Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht erinnern auch Sie sich gerne an die guten alten Studienjahre zurück. Für mich ist diese Zeit noch gar nicht lange her, dennoch macht sich bereits Nostalgie breit: Das nächtliche Zeichnen oder die frühen Vorlesungen sind mir noch gut in Erinnerung. Dabei kann das Gefühl entstehen, die Hochschule sei ein abgeschlossenes Kapitel und weit weg von den Themen, die unser (Berufs-)Leben beeinflussen. Tatsächlich – und das wollen wir Ihnen mit dieser Ausgabe näherbringen – ist dies keineswegs der Fall.

Hochschulen sind nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich an ihre Umwelt gebunden. Sie haben eigene Regeln und die Freiheit in Lehre und Forschung ist ihnen zurecht eigen. Doch heute stoßen sie zunehmend an Grenzen, sodass die Frage nach der Zukunft der Hochschule(n) aktueller denn je ist. Durch wachsenden wirtschaftlichen Druck und einen bundesweiten Sparkurs, der auch vor Bildung nicht halt macht, geraten sie immer mehr in Konkurrenz um Finanzierungen, um die besten Lehrenden und natürlich um die Studierenden. Zusätzlich verändern strukturelle Neuordnungen von Methoden und Anwendungsbereichen sowie eine zunehmende Digitalisierung der Lehre die Hochschullandschaft.

Auch der Blick auf den Nachwuchs bleibt relevant. Laut dem Nachwuchs-Report von nexture+, den wir dankenswerterweise auf den folgenden Seiten für Sie in Auszügen darstellen durften, kann sich die Mehrheit der Befragten (76 Prozent) nach dem Studium einen Berufswechsel vorstellen. Andererseits würden 58 Prozent der Befragten erneut Architektur studieren. Welche Gründe gibt es für diese Lücke zwischen Studium und Praxis und welche Strategien und Wünsche gibt es von und an Hochschulen, um dem entgegenzuwirken?

Für unseren Zukunftsblick, den wir seit längerem schon zu Beginn eines jeden Jahres versuchen, haben wir drei Hochschulthemenfelder untersucht: Lehre, Forschung und Praxis. Wie stehen diese zueinander? Die zahlreichen Forschungsvorhaben, die zukunftsfähige Lösungen erarbeiten – sei es mit recycelten Materialien, digitalen Prozessen oder neuen Konstruktionen – zeigen, dass Forschung, Lehre und Praxis nicht getrennt voneinander agieren können. Interdisziplinäres Arbeiten und Real­labore bestätigen, dass gute Ergebnisse nicht nur am Zeichentisch, sondern auch in der gemeinsamen Praxis zu finden sind.

Was denken Sie, wenn Sie an Hochschule und Zukunft denken? Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen. Am Ende dieses Heftes finden Sie einen Frage­bogen, den Sie uns ausgefüllt zuschicken können.

Lesen Sie sich nun neugierig ins neue Jahr hinein – ich hoffe, wir können Sie auch dieses Mal auf die Zukunft gespannt machen. Denn eines ist sicher: Irgendeine wird es geben. Wie diese aussehen wird, das liegt auch in unserer Hand!

Ihre

Amina Ghisu

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