„cube berlin“, fertiggestellt

„Europe‘s Smartest Multi-tenant Office – In a Sculpture“, so werben die Architekten, 3XN
Kopenhagen, für das Bürogebäude, das seinen Nutzern im Februar 2020 übergeben wurde. Geplant noch in den Jahren der Bankenkrise 2008/2009, gab es lange Stillstand für den verglasten Würfel direkt vor dem Berliner Hauptbahnhof, bis man 2017 mit den Betonierungsarbeiten begann. Der Bauherr, die CA Immo, konnte nun den Bürobau mit Gastronomie im Erdgeschoss an seinen Eigentümer, den institutionellen Fondsmanager Nuveen Real Estate übergeben.

17 000 m² Mietfläche bietet der Würfel mit seiner Kantenlänge von 42,5 m. Davon ist jeder Quadratmeter vergeben zu einem durchschnittlichen Quadratmetermietpreis von gut 30 €. Zehn Geschosse bietet der Neubau, 3 750 Sensoren, 750 Beacons (Sender mit Bluetooth Low Energy) und 140 Funkantennen ermöglichen das „Tracking of Every­thing“, natürlich streng nach den Vorgaben der DSGVO. „Heat Maps“ protokollieren die Raumbelegungen, verfolgen die Bewegungen der Mieter durch die Räume und bilden so deren Auslastung ab, um, so wird es kommuniziert, die internen Prozesse zu optimieren. Solche und natürlich eine sogenannte intelligente Haustechnik machen eben das Haus zum smartesten, das derzeit in Europa fertiggestellt wurde. Das „Internet der Dinge“ wurde hier so konsequent umgesetzt, dass jeder, der mit einer entsprechend programmierten App im Gebäude unterwegs ist, an allen relevanten Schnittstellen so empfangen wird, dass er gleich mit der Arbeit beginnen kann, dass das Licht, die Raumtemperatur und vielleicht sogar die Lieblingskaffeemischung bereitstehen. Der Fahrstuhl fährt in die richtige Etage, die Türen öffnen sich an den richtigen Stellen. Was „richtig“ ist, bestimmen die Einstellungen in der App.

Der Glaswürfel setzt knapp außerhalb des großen und noch nicht fertiggestellten Planungsgebiets „Europacity“ einen deutlichen Akzent in der hier bisher eher grauen Hotel- und Bürobebauung mit steinernen (Beton-) Schießschartenfassaden. Einen Akzent mit großem Bling Bling: Auf seiner hochspiegelnden äußeren Glasfassade zeigt sich nicht nur das Grau ringsum in veränderten Farbtönen, die Fassade holt auch den Himmel in den horizontalen Blick und Straßenraum. Die mehrfach geknickte Glasfläche wurde mittels PVB-­Folien transparent gehalten wie zugleich gegen Hitzeeinträge auf die dahinterliegende, die Geschosse schließende Glasfassade optimiert. Andererseits wird die zwischen den Glashäuten temperierte Luft zur Kühlung des Gebäudes genutzt.

In den sich öffnenden Fugen zwischen den Dreiecksflächen liegen schmale Balkone. Die äußere Glashülle ermöglicht es zudem, manuelle Raumlüftung vorzunehmen (das ist trotz Gebäudeintelligenz möglich). Schallschutz ist ebenfalls gewährleistet. Im Würfelvolumen liegt zudem ganz oben eine Dachterrasse, die komplett in der Glashaut liegt und in Richtung Kanzleramt zeigt.

100 Mio. € soll der Neubau gekostet haben, 3 % davon sind in die IT geflossen. Wie man allerdings die Fassade spiegelnd halten möchte, darauf weiß auch der „Brain“ genannte Zentralcomputer, aller KI zum Trotz, keine Antwort. Die Architekten schlugen schon mobile Hebebühnen vor, die auch zur Fassadenteilmontage genutzt wurden. Be. K.

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