Sicherheitserwägungen?

Baugenehmigung für muslimisches Zentrum neben One World Trade Center in New York City

Wir haben das Projekt ein wenig aus den Augen verloren in der letzten Zeit. Gründe dafür sind vielfältige, nicht zuletzt die ewigen Querelen um Finanzierung, Namensgebung und Architektenzuständigkeit. Die Rede ist vom Nachfolgerbau – dem Nachfolgerensemble – des 2001 zerstörten World Trade Centers in New York. Fast neun Jahre ist das nun her und mehrerer Projektleiter wurden verschliessen, vom ersten Entwurf des im Wettbewerb siegreichen Daniel Libeskind ganz zu schweigen. Sein pathetischer, vor allem die Emotionen der geschockten Nation bedienende Entwurf wurde durch David Childs vom Architekturbüro Skidmore, Owings and Merrill (SOM) derartig auf Rendite (und konstruktive Vernunft) getrimmt, dass man mit Recht davon sprechen kann, der Turm sei sein Entwurf.

Allein die die symbolische Gesamthöhe von 1776 Fuß (541,32 Meter), die sich auf die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776 bezieht, ist geblieben, der Rest wurde in Hochleistungsbeton und Sicherheitsverglasung umgemodelt; keine Himmelsgärten, keine gestalterischen Experimente, die ihre formalen Anleihen aus der Freiheitsstatue von gegenüber bezogen.

Der im März 2009 umbenannte Turm (statt Freedom Tower nun One World Trade Center) wird auf einem ca. 60 m tiefen Fundament errichtet, dessen Stahl-Titan-Gemisch für eine hohe Sicherheit sorgen soll. Die Wände bestehen aus 60 cm starkem Beton und Stahlkorsett. Der gegen Anschläge gesicherte, extrem massiv ausgeführte Sockel wird von außen mit Glas kaschiert. Der reine Büroturm mit 108 Geschossen wird inetwa die Dimensionen haben wie die zerstörten Zwillingstürme, lediglich die 124 m hohe Spitze verleiht dem Turm die Dimension, die ihn zum höchsten reinen Bürogebäude der Welt macht.

Neben allen baulichen und konstruktiven Dingen – hier auch die Sicherheitseinrichtungen, die für Gebäude dieser Größenordungen (und Anschlagsgefährdung?!) als vorbildlich gehandelt werden - sind nun zwei Dinge ganz besonders interessant.

Einmal die Namensänderung vom 26. März 2009, die im Zusammenhang mit der Unterzeichnung eines ersten Mietvertrages steht. Damals unterschrieb der chinesische Konzern Vantone Industrial einen Vertrag für die Stockwerke 64 bis 69 mit einer Laufzeit von 21 Jahren. Ganz offensichtlich hatten die Chinesen darauf gedrängt, den durchaus auch provozierenden Namen gegen einen versöhnlicheren auszutauschen: Wir leben alle in einer Welt!

Und ganz aktuell stimmten die politisch wie planerisch Verantwortlichen, allen voran der New Yorker Bürgermeister Bloomberg dem Abriss eines historischen Gebäudes zwei Blöcke neben dem Ground Zero zu. Und gaben damit grünes Licht für den heftig umstrittenen Neubau eines muslimischen Zentrums, der auch noch am zehnten Jahrestag des Terror-Anschlags vom 11. September, also am 11. September 2011 beginnen soll. Der dreizehnstöckige Turm wird eine Theaterbühne, ein Fitness-Center, eine Kochschule, ein Schwimmbad und einer Moschee Raum geben.

Beide Ereignisse deuten an, unter welcher Last der Neubau vor allem zu leiden hat: der seiner Symbolkraft. Wer 2013 in die Etagen einziehen wird, in welche 2001 die Flugzeuge gesteuert wurden, dem wird mit jedem Blick nach draußen ein mulmiges Gefühl beschleichen, Betonkonstruktion hin oder her. Die Absicherungsmaßnahmen – neuer Name und Ansiedlung einer Moschee in direkter Nachbarschaft – dürfte da wenig helfen. Be. K.

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