Kaufhof und Herzog & de Meuron in Hannover
Ehemalige Kaufhäuser abzureißen war lange Zeit geübte Stadtplanung, sehr zentral im Innerstädtischen besetzten längst leerstehende Kaufhäuser 1A-Lagen. Abriss ist allerdings nicht mehr die erste Option, zumal Büroflächen im Überangebot vorhanden sind und für das Wohnen ist der Boden (noch) viel zu teuer. Was also machen mit den oft einige 1 000 m² Grundfläche beanspruchenden Immobilien? Umnutzen. Kaum ein Bautyp wie das Kaufhaus hat derart die Entwurfspraxis der Hochschulen beflügelt, hier durften sich Kreative einmal so richtig austoben, teils mit überraschenden Ergebnissen (Abriss beispielsweise und die Schaffung innerstädtischer Freiflächen).
Mittlerweile aber hat sich das Thema professionalisiert, der Umbau der ehemaligen Konsumhäuser erscheint Investoren profitabel, zahlreiche Umbauten in Essen und Düsseldorf, Hamburg oder München belegen das.
Und nun Hannover. Für die Umnutzung des hier leerstehenden und mit Zwischennutzung kurzfris-tig wiederbelebten Kaufhofs an der Schmiede-straße hatte der Unternehmer und Kaufhofbesitzer Oliver Blume einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Derart, dass eines der internationalen Top-Büros, Herzog & de Meuron, den Zuschlag erhielt, für ihr Projekt „The Box“ mit der Werk-Nummer 701. Ein Hauptmieter steht bereits fest: Für die landeseigene BBS Berufsbildende Schulen Cora Berliner will die Region Hannover einen Großteil der Fläche anmieten, dazu kommen Wohnungen, Gastronomie und Retail.
Der Fokus auf Bildungsversorgung ist klug gewählt, werden doch die rund 4 000 Schülerinnen und etwa 200 Lehrer die stille Innenstadt beleben und ganz sicher noch das eine oder andere neue Unternehmen anlocken.
Dass Herzog & de Meuron die Kaufhof-Fassade verschwinden lassen, kann man bedauern, aber irgendwann ist dann doch die neue Zeit gekommen und die möchte nicht hinter Formkacheln versteckt werden. 2027 soll, so der Investor, bereits Einzug sein; eine Vorhersage, die eher eine Vision darstellt, möchte man glauben. Be. K.
