Gerettet und Vorzeigeprojekt: Haus der Statistik, Berlin

Die Pressemitteilung Berlins landeseigener Immobiliendienstleisterin, der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, liest sich wie die Meldung eines Erfolgs. Und zwar eines, den sich die BIM zuschreibt. Die Baumaßnahmen im ehemaligen Haus der Statistik, einem knapp 50 000 m² BGF großen Verwaltungsbau aus DDR-Zeiten seien abgeschlossen, das Haus bezugsbereit.

Dabei war es auch die BIM, die Spekulationen über einen Abriss des vierteiligen Gebäudekomplexes zumindest nicht aktiv entgegengetreten war. Damals hatte sich die Initiative Haus der Statistik (ab 2016 Entwicklungs-Genossenschaft ZKB ZUsammenKUNFT Berlin e. G.), eine Gruppe aus Künstlern, Architektinnen, Politikern und Kulturschaffenden, ab 2015 mit zahlreichen Aktionen gemeinsam für den Erhalt des Ensembles stark gemacht, das auf dem Weg zur Bauruine war.

Vielleicht noch ein paar Sätze zu den genannten Abriss-Spekulationen: Das Planwerk Innenstadt, im Mai 1999 als Rahmenplanung seitens des Senats beschlossen, sah noch in einer „Konsensplanung“ vom Juni 2011 vor, das Ensemble abzureissen und hier Wohnblöcke à la Stralauer Vorstadt zu realisieren. Doch aufklärendes Engagement und der Rekurs auf neu fokussierte Stadtplanungshorizonte zeigten Wirkung: Der Anti-Abriss-Impuls der alternativen Stadtkultur wurde durch die Bezirks­verordneten­versam­mlung Berlin-Mitte und später im Koalitions­vertrag der rot-rot-grünen Regierung Berlins in ersten Überlegungen für eine Weiternutzung aufge­griffen. Das führte u. a. dazu, dass die Stadt die seit Jahren leerstehende Immobilie für gut 50 Mio. € vom Bund erwarb. Der Opposition war da immer noch der Abriss ein „städtebaulicher Qualitätssprung für den Alexanderplatz und seine Umgebung“, so 2017 Stefan Evers, damals stellvertretender Fraktionsvorsitzender CDU.

Es blieb bei Erhalt mit Umbau, der zudem genutzt wurde, das komplette Gelände neu zu beplanen. 2018 begann die Entwicklung für ein neues Quartier unter dem Zusammenschluss der fünf Kooperationspartnerinnen Bezirk Mitte von Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH, BIM Berliner Immo­bi­lien­management GmbH und Genossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin eG. Im Rahmen eines öffent­lichen Werkstattverfahrens einigte man sich 2019 auf einen städtebaulichen Entwurf und die Ausformulierung des nötigen Planungsrechts. Mit dem Ergebnis, dass das Haus der Statistik – nun im Eigentum der Stadt – städtischer Verwaltung Räume (BIM und Finanzamt Mitte) sowie im Kopfbau A sogenannte „programmierte Flächen“ für Kunst, Kultur und Stadtgesellschaft bietet.

Am oberen Ende der Otto-Braun-Straße ist ein „Rathaus der Zukunft“ für den Bezirk Mitte ge-plant sowie in der schon vorhandenen Pavillonstruktur Raum für „Pioniernutzungen“, für eine „Gesellschaftsküche“ und anderes. Im rückwärtigen Baufeld zur Berolinastraße hin sollen drei neue Gebäuderiegel kommunalen Wohnungsbau aufnehmen sowie an diese anliegend drei „Experimentierhäuser“; Räume für ein ganz anderes Wohnen.

Erhalten bleiben soll auch das Werkstatt-Büro, in dem in jüngster Vergangenheit zahlreiche Workshops, informelle und öffentliche Treffen dem Gesamtprojekt „Haus der Statistik“ mit seinem Umfeld das heute bereits erkennbare und zukünftige Gesicht des „Allesandersplatz“ am Alexanderplatz gegeben wurde. Be. K.

www.hausderstatistik.org, www.allesandersplatz.berlin

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 7/8/2022

Baustart am Haus der Statistik, Berlin

Fast hat man es nicht mehr geglaubt, dass das noch etwas wird! Seit gefühlt Jahrzehnten steht das Haus der Statistik mitten im Berlin und rottet vor sich hin. Dabei sind es gerade mal gut 10 Jahre,...

mehr
Ausgabe April/2020

Die Pioniere im Haus der Statistik, Berlin

Als Mitwirkende im Prozess um das Hause der Statistik, konnten wir Markus und Benjamin von raumlabor über die aktuelle Situation befragen. Wie seid ihr zum Projekt Haus der Statistik gekommen? Wie...

mehr
Ausgabe 11/2025

Haus der Statistik – Gemeinsame Vision

Von der künstlerischen Aktion zum Modellprojekt: Über ein Jahrzehnt lang stand der 50?000?m² große Gebäudekomplex am Alexanderplatz leer. Ursprünglich sollte das Areal verkauft und abgerissen...

mehr
Ausgabe 09/2016

Aufstockung Bewag Haus, Berlin www.maxdudler.de

Beinahe 20 Jahre nach der Grundsteinlegung für das Bewag Haus am Gendarmenmarkt hat Max Dudler jetzt eines seiner ersten innerstädtischen Berliner Wohn- und Geschäftshäuser um eine pavillonartige...

mehr
Ausgabe 03/2019

Neubau Elisabeth-Selbert-Haus, Berlin

Während das Bundeskanzleramt aktuell über einen Neubau erweitert wird, der bereits als Bestandteil der städtebaulichen Entwicklung vor 30 Jahren seine Form gefunden hatte (Schultes Frank...

mehr