Deutscher Beitrag zur 20. Architekturbiennale in Venedig

Die Absagen an die im Bewerbungsverfahren Ausgeschiedenen waren lange raus, erst nach Wochen dann gab das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen bekannt, wer im kommenden Jahr als kuratorisches Team für den deutschen Beitrag zur 20. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia 2027 – beauftragt wurde: Kawahara Krause Architects mit Andres Lepik und Olga Cobuscean. Unter der Leitung von Kawahara Krause Architects entsteht, gemeinsam mit Co-Kuratorinnen Andres Lepik und Olga Cobuscean, der deutsche Beitrag „CONVIVERE – Ein Repertoire des Zusammenlebens“, eine Ausstellung über Räume des alltäglichen Zusammenlebens.

Damit hat das kuratorische Team aus Hamburg, München und Berlin ein Thema gewählt, das für eine Beauftragung seitens des Bundes mit „Mobilität“ das vielversprechendste ist: Wohnen. „Convivere“ wird allerdings keine Leistungsschau im klassischen Sinne – oder in der Tradition vieler vorangegangener, älterer Beiträge des deutschen Pavillons sein. „Convivere“ wird sich den Zwischenräumen des Wohnens widmen – der Schwelle, dem Treppenhaus, dem Hof, dem Platz vor der Tür, man könnte auch sagen, den informellen Orten (erweiterte „dritte“ Orte, wollte man die zurzeit geübte Orte-Kategorien-Zählung aufgreifen). In diesen oft übersehenen Räumen entstehen, so die Kuratoren, Vertrauen, Nachbarschaft und Leben. Dass in diesen Zwischenräumen/Räumen „eine demokratische Gesellschaft Gestalt annimmt“ wird erhofft, in jedem Fall als der aktuellen Lage angemessen zitiert.

Der Pavillon versammelt ein Repertoire architektonischer Situationen aus unterschiedlichen Zeiten des Wohnungsbaus in Deutschland, die Begegnung und Interaktion ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen nicht das einzelne Gebäude, sondern konkrete Momente und Übergänge, die Kapazität für sozialen Austausch bieten. Das Ausstellungsmaterial wird in Zusammenarbeit mit Studentinnen von vier deutschen Hochschulen entwickelt: der RWTH Aachen (mit Professorin Anne-Julchen Bernhardt), der RPTU Kaiserslautern (mit Professorin Oda Pälmke), der Technischen Universität München (mit Professor Benedikt Boucsein) und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (mit Professor Tatsuya Kawahara). Gemeinsam werden sie diese räumlichen Situationen recherchieren, erkunden und präsentieren. Wie das Konzept im Detail aussehen wird, dazu wird es – traditionsgemäß – im Frühjahr 2027 eine Pressekonferenz geben.

Die 20. Architektur-Biennale in Venedig findet vom 8. Mai bis zum 21. November 2027 statt, die Preview-Tage am 6. und 7. Mai.

Kawahara Krause Architects ist ein deutsch-japanisches Architekturbüro mit Sitz in Hamburg, geleitet von Tatsuya Kawahara und Ellen Kristina Krause. Ihre Arbeit umfasst Architektur, Lehre, Schreiben und Forschung. Andres Lepik ist Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der Fakultät für Architektur der TUM und Direktor des dortigen Architekturmuseums. Olga Cobuscean arbeitet an der Schnittstelle von architektonischer Praxis, Forschung und Theorie. Geboren in Moldau und heute in Berlin lebend, untersucht sie die alltägliche Bedeutung von Architektur als Raum, den wir bewohnen, und die Bedingungen, unter denen sie im Sinne des Gemeinwohls entstehen kann.

Kuratorenstatement: „Convivere entsteht nicht durch spektakuläre Gesten, sondern durch präzise räumliche Entscheidungen. Der Pavillon versammelt ein Repertoire räumlicher Situationen aus ganz Deutschland und macht die Bedeutung und Verantwortung von Architektur sichtbar, unser tägliches Zusammenleben zu gestalten.“

Das Motto der von Wang Shu und Lu Wenyu kuratierten 20. Architekturbiennale Venedig 2027 lautet „Architektur machen – Für die Möglichkeit der Koexistenz angesichts einer analogen Realität“. Wie wohl Koexistenz im deutschen Pavillon anschaulich gemacht wird?! Be. K.

www.bbsr.bund.de
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 01/2012

Neuer Direktor des Architekturmuseums der TUM www.architekturmuseum.de

Der Kunsthistoriker, Sprach- und Literaturwissenschaftler Andres Lepik hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis der Technischen Universität München (TUM)...

mehr
Ausgabe 10/2012

Verantwortung und andere Blickwinkel Ein Gespräch mit Andres Lepik in München

Nach langjähriger Tätigkeit als Kurator in Berlin haben Sie als Kurator am Museum of Modern Art (MoMA) in NYC gearbeitet und waren zuletzt Loeb Fellow in Harvard. Was bringen Sie von dort mit? Für...

mehr

Buchrezension: Biennale Architettura 2018

Man sollte diesen Fehler nicht machen: Die beiden Bände auf dem Gelände der Biennale erstehen, gleich am Anfang des Rundgangs beispielsweise. Zusammen wiegen die Bände im ca. DIN A 4 Format...

mehr
Ausgabe 02/2017

Kuratorinnen für 16. Architekturbiennale www.labiennale.org

Am 17. Februar kam die Meldung aus der Lagunenstadt: Das Kuratorenboard unter Leitung von Präsident Paolo Baratta hat die beiden irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara als...

mehr
Ausgabe 07-08/2025

Architektur und Biennale – welche Wirkung?

Die erste eigenständige Architekturbiennale 1980, Startpunkt der folgenden, bis heute 19 Architekturschauen, kann als Resultat einer Entwicklung betrachtet werden, die es auf der deutlich älteren...

mehr