Zukunft „Emotional Office“

Dipl.-Kaufmann Matthias ­Pietzcker zum Thema „Verwaltungsbauten“

Die größte Herausforderung bei der Konzeption von Büro- und Verwaltungsbauten besteht heute nicht mehr in der Planung von einzelnen Arbeitsplätzen, sondern in der Schaffung eines ganzheitlichen Arbeitsumfeldes und in der kreativen Integration von Zwischenflächen. Sie werden in Zukunft mit den „klassischen“ Büroarbeitsflächen zu einem gesamtheitlichen und vielschichtigen Arbeitsumfeld verschmelzen. Denn auch in Empfangsbereichen, Foyers, Meeting-Points, Klausurräumen, Rückzugsflächen und anderen Sonderflächen werden heute die ökonomisch entscheidenden Werte geschöpft:
Identifikation, Wissen, Ideen.

Die Büros der Vergangenheit sind nicht selten wie so viele Vorstädte in den USA: rational durchgeplant, phantasielos, mit einigen Vorzeigeecken, aber genauso vielen vernachlässigten Gegenden. Der vom Quickborner Team Anfang der 1960er Jahre geprägte Begriff einer „Bürolandschaft“ wird zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu interpretiert und belebt. Die Büros der Zukunft werden sein wie Bellagio, die italienische Kleinstadt am Comer See: lebendig, vielfältig und – obwohl sie einem erprobten gemeinsamen Muster folgen – so individuell wie ihre Bewohner. Ein uraltes Modell, aber mit großer Zukunft. Denn die räumliche Gratwanderung zwischen kommunikativem Chaos und individueller Kontemplation wird die Büroplanung auch in ­20 oder 30 Jahren noch beschäftigen. Bei der Planung dieses „emotional office“ nutzen wir alle „Zwischenräume“, die bislang ein vernachlässigtes Schattendasein fristeten. So wird zum Beispiel die triste Kantine zu einer attraktiven Piazza, auf der man sich zu jeder Tageszeit treffen, an deren Rande man aber in Ruhe arbeiten oder Kraft für die nächsten Arbeitsstunden tanken kann.

In nicht wenigen Neubauvorhaben wird das Ziel „maximale Arbeits­leistung auf geringst möglicher Fläche“ verfolgt. Flächenwirtschaftlichkeit und Effizienz sind natürlich äußerst wichtige Ziele. Aber wirklich erfolgreich werden nach unserer Überzeugung jene Bürokonzepte sein, die die Kreativität ihrer Mitarbeiter, die Kommunikation der Belegschaft untereinander und die Identifikation mit dem Unternehmen am konsequentesten fördern – und zwar nicht (nur) aus Gutmenschen­tum, sondern aus guten ökonomischen Gründen. Eine konsequente Berücksichtigung dieser Faktoren führt zu einem nachhaltigen und stimmigen Bürokonzept, das vielfach erhebliche Flächeneinsparungen gegenüber Raumnutzungen aufweist, die „historisch gewachsen“ sind.

Um in dieser (Arbeits-)Welt Identifikation und Motivation im Unternehmen wahrnehmbar und spürbar zu machen, haben wir beispielsweise im Neubau der Unilever-Zentrale in der Hamburger HafenCity eine farblich erlebbare Markenwelt inklusive Kochstudio, Langnese-Bistro, Dove-Beauty-Spa und Markeninstallationen umgesetzt. Offenheit, Transparenz sowie die Förderung der Kommunikation waren die zentralen Begriffe, die die Planung des auch mit seiner Architektur Maßstäbe setzenden Gebäudes bestimmt haben. Ein modernes Büro­gebäude, das vorbildlich die spezifischen Anforderungen an zeitgemäßes Arbeiten verkörpert und die Unternehmenskultur von Unilever in allen Bereichen umsetzt.

Der Büroplaner
Dipl.-Kaufmann Matthias Pietzcker, Jahrgang 1962, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Quickborner Team, Gesellschaft für Planung und Organisation mbH (QT) in Hamburg. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Hamburg, Flensburg und Hagen trat er 1995 in das QT ein, bei dem er seit 2001 Mitglied der dreiköpfigen Geschäftführung ist. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in der Organisatorischen Gebäudeplanung, der Umsetzung von neuen Bürokonzepten, und dem Change Management. Derzeit leitet er Planungsprojekte u.a. für die Deutsche Bahn, für Bayer Schering Pharma, und für die Parlamentsdirektion der Republik Österreich. Das QT berät seit über 50 Jahren Bauherren, Investoren und Nutzer aus den unterschiedlichsten Branchen.

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