Urban Mining Konzept − Rathaus Korbach

„Allein in Deutschland werden jährlich ca. 520 Mio. t mineralische Rohstoffe abgebaut und zur Herstellung von Baustoffen verwendet – rund die Hälfte aller Rohstoffentnahmen. Gleichzeitig machen Abfälle aus dem Bausektor mit rund 200 Mio. t pro Jahr in Deutschland mehr als 50 % der Abfälle aus – Material, das einer hochwertigen Nutzung ­zugeführt werden könnte.“

Anja Rosen, energum GmbH (agn-Gruppe)

Für die Erneuerung des Rathausanbaus aus den 1970er-Jahren wollten die städtischen Entscheidungsträger in Korbach einen Neubau, der sich besser in den historischen Kontext einbettet und neben funktionalen und energetischen Verbesserungen ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit setzt. Die öffentliche Vergabe mit vorgeschaltetem Rea­lisierungswettbewerb konnte die ARGE agn-heimspielarchitekten für sich entscheiden, die mit ihrem architektonischen Entwurf überzeugte und für den Bauherren ein innovatives Urban Mining Konzept entwickelte. Kern ihres Vorschlags war die Idee, den über 40 Jahre alten Rathausanbau als Rohstofflager zu nutzen. Für die Umsetzung der Strategie spielte die Kompetenz der beteiligten Planer eine entscheidende Rolle. agn hat sich im Bereich Ressourcenschonendes Bauen bereits einen Namen gemacht und ist Initiator des Urban Mining Student Award und Sponsor des Atlas Recycling. Für das Projekt in Korbach entwickelte Anja Rosen, Geschäftsführerin der energum GmbH und Gründungsmitglied der re!source Stiftung e. V. ein Konzept, das in dieser Form zuvor noch nie umgesetzt wurde: Erstmalig sollte im Rahmen eines selektiven Rückbaus gewonnenes mineralisches Abbruchmaterial ortsnah recycelt und für den Neubau an gleicher Stelle wiederverwertet werden. Erklärtes Ziel war, so viele verwertbare Anteile wie möglich als rezyklierte Gesteinskörnung an Ort und Stelle wiedereinzusetzen. Tatsächlich konnten rund 62 % des Abbruchmaterials aus dem Bestand für den Neubau verwertet werden, 5 823 von 9 617 t – Stand Dezember 2020. Von dem angefallenen Betonbruch konnten ca. 15 % hochwertig für neuen Beton wiederverwertet werden. In Bezug auf die Qualität des Rezyklats mussten jedoch partiell Qualitätseinbußen hingenommen werden, so dass Material mit geringen Fremdbestandteilen nicht für das Tragwerk, sondern für das Plenum eingesetzt wurde. Der Neubau des Rathausanbaus wurde dagegen im Sinne der „Circular Economy“ so geplant, dass bei einer späteren Sanierung oder im Falle eines Rückbaus sortenrein getrennt werden kann.

Alles in allem eine durchaus positive Bilanz und ein wegweisender Schritt in die richtige Richtung: Die gesammelten Erkenntnisse aus dem geförderten Projekt sollen auch im Rahmen anderer Abbruchvorhaben angewendet werden können, die den Gedanken der Kreislaufwirtschaft umsetzen wollen. Dafür wird im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein Gutachten erstellt, das in Empfehlungen für ressourcenschonendes Bauen im Land Hessen einfließen soll.

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