Theater am HafenNeue Hafenpromenade, Hamburg

Hamburg erneuert schrittweise seine Hochwasserschutzanlagen am Hafen. Dadurch ergeben sich städtebauliche Chancen an Orten, die für das Stadtbild prägend sind – zum Beispiel an der Hochwasserschutzanlage Binnenhafen/Niederhafen. Hier verläuft eine der wichtigsten Hafenpromenaden Hamburgs als Verbindung von den St. Pauli Landungsbrücken zu den historischen, erst jüngst in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommenen Hafenbauten der Speicherstadt. Der Bauabschnitt beginnt in Höhe Baumwall in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie. Um diese besonderen städtebaulichen Anforderungen zu erfüllen, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Entwurf des Londoner Büros Zaha Hadid Architects als Sieger hervorging.

Der Bauherr, also der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), wählte gemeinsam mit dem Büro Hadid den Lichtplaner für dieses Projekt aus. So fiel die Wahl auf Schlotfeldt Licht, die erste Entwürfe lieferten. Zunächst gab es verschiedene Ansätze, wie die besonderen städtebaulichen Anforderungen lichtplanerisch umzusetzen waren. Schnell wurde in Abstimmung mit dem Büro Hadid, London und Jan Hübener vom Studio H2K, Hamburg (bis 2014 Associate bei Zaha Hadid Architects, Büro Hamburg), deutlich, welche Lösung sich optimal einfügen würde. Das Bild, das die Architekten den Lichtplanern zu der Treppenanlage lieferten, war das von wellenförmigen Ausspülungen im Sand. Die Assoziationen der Lichtplaner dazu waren Schilfhalme oder Schiffsmasten, die sich im Wind wiegen, also auch schief stehen können. Die 15°-Neigung der Leuchtenmasten sowie ihre sich nach oben verjüngende Form ergaben sich schließlich aus der zeichnerischen Annäherung in Verbindung mit der Neigung der Treppenanlage. Aus gestalterischen und auch finanziellen Erwägungen kam eine indirekte lineare Beleuchtung in den Stufen nicht in Frage. Die HHVA (Hamburger Verkehrsanlagen GmbH) war zunächst nicht begeistert von der Idee, hier abweichend von der Standardbeleuchtung, schräg stehende Masten einzusetzen. So mussten die Lichtplaner gemeinsam mit den Architekten bezüglich der Form und der statischen Lösung einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um den Behörden eine Zustimmung abzuringen.  Die Wahl der Farbtemperatur mit 3000 K und die Entscheidung, die Treppen nicht gleichmäßig auszuleuchten wie ein Stadion, entsprechen den besonderen Gegebenheiten an diesem Ort. Direkt gegenüber dem Hafen gelegen, lädt er zu dessen Betrachtung ein. Um den geeigneten Hersteller für die Mastleuchten zu finden, wurden vier Firmen aufgefordert sich mit der technischen Umsetzung zu beschäftigen und Muster zu erstellen. Danach entschieden sich Bauherren und Planer für Selux, die dann in Abstimmung mit den Spezifikationen des Büros Hadid, Jan Hübeners und den Lichtplanern die Detaillierung vornahmen.

Die Masten sind mit Lichtpunktabständen von 18 bis 40 m und einer Lichtpunkthöhe von 6,5 bzw. 8,5 m jeweils den Treppenanlagen zugeordnet. Jeder Mast trägt sechs schwenkbare LED-Leuchtenköpfe, davon drei mit einer Batwing-Lichtverteilung und drei mit einer Flood-Optik: So lassen sich verschiedene Flächen, Formen und Distanzen differenziert ausleuchten. Jeder LED-Leuchtenkopf verfügt über einen eigenen DALI-fähigen Treiber – es besteht somit die Option, zukünftig mit einer entsprechenden Steuerung unterschiedlichste Lichtszenarien zu programmieren. Im ersten Abschnitt Baumwall sind die Mastleuchten bereits installiert.

Die Hochwasserschutzanlage, wie sie sich heute präsentiert, mit der Treppenanlage, die an ein Amphitheater erinnert und der Promenade, sind ein attraktiver Ort für Besucher.

Dazu Tom Schlotfeldt: „Gleichmäßige Beleuchtung hätte eine Stadienwirkung erzielt – dies galt es im Interesse der Aufenthaltsqualität zu vermeiden“. Deshalb wurden die Lichtmasten so angeordnet, dass helle und dunklere Zonen entstehen. Im Mittel liegt die Beleuchtungsstärke in den dunklen Zonen bei 14 lx in den hellen bis zu 100 lx.  „Die bisherige Resonanz sowohl der Hamburger als auch der Touristen ist überaus positiv: Die Promenade wird als Aufenthaltsmöglichkeit mit Sitzplätzen angenommen, nach erster Einschätzung sogar über die Erwartungen hinaus“, berichtet Tom Schlotfeldt.

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