Das neue alte Neue

Das Neue Museum auf der Museumsinsel Berlin ist endlich wiedereröffnet

Erstmals nach 70 Jahren öffnet das Neue Museum in Berlin wieder seine Pforten. Ab dem 17. Oktober 2009 ist die Öffentlichkeit eingeladen, das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und wieder aufgebaute Haus zu besuchen. Inklusive der Ersteinrichtung (12 Mio. €) beliefen sich die Kosten für die Wiederherstellung des Neuen Museums auf rund 212 Mio. €, die vom Bund getragen wurden. Die insgesamt rund 8000 m² Ausstellungsfläche auf vier Ebenen teilen sich das Ägyptische Museum und Papyrussammlung und das Museum für Vor- und Frühgeschichte, ergänzt durch Objekte der Antikensammlung. Sowohl der ägyptischen als auch der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung steht damit rund dreimal so viel Platz zur Verfügung wie an ihren vorherigen Ausstellungsorten.

Gemeinsam mit der Antikensammlung werden im Neuen Museum fast 9000 Objekte gezeigt, darunter die berühmte Büste der Nofretete. Das älteste Objekt im Neuen Museum ist ein 700.000 Jahre alter Faustkeil der Altsteinzeit, eines von rund 5700 ausgestellten Objekten des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Auch das jüngste Objekt stammt aus dieser Sammlung: Ein Stück Stacheldraht der Berliner Mauer. Zu den herausragenden Objekten der Sammlung zählen der bronzezeitliche „Goldhut“ und die Schädel des Neandertalers von Le Moustier und des Menschen von Combe Capelle. Auch die weltberühmte Troja-Sammlung, die Heinrich Schliemann den Berliner Museen schenkte,  und deren Goldschatz als so genannte Kriegsbeute heute in Moskau verwahrt wird, ist Bestandteil der Ausstellung.

Das Neue Museum wurde ab 1843 von Friedrich August Stüler errichtet, nachdem Friedrich Wilhelm IV. in einer Kabinettsordre von 1841 beschlossen hatte, „die ganze Spree-Insel hinter dem Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ umzuwandeln. Ab 1850 zogen die Sammlungen ein, bis das Haus schließlich 1859 eröffnet wurde. Das Neue Museum wurde im Zweiten Weltkrieg von Bombentreffern schwer beschädigt und in Teilen komplett zerstört. Jahrzehnte lang blieb die Ruine Wind und Wetter ausgesetzt. Kurz vor der deutschen Wiedervereinigung, die auch die Wiedervereinigung der einst preußischen Sammlungen zur Folge hatte, entschloss sich die DDR, das Haus zu sanieren.

Ab 2003 wurde das Gebäude nach Plänen von David Chipperfield Architects  wiederhergestellt, die Schlüsselübergabe erfolgte am 5. März 2009. Das Konzept der „ergänzenden Wiederherstellung“ war bis zur Übergabe des Hauses intensiv und kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Der denkmalpflegerisch korrekte Umgang mit den historisch noch erhaltenen Teilen und die behutsame Ergänzung von Zerstörtem in zeitgemäßer Architektursprache fand schließlich weitgehende Zustimmung und Begeisterung. Die erhaltene Architektur selbst wurde wie ein archäologisches Objekt bewahrt und bietet so eine hervorragende Bühne für die archäologischen Sammlungen.

Vor wenigen Tagen erhielten David Chipperfield Architects und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für den Wiederaufbau des Neuen Museums den BDA-Preis Berlin 2009. In der Begründung heißt es unter anderem, dass es gelungen sei, „eine Raumatmosphäre zu schaffen, die dem Ort und der Aufgabe angemessen ist, da sie über ihre räumlichen Qualitäten hinaus auch die vierte Dimension, die Zeit, erfahrbar macht.“

Auf der Museumsinsel sind nun erstmals seit der kriegsbedingten Schließung der Häuser ab 1939 alle fünf Museen wieder zugänglich. Bereits 2001 öffnete die sanierte Alte Nationalgalerie, 2006 das wieder hergestellte Bode-Museum. Der Umbau und die Erweiterung des Pergamonmuseums werden derzeit vorbereitet (15-jährige Bauzeit ab 2013), auch die Sanierung des Alten Museums steht an. Als zentrales Eingangsgebäude wird bis 2013 die James Simon-Galerie entstehen; ebenfalls Chipperfield.

Internet: Neues Museum Berlin, hier auch ein virtueller Rundgang durch die aktuell mit Ausstellungsgegenständen bestückten Räume

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