Wiederaufbau Garnisonkirche, Potsdam

Eine der schönsten barocken Bauten Deutschlands sei die Garnisonkirche in Potsdam gewesen, bevor die Machthaber der DDR sie in den 1960er-Jahren verschwinden ließ. Also das, was die Bomben der Alliierten 1945 von ihr übriggelassen hatten. So jedenfalls die Potsdamer konservative Initiative „Mitteschön“ über die Hof- und Garnison­kirche, die nach den Plänen des preußischen Architekten Philipp Gerlach 1735 fertiggestellt wurde. Der nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 übrig gebliebene Turm wurde im Juni 1968 auf SED-Beschluss hin gesprengt.

Im Januar 2004 gab es einen „Ruf aus Potsdam“ für den Wiederaufbau der Kirche, zwei Jahre nach dem Grundsatzbeschluss des Deutschen Bundestages, das Schloss in Berlin wiederaufzubauen. Kosten für den Komplettaufbau: etwa 100 Mio. €. Bis heute hat die Stiftung Garnisonkirche Potsdam gut 6 Mio. € eingesammelt, nun will der Bund 12 Mio. € dazu geben − für das überschaubare Projekt „Wiederaufbau Turm“. Das sollte ursprünglich im Oktober 2017 starten, geschätzte Kosten: rund 45,5 Mio. €.

Der Wiederaufbau ist auch in Potsdam umstritten. Die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“, die evangelische Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ sowie weitere Initiativen und Einzelpersonen wenden sich gegen die Re­konstruktion. Aus ihrer Sicht wurde die Mili-tärkirche in preußischen Zeiten dazu genutzt, den Krieg zu verherrlichen. Was niemanden überraschen dürfte. Zudem diente der Kirchenbau im März 1933 dazu, Kulisse für den „Tag von Potsdam“ zu sein. Am 21. März wurde hier zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg per Handschlag „das verheerende Bündnis zwischen konservativem Bürgertum, preußischem Militär und Nazi-Führung mit kirchlichem Zeremoniell besiegelt“, wie es in einer Erklärung der Christen-Initiative heißt.

Die Evangelische Kirche sieht das entspannter, sie möchte den Wiederaufbau nun ebenfalls mit rund 1 Mio. € unterstützen. Ob es zwischen Nichtbauen und Rekonstruktion noch einen dritten Weg gibt, den ein Architektenwettbewerb aufzeigen könnte? Der ehemalige Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau, Architekt und aktuell Professor für Architekturtheorie in Kassel, Philipp Oswalt, hatte Anfang 2017 seinen Kirchenaustritt erklärt. Ob er jetzt noch an einem Wettbewerb für das Gelände teilnehmen könnte? Wir bleiben dran. Be. K.

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