EXPO 2025 in Osaka/JP

Als am 13. April im japanischen Osaka die EXPO 2025 eröffnet wurde, gab es zahlreiche Proteste von Umweltaktivisten. Auch Teile der Stadtgesellschaft Osaka sehen das Mega-Projekt kritisch und befinden sich damit im Kreis derer, die solcherart Veranstaltungen – Olympia wäre vergleichbar – für nicht mehr zeitgemäß halten.

Das EXPO-Gelände, die künstliche Insel Yume­shima, war eine Mülldeponie, die immer noch hochentzündliche Methan-Gase absondert und aus Sicht von Kritikerinnen für eine Bebauung nicht geeignet sei. Bereits jetzt sinkt das Stück Land jährlich um ca. 70 mm, die aktuelle Bebauung – Pavillons, Infrastruktur etc. – werden diesen Absenkungsvorgang beschleunigen.

Osaka lockte bereits 1970 mit einer Weltausstellung. Damals kamen 68 Mio. Besucherinnen, in diesem Jahr wird mit deutlich weniger, mit 28 Mio. gerechnet. Die EXPO ein Auslaufmodell?

Das Motto „Designing Future Society for Our Lives” ist so allgemein wie möglich gehalten. Jede EXPO buhlt um Zukünftiges und verliert sich mehr und mehr auch in Designfragen (von Gesellschaft und ihrer Produkte). In Osaka sind alle großen Industrienationen der Welt. Alle präsentieren sich in von Architektengrößen gestalteten, auffallend hölzernen, auch Papier-, Bambus- oder CFK-Bauten. So die Ballons von Shigeru Ban, der Bahrain Pavillon von Lina Ghotmeh, der Pavillon von Usbekistan von Atelier Brückner und ganz sicher die ringförmige, begehbare Holzstruktur von Sou Fujimoto Architects, knapp 2 km lang und bis zu 22 m hoch. Die weltgrößte Brettschichtholzkonstruktion bietet auf ca. 60 000 m² Raum für Landschaftsarchitektur und Entertainment sowie Ausblicke auf die Pavillonlandschaft.

„Wa! Germany“?! „Wa“ bedeutet im Japanischen Harmonie, Kreis und Gemeinschaft, kann aber auch als Ausruf des Staunens verstanden werden. Sieben zylindrische Baukörper stehen bei dem deutschen Beitrag für die Idee geschlossener Stoffkreisläufe. Das architektonische Konzept und seinen Entwurf lieferte das Berliner Architekturbüro LAVA (Laboratory for Visionary Architecture). Die einfachen, ein wenig trist anmutenden Baukörper bestehen aus wiederverwendbaren oder recycelbaren Materialien, das Tragwerk ist aus Fichtenholz gefertigt. Die Balken sind so dimensioniert, dass sie nach der Expo ohne Qualitätsverlust in anderen Bauprojekten weiterverwendet werden können.

Die Begrünung um die Bauten sind funktionaler Teil des Gesamtkonzepts. Die Pflanzen binden CO₂, filtern Schadstoffe aus der Luft, produzieren Sauerstoff, speichern Wasser und kühlen den Ort. „Wa! Germany“ versteht sich als Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung und möchte technologische Innovation präsentieren. Ob das gelingt? Die letzte EXPO in Dubai hat gezeigt, dass der deutsche Pavillon, ebenfalls LAVA, trotz aller Nachnutzungsplanungen nach dem Ende der Ausstellung zur Ruine verkam. Der Blick zurück auf die Nachnutzungsversprechen der EXPO-Gesellschaften von damals – vielleicht mit der Hannover-Messe 2000 zum ersten Mal ausdrücklich so formuliert – zeigt, dass das Nachnutzen bei den wenigsten Pavillons gelungen ist.

Ganz anders als auf der Architekturbiennale, wo der deutsche Beitrag demonstrativ auf Emotionen setzt (hier im Heft S. 10 f. und 14 ff.), spielt in Osaka das deutsche Team mit Akademischem, einer Lehrmeister- und Vorreiterrolle. Norman Foster dagegen probiert etwas mit einem Lehmdorf, Frankreich lockt mit einer architektonischen Promenade und Kengo Kuma zeigt zweimal eine äußerst einfache wie kreative Materialnutzung. Auf nach Osaka? Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit lieber nicht. Um von den Besten zu lernen aber unbedingt! Be. K.

www.expo2025.or.jp

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