Die Holzschlange von Biel

Hauptquartier von Swatch fertiggestellt

Shigeru Ban zeigt mit dem Hauptquartier von Swatch, was mit dem Material Holz und parametrischer Planung alles möglich ist.

Shigeru Ban ist ein Meister des Holzes und bekannt für seine Papier- und Holztragwerke. Bekannt auch dafür Holzstrukturen zu fügen, ohne eine Schraube zu verwenden. Seine Dachtragwerke sind oft spektakulär und immer nachhaltig. Wir erinnern uns an das Centre Pompidou in Metz. Eine Gitterstruktur aus Holz. Jetzt ist im schweizerischen Biel ein weiteres Holzdachtragwerk von Shigeru Ban fertiggestellt worden. Das Schöne: Schon bei den Arbeiten am Centre Pompidou in Metz führte Shigeru Ban bereits Materialversuche mit Holz in einer Holzverarbeitenden Firma in Biel durch. In Biel nun, dem Hauptquartier der Uhrenhersteller Swatch und Omega, hat Shigeru Ban ein weiteres Holztragwerk für ebendiese realisert. Eine 240 m lange, geschwungene Holzkonstruktion windet sich nun durch die Stadt und endet auf dem Dach des gegenüberliegenden Cité du Temps. Die Holzgitterschale, die Shigeru Ban 2010 als Entwurf bei dem ausgelobten Wettbewerb einreichte, ist ein 11.000 m² großes Freiformtragwerk mit einer Spannweite von 35 m und einer Höhe von 27 m.

Parametrisches Modell
Von Anfang an war Fabian Scheurer von Design-to-Production bei dem Projekt dabei. Als sich herausstellte, dass die Leitungen in der Tragwerksebene geführt werden sollte, war dies eine Herausforderung, die durch die enge Zusammenarbeit und frühe Einbindung der Holzbauingenieure SJB Kempter Fitze, des digitalen Beraters Design-to-Production und Blumer Lehmann einfacher zu lösen ging. Die gesamten 2D-Pläne wurden anschließend in ein parametrisches 3D-Modell umgewandelt.  

Lean Management und just in time
So konnten die Architekten und Blumer Lehmann garantieren, dass die 4.600 ein- uns zweisinnig gekrümmten Trägerelemente rechtzeitig auf der Baustelle angeliefert wurden und nach Plan montiert wurden. Um die Träger auf der Baustelle zu monierten, wurde eine Hilfskonstruktion errichtet, die dazu diente die Holzkonstruktion zu bauen und die verschiedenen Fassadenelemente zu montieren.

Die Fassade des Hauptquartiers von Swatch
Durch die unterschiedlichen Fassadenelemente erscheint das Gebäude heterogen. Geschlossene und gedämmte Elemente, transparente Glaselemente, Sonnenschutzelemente mit Sonnenschutzglas, PV-Elemente sowie Luftkissen aus EFTE-Folie und akustisch wirksame Inlets aus Schweizer Kreuzen bestimmen das Erscheinungsbild des neuen Hauptquartiers von Swatch.

Freuen Sie sich schon auf das Novemberheft der DBZ mit dem Titelthema "Holz":

Jahrzehntelang lang galt Holz als Baustoff vielen ArchitektInnen als das ökologische Material. Mit Holz zu bauen war ein Statement, was durchaus auch zwiespältige Reaktionen provozierte.
Nun ist Holz längst über sein reines Öko-Image hinausgewachsen, ob als Vollholz, Brettschichtholz, Hybrid oder Holzwerkstoff, ob tragend oder hüllend, ob für die Dämmung oder Schalung, Holz ist aus der Architektur nicht mehr wegzudenken.
Mit unseren in Luxemburg ansässigen Heftpaten, FAT Architekten, wählten wir ein Projektespektrum aus, das annähernd die hier aufgezeigte Bandbreite von Anwendungsmöglichkeiten abbildet. Allen gemein ist den Projekten aber immer noch das Prototypische, das darauf hinweist, dass wir beim Holz schon lange waren und noch lange nicht am Ende sind!

Thematisch passende Artikel:

2010-05

Metz reloaded Shigeru Ban auch in Südkorea: Klubhaus Yeoju Golf Resort

Es ist, als hätte sich ein Kreis geschlossen: Die formale Idee des Centre Pompidou in Metz war ein chinesischer Strohhut. Dessen Webmuster wurde zum Basismodul der frei geformten Dachkonstruktion der...

mehr

Der Metz-Effekt

Centre Pompidou Metz: Besucherzahlen erzeugen lokalen Aufschwung für die Wirtschaft

Eigentlich heißt der Effekt ja „Bilbao-Effekt“ und meint die positive Wirkung einer Architektur auf das Wohl einer Stadt, einer ganzen Region. Der Guggenheimer Hans Dampf in vielen Gassen Thomas...

mehr
2012-11

Heftpate Fabian Scheurer, DBZ+BAUcolleg, DBZ Fachforum

Was ist eigentlich digitales/parametrisches Planen und Bauen und was macht die Qualität digitaler Architektur aus? Wie immer Fragen über Fragen von Seiten der Redaktion an unseren Heftpaten, aber...

mehr
2010-05 Architektonische Leichtigkeit des Scheins

Das Centre Pompidou in Metz

„Wir haben uns eine Architektur vorgestellt, die die Öffnung, die Verquickung der Kulturen und das Wohlbefinden in einer unmittelbaren und wahrnehmbaren Beziehung zur Umwelt zum Ausdruck bringt.“...

mehr
2019-02

Cité judiciaire de Paris, Paris/FR

Renzo Piano hatte schon mal in Paris einen Giganten bauen dürfen, zusammen mit Richard Rogers. Das war das Centre Pompidou, ein bis heute im Architekturdiskurs Maßstäbe setzendes Kulturgebäude,...

mehr