Nukleuswohnen in Leipzig
Der Stadtteil Leipzig-Grünau gilt als die größte Plattenbausiedlung Sachsens. Diese wurde in den 1970er-Jahren angelegt und sukzessive ausgebaut. Um die 3 000 Wohneinheiten gehören hier der Wohnungsgenossenschaft Lipsia eG, Leipzig, die aktuell zwei WBS70-Riegel leerstehen hat. Hatte, denn der Leerstand, der schnell Vandalismus provozierte, ist jetzt – in Teilen der Riegelbauten – beendet. Zusammen mit der Wohnungsbaugenossenschaft, der RWTH Aachen und dem Architekturbüro Almannai Fischer sowie zahlreichen Unterstützern aus der Baubranche hat diese Gemeinschaft einen Wohndemonstrator entwickelt, der die Wohnform „Nukleuswohnen“ zu Forschungszwecken im Bestand nutzen wird.
Aktuell werden im 1. und 2. OG bereits bestehende Räume zu Wohnungen mit variablen Erweiterungszimmern zusammengefügt, das allerdings auf in mehrerer Hinsicht einmalige Weise. Insgesamt neun Bestandswohnungen werden so zu zwei unterschiedlichen Einheiten zusammengelegt.
Aktuell werden die ersten Einheiten für ein paar Monate bezogen. Wer hier mitmachen wollte, musste sich auf ein längeres Bewerbungsverfahren einlassen. Im kommenden Jahr folgt die zweite Testwohnphase. Die kalte Jahreszeit wird ausgespart, es gibt keine Heizung. Grund dafür: Das Forschungsprojekt ist, was es ist, aber nicht die noch ausstehende Sanierung des Gesamtbestands. Was die Eigentümerin nach dem Projektabschluss mit den gesammelten Erfahrungen, mit der Forschung, der Auswertung, den wunderbar einfachen Einbauten anfangen wird? Vielleicht werden Grundrisstypologien und -morphologien übernommen/interpretiert etc..
Der radikale Re-use-Aspekt im Forschungsprojekt beispielsweise dürfte da wohl keine Rolle spielen. Dennoch: Mit dem Bereitstellen von „realem Wohnraum“ für die Forschung könnte das Projekt die Schaffung eines (temporären) Orts für den öffentlichen Austausch über die Fragen der Wohnraumsuffizienz, der Bestandsnutzung und kluger Umbaustrategien genutzt werden, sowohl für die Bewohnerinnen des Quartiers als auch für Akteure aus Politik und Wohnungswirtschaft. Wir bleiben dran. Be. K.
