WerkBundStadt präsentiert Entwürfe

„Der Wohnort des Menschen des 21. Jahrhunderts“, so der Werkbund Berlin, „ist die Stadt.“ So allgemein richtig das sein mag, so wenig sagt es am Ende aus. Kritischer wird es schon, wenn die Berliner fortfahren: „Hier [also in der Stadt; Be. K.] ist er Teil eines Kollektivs und Individuum zugleich. Hier lebt und arbeitet er, hier kann er sich sozial und kulturell entfalten.“ Auf dem Land geht das nicht? Und wie sieht es in der Provinz aus? Und: Ist zurzeit nicht gerade wieder (in Deutschland) der Zuzug in die Stadt gebremst, wollen Familien nicht wieder aufs Land, in die Klein- und Mittelstädte? Und als letzte Frage: Ist die neue Urbanität in Deutschland nicht auch immer eine, die auf den Kiez bezogen ist, auf die Community, auf den Block, das Stadt­villenensemble? Gated Community ist hier ein Stichwort oder Bilder von kleinen, sauberen Straßendörfer für die Upper-Class.

Die soziale und kulturelle Entfaltung gelingt natürlich auch auf dem Land. Möglicherweise dort mit der Gefahr den Flächenfraß zu beschleunigen. Gerade mit dem Versprechen, jedem Bürger kulturelle Teilhabe über ein zum Beispiel schnelles Internet zur Verfügung zu stellen, wird die Utopie von der Hegemonialstellung der Kulturmaschine Stadt ad Absurdum geführt. Und diejenigen, die den glo­balen Trend einer Verstädterung als Chance sehen, unterschlagen den wesentlichen Grund für das Städtewachstum: Die Städte wachsen, weil die Zuzügler aus drängender Not und in naivem Glauben auf bessere Verhältnisse mit Sack und Pack in die explodierende Stadt ziehen.

Allerdings gibt es gute Gründe, die Stadt zu verdichten, eben den Flächenfraß zu verhindern, Restflächen aufzufüllen. Das versucht aktuell der Berliner Werkbund mit seinem ambitionierten Projekt WerkBundStadt, wo auf dem demnächst aufgelassenen Öl-tank­gelände ein Architekturensemble ent­stehen soll, das nicht bloß typologische und  gestalterische Vielfalt darstellen möchte, auch ein sozialer Mix ist explizit angestrebt.

Am 25. September 2016 präsentierte der Werkbund die 33 Entwürfe der beteiligten Architekten mittels einer Ausstellung der Pläne, Skizzen und Modelle. Neben aller Realisierungsabsicht möchte der Werkbund seinem Selbstverständnis Ausdruck verleihen, Architektur immer wieder zu hinterfragen. In Berlin-Charlottenburg möchte er „ein neues Gesicht“ zeigen und eine breite Debatte über die Frage initiieren: „Wie wollen wir heute leben?“ Die Antworten der Ingenhoven, Schröder, Kahlfeldt, Dudler oder Mäckler, aber auch schneider+schumacher, RKW, Staab, Schulz & Schulz oder Brandlhuber sind – wenig überraschend: Wir wollen in Glück und Harmonie, Sicherheit und Lebendigkeit mitein­ander leben. Unterm Satteldach mit großen Gauben, unterm Flachdach und hinter französischen Fenstern, an der Straße oder zum Hof ... eigentlich wie immer?! Nur eben mitten drin in Berlin. So hat das erste Ergebnis des Projekts WerkBundStadt durchaus Spekulatives. Wir bleiben dran. Be. K.

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