aktuellen Preisverleihung auf der Pitzker Prize Seite.

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