Tschüss Toronto: Sidewalk Labs zieht sich aus der Smart City Quayside zurück

Google-Unternehmen Sidewalk Labs wird die Smart City Quayside nicht weiter entwickeln.

Es kam überraschend, das Ende von Quayside. Seit 2017 arbeitete Sidewalk Labs an einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Kanadas – Quayside. Die Revitalisierung des ehemaligen Hafens am Ontario See. Quayside sollte anders werden als alle anderen Stadtquartiere, smarter. Es sollte die vorzeige Smart City in Toronto, gar weltweit, werden. Denn nichts weniger verkündete Larry Page 2015 über sein soziales Netzwerk Google+ wolle Sidewalk Labs erreichen: Das Leben von Menschen in Städten nachhaltig verbessern, durch innovative Technologien.

Letzte Woche jedoch gab Sidewalk Labs, eine Google-Tochter von Alphabet bekannt, sich aus dem Entwicklungsprojekt Quayside zurückzuziehen. Dan Doctoroff, Geschäftsführer von Sidewalk Labs, hatte die Entscheidung seines Unternehmens in einer Erklärung damit begründet, dass aufgrund der aktuellen Situation der weltumspannenden Covid-19-Krise die Entwicklung des Immobilienmarkts in Toronto nicht einzuschätzen sei. Deswegen würde man sich, schweren Herzens – versteht sich von selbst – von dem Projekt trennen. Denn der Kern des Projekts einer Smart City sei nicht mehr umsetzbar.

Kritik an Google-Stadt Quayside

Nachhaltig und inklusiv sollte das Stadtviertel am Ontario See werden: 30 % sozialer Wohnungsbau in Holzhochhäusern. 44.000 Jobs sollten entstehen. Sidewalk Labs forschte bereits an ausfahrbaren Fassaden, beheizbaren Bürgersteigen und intelligenten Ampelschaltungen. Quayside war eine stadtplanerische Vision. Für manche aber auch eine Dystopie der Privatisierung und der gläsernen BürgerInnen. TorontorianerInnen äußerten durchaus Kritik am Vorhaben von Sidewalk Labs. Die Frage nach der Verarbeitung der gesammelten Daten, veranlasste Sidewalk Labs ein „Civic Data Trust“ zu gründen, um die gesammelten Daten als Open Data zur Verfügung zu stellen. Wie ein nachhaltiges und offenes Datensammeln und -verarbeiten aussehen kann, zeigt Barcelona. Die BürgerInnen von Barcelona entscheiden selbst, welche Daten sie teilen wollen und damit privaten Unternehmen zur Verfügung stellen. Dabei ist es wichtig zu wissen, was mit den eigenen Daten geschieht, ob sie dazu beitragen die Gewinnspanne des Unternehmens zu erweitern oder das Zusammenleben in der Stadt verbessern wollen. Mit dem Umgang von Daten der BürgerInnen bei Sidewalk Labs schieden sich die Geister. Oder besser, man schaute sehr genau hin.

Was bleibt von der Vision Quayside?

Mittlerweile hat Sidewalk Labs in Toronto 30 MitarbeiterInnen. Und ganz umsonst war die Arbeit aller am Projekt Beteiligten an Quayside nicht. Man habe viele wichtige Erkenntnisse gewonnen, die man in anderen Projekten weiterverfolgen könne, schrieb Dan Doctoroff auf Medium, wo die oben erwähnte Erklärung am 07. Mai 2020 veröffentlicht wurde.

Dass Sidewalk Labs nun das Projekt Quayside verlässt, ist wahrscheinlich das Ende der großen Vision einer Smart City in Toronto. Es ist aber noch lange nicht das Ende von der Smart City made by Google. Zu viele Spin-offs – Intersection, Sidewalk Labs Infrastructure, Replica – haben sich während der Arbeit an Quayside bereits gegründet, die an Technologien für Smart Cities forschen und arbeiten. So dass wir auf jeden Fall in Zukunft noch gespannt sein können, wie Google die Stadtplanung, das Leben in Städten und die Stadt an sich beeinflussen wird.

S.C.

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