Uni Kassel

rethinking:wood – Vom Holzspan zur Form

Anne Liebringshausen und Andreas Göbert arbeiten daran, gesundheitlich unbedenkliche, industrielle Abfallmaterialien wie z.B. Holzspan wiederzuverwenden.
Wie kann eure Innovation das Bauwesen nachhaltig verändern?
Betrachtet man die Rohstoff- bzw. Abfallentwicklung in Deutschland, fallen neuerdings auf Materialebene mehrere Millionen Tonnen Altholz als Abfall an. Im Mittelpunkt muss nun die Frage stehen, welche alternativen Einsatzmöglichkeiten für diesen Rohstoff entwickelt werden können, damit, wie aktuell vielerorts der Fall, dieser nicht verbrannt oder deponiert wird. Das Umweltbundesamt spricht sich in diesem Zusammenhang dafür aus, dass die stoffliche Altholznutzung bis 2050 von 1,2 auf 4,2 Mio. Tonnen steigen soll. Verfahren, durch die dieses Ziel erreicht werden kann, gilt es nun zu entwickeln. Hier zeigt sich klar die Dringlichkeit zur Realisierung eines nachhaltigen Fertigungsverfahren auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen, wie für Holzbauteile, die zudem vollständig rezyklierbar sind. Der Einsatz biobasierter Produkte und ein Verzicht auf schädliche Additive ermöglichen im Gegensatz zu herkömmlichen Baumaterialien eine geschlossene Kreislaufwirtschaft durch Rückbau und Wiederaufbereitung von Bauteilen am Ende ihres Lebenszyklus.

Wann starteten die ersten Experimente?
Erste Experimente entstanden 2016 aus der Mas­terarbeit von Anne Liebringshausen (Universität Kassel) mit dem Titel „Nachhaltige & wiederverwendbare Betonschalungssysteme“. Denn konventionell wird, beispielsweise bei der Herstellung komplexer Betonfertigteile, als Schalungsmaterial auf Kunststoffe zurückgegriffen, die nur einmal geformt und verwendet werden können, bevor sie als Sondermüll entsorgt werden. Das zeigt klar die Dringlichkeit zur Implementierung eines neuen Schalungsverfahrens. Die gewonnenen Erkenntnisse der Masterthesis wurden dann in dem Forschungsprojekt an der Uni Kassel weitergeführt.

Welche Materialien verwendet ihr?
Lediglich zwei Materialien: Der Formgrundstoff besteht aus Altholz resultierendem Holzspan. Der ursprünglich lose Altholzspan wird mit einer kaltquellenden Stärke gebunden, die keine Verkleisterung durch Hitze benötigt, was weitere Prozessschritte vermeidet und Ressourcen schont.

Wer sind eure Partner und wie wird das Projekt
finanziert?
Finanziert wird das Projekt durch den Förderpartner Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Für eine realistische Prüfung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und Austarieren der Industriefähigkeit des angestrebten Verfahrens wurde ein Expertenteam aus Betonfertigteil- und Modellbauern herangezogen, um den Anwendungsfall für Betonschalungen zu prüfen. Seitens der Industrie wird das Projekt durch die Betonfertigteilwerke „Elementbau Osthessen GmbH & Co., ELO KG“ und „Runkel Fertigteilbau GmbH“ gefördert. Im Bereich der Fertigung und Formung von Schalungen unterstützt das Projekt „Maus GmbH Modell- u. Formenbau“.
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