KWU-Türme abreißen
„Für die mittlerweile witterungsbedingt stark geschädigten Gebäude“, so der BDA Frankfurt a. M. in seiner Pressemitteilung vom 8. Juni 2026, „gibt es keine Zukunft mehr. Umso wichtiger ist es, dass die laut ABG beim Rückbau anfallenden rund 90 000 t Beton recycelt und dem Stoffkreislauf zugeführt werden. Dies kann den Verlust der Bausubstanz nicht kompensieren, setzt aber ein Zeichen für einen ressourcenschonenden Umgang mit den Folgen vergangener Fehlentwicklungen.“ Nun, das Zeichen ist eher Eines, das wir lange schon und regelmäßig bei solchen Aktionen zugesandt bekommen: Abriss von Bestehendem, dessen Material schnell unter die nächs-ten Asphaltdecken verbaut wird (Downcycling). Die Rede (Bestehendes) ist von den ehemaligen KWU-Bürotürmen (KWU = Kraftwerk Union), den „Siemens Türmen“ am Offenbacher Kaiserlei, eines der zahlreichen Spekulationsobjekte der letzten Jahrzehnte, zu denen die Städte einmal freudig „Ja“ gesagt haben und deren Besitzerwechselkarussell sich immer schneller drehte.
Die Bürotürme aus den 1960er-/1970er-Jahren dienten bis Anfang 2000 dem Verwaltungs- und Bürostandort der KWU, einer Tochter der Siemens AG. Bis 2024 gab es verschiedene Eigentümer und ebensolche Nutzungsszenarien. Zuletzt sollten die beiden Volumen für gut 1 000 Studentinnenwohnungen umgebaut werden. Visualisierungen des Frankfurter Büros Schmidt Plöcker – im Auftrag der BECKEN Holding GmbH – zeigen attraktiv umgestaltete, dem Zeitgeist entsprechende Architekturen in satt begrünten Straßenräumen. Konzept und Gestaltung erhielten Auszeichnungen. Laut Schmidt Plöcker belegt eine Machbarkeitsstudie, dass das Stahlbetonskelett der Türme eine solide statische Grundlage bietet. Bei einem Neubau der beiden Gebäude wäre ein Einsatz von 10 000 t Stahl und 100 000 t Beton nötig.
Tatsächlich werden die eindrücklichen Mahnmale verfehlter kommunaler Immobilienplanung demnächst abgerissen. Was dann gebaut wird, ist noch nicht klar. Der BDA sieht den Neustart „als Chance, aus einem ehemals monostrukturierten Bürostandort zwischen den Städten einen Ort des urbanen und demokratischen Zusammenlebens für die Region zu schaffen.“ Was auch mit dem Bestand gelungen wäre: Neben „urbaner“ und „demokratischer“ Qualitäten wäre die der Referenz getreten. Chance vertan. Be. K.
