Nicht zufriedenstellend

Urbanität und Ruralität als „kulturelle Leistungen“ zu benennen ist das eine, das andere, eine solche, auf einen begrenzten Kulturraum – hier Bayern – bezogene Leistung als „Bavarität“ zu erklären. Diese äußere sich in ihrer spezifischen Raumproduktion als eine kontinuierliche Erzählung, deren Text man lesen kann oder auch nicht. So weit, so allgemein und thesenhaft.

Die im vorliegenden Buch versammelten Artikel des Autors aus den letzten fünf Jahren sollen, so der Autor, der Frage nachgehen, ob Architektur und Baukultur – die hier unverbunden nebeneinander genannt sind – zur Bewältigung von Krisen beitragen können. Allerdings erscheint es dem Rezensenten so, dass dieser Fokus, der an keiner Stelle schlüssig erklärt wird, sondern als eine Art Behauptung im Leseraum steht, ständig neu und dennoch immer wieder gleich justiert wird. Er ist damit ein unscharfes, mit keiner Theorie verbundenes Konstrukt, das die versammelten Blicke auf eine Baukultur in Bayern in eine bajuwarische Lesart bringen möchte. Was nun Bavarität ist – beispielsweise in Abgrenzung zum Westfälischsein – und welche Krisen hier mit welchem Zungenschlag zu bewältigen wären?

Der dem schon vergangenen Schreibgeschehen nachträglich aufgerückte Rahmen erscheint wie die Idee von einem Begriff, den man selbst gerne verwendet. Das Unternehmen, das Neue selbst durch weiteres Neues („Verwundbare“ e. a.) auf eine Ebene zu heben, die anschlussfähig ist an den größeren Diskurs, erscheint gescheitert. Ja, wir können (könnten!) Stadt und Landschaft lesen, ja, Partizipation ist ein zentraler Baustein gegenwärtiger Diskurse zur Baukultur und Baukultur ist ein Prozess und nicht ein Ziel.

„Bavarität“, das hat neugierig gemacht, aber die Neugier konnte nicht zufriedenstellend befriedigt werden. Be. K.

Mark Kammerbauer, Bavarität. Krisenbewältigung im baukulturellen Raum. Springer, Berlin 2024, XIV, 131 S., zahlr. Farbabb.60 €, ISBN 978-3-662-68188-6
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 05/2024

Immer diese (verantwortungslose) Baukultur

Eigentlich scheint alles klar: Baukultur ist eine Sektion in der Kultur, die insbesondere Planerinnen und Ingenieure, Verbände, Kommunal- und Bundespolitik angeht. Und natürlich Sie, die Sie das...

mehr
Ausgabe 06/2022 Umdenken – Umbauen – Umplanen

Konvent der Baukultur ruft zum Handeln auf!

Das Aufzeigen von Wegen hin zu einer neuen Umbaukultur war das zentrale Thema auf dem diesjährigen Konvent der Baukultur in Potsdam. Ein weiterer Fokus lag auf dem Engagement für baukulturelle...

mehr
Ausgabe 7/8/2019

Sächsischer Staatspreis für Baukultur 2019 verliehen

Die Niedersachsen haben ihn, die Bayern, Thüringen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und das Nachbarland Österreich: den Staatspreis für Architektur (und Städtebau). Und jetzt die Sachsen, die ihn...

mehr
Ausgabe 04/2010

Geht immer: Baukultur Ein Gespräch mit Prof. Michael Braum, Bundesstiftung Baukultur, Potsdam

Baukultur geht alle an. Das ist leicht dahingeschrieben, stimmen tut es dennoch. Baukultur geht Sie an, weil Sie wie ich verantwortlich für das sind, was Sie und ich jeden Tag erleiden; wenn wir es...

mehr
Ausgabe 12/2013

Schlecht bauen? Nein danke! Ein Gespräch mit Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur, Potsdam www.bundesstiftung-baukultur.de

Nach rund einem halben Jahr wird es Zeit, sich mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel, zu treffen. Sein Vorgänger, Michael Braum, hatte am Ende ein wenig...

mehr