Eine Entdeckung
Eine Entdeckung, vielleicht eine Wiederentdeckung: Willy Van der Meeren (1923–2002), nicht Architekt, sondern „building designer“, wie er sich selbst in den 1990er-Jahren endgültig sah: „I believe that the profession as it is practised now is outdated.“ Architekten sind – so sah es der Belgier – zu sehr gefangen von Vergabevor-aussetzungen, Bauherrenwünschen, Gesetzen und nicht zuletzt: vom eigenen Selbstbild als Künstlerarchitekten.
Van der Meeren verstand sich als Kämpfer für das gestaltete Zweckmäßige, für elegante, haltbare Funktionalität, die von allen akzeptiert und von allen auch bezahlbar ist. Seine frühen Wohnbautypen – Prototypen für seriellen, vorfabrizierten Massenwohnbau – sind mit dem wunderbaren „Vierwindenbinnenhof“, dem LC-ähnlichen „leder Zijn Huis“ oder dem „CECA model house“ immer singulär geblieben und es wird Zeit, sie wieder ins Licht zu rücken. Auch, um die immer wieder drohenden Abrisse derartiger Leuchtürme der Baugeschichte zu verhindern.
Die bei Spector erschienene Publikation – handfestes Taschenbuchformat – versammelt nun den ganzen Willy Van der Meeren. Seine Schriften, seine Pläne, seine wenigen, aber wichtigen Bauten. Wegbegleiter, Schüler, Expertinnen ordnen die Arbeiten ein, kommentieren sie, machen sie anschaulich sichtbar. Ein paar hervorragende Fotoessays von Filip Dujardin zu noch bestehenden Bauten zeigen, dass der Belgier, der heute beinahe ausschließlich mit Möbeln verbunden wird, die auf einem überteuerten Design-Möbel-Markt Kasse machen, uns Heutigen noch eine ganze Menge zu sagen hat. Beispielsweise, dass ein Planungsprozess etwas mit bewusstem Experimentieren zu tun hat, in dem der Bauherr/Auftraggeber seitens des Planers verantwortlich zu involvieren ist.
Es sei nicht leicht, Archivmaterial zu sichten, so die Herausgeber; was sie uns hier aber bieten, macht satt. Und wenn einmal die Zeit gekommen ist für tiefere Recherchen, sind wir doch gut vorbereitet, die Akten erwartungsvoll zu studieren. Eine Entdeckung! Dank dafür! Be. K.
Willy Van der Meeren. mass. Hrsg. v. Peter Swinnen u. Anne Judong. Spector Books, Leipzig 2025, 212 S., zahlr. sw- u. Farbabb.
24 €, ISBN 978-3-95905-928-2
