Licht-Innovationen

TRILUX Licht Campus, Köln

In Köln hat sich der Leuchtenhersteller TRILUX einen Neubau von den Architekten Graft entwerfen lassen, bei dem die jungen Lichtplaner von jack be nimble für die Lichtplanung hinzugezogen worden sind. Entstanden ist ein innovativer Licht-Campus mit Schulungs- und Präsentationräumen im Erdgeschoss sowie open space Bürozonen und Besprechungsräumen in den Obergeschossen. Parallel zum Bauprozess entwickelten die Planer zusammen mit dem Bauherrn Lichtlösungen als Sonderanfertigungen, die nun in weiteren Projekten verwendet werden. Im Foyer schwebt repräsentativ eine große Lichtskulptur - die „Cloud“, die aus  aus einzelnen Leuchtkacheln zusammengesetzt ist.

Das Unternehmen TRILUX hat mit dem neuen Headquarter in Köln-Ossendorf ein Sinnbild seiner Kompetenz als Entwickler und Produzent für Leuchten geschaffen. Mit seiner feierlichen Eröffnung im Januar 2019 setzt der Neubau dank einer hochwertigen Fassade und zweigeschossigem Eingangsfoyer einen neuen architektonischen Impuls im heterogenen Gewerbegebiet Butzweilerhof. Anlass zum Neubau war die gewünschte Nähe zu Planern, aber auch zu Kunden aus dem In- und Ausland dank einer guten Anbindung des Standorts an die Infrastruktur. „Zu dem Transformationsprozess von einer Ansammlung von austauschbaren Trapezblechhallen zu modernen Produktionsstätten mit repräsentativem Charakter trägt unser TRILUX Licht Campus natürlich bei. Es ist ein Gebäude, das in dieser Form auch mitten in der Stadt stehen könnte“ erklärt Wolfram Putz vom zuständigen Berliner Architekturbüro GRAFT.

Das Gebäude ist in vier Geschosse gegliedert, die sich horizontal in zwei Zonen teilen lassen: Die untere Zone dient der Präsentation von Produkten für Kunden und der Schulung von Planern im eigenen Haus, während die obere Zone als Bürofläche für Geschäftsleitung, Vertrieb und Kundenbetreuung dient. Sehr früh, zu Beginn der Planung im Jahr 2016, wurde das erst wenige Jahre bestehende Lichtplanerbüro jack be nimble aus Berlin hinzugezogen, weil es bereits zuvor bei einem Projekt intensiv mit TRILUX zusammengearbeitet hatte. „Das Planen mit Leuchten, die noch nicht existieren, war eine große Herausforderung für uns, da wir für unsere Lichtplanung und Berechnungen genaue Angaben und photometrische Daten der Leuchten benötigen, die uns zu dem Zeitpunkt nicht vorlagen“ erläutert Planerin Sophia Klees von jack be nimble. Die Innovationskraft der jungen Planer zahlte sich aus: Einige der Leuchten, die im Gebäude verwendet bzw. verbaut worden sind, wurden parallel zum Neubau als Sonderanfertigung entwickelt und werden nun in weiteren Projekten verwendet.

Repräsentative Funktion

Die Fassade ist eine Elementfassade aus schräg gefächerten Elementen, die in den Geschossen jeweils versetzt zueinanderstehen. Diese Geometrie symbolisiert die Struktur eines Facettenreflektors im mikroskopischen Bereich, wie sie bei einigen TRILUX-Leuchten verwendet wird. „Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland haben mittlerweile anerkannt, dass Branding, Reputation und Kompetenzausstrahlung wichtige Faktoren bei der Selbstvermarktung sind“, so Architekt Wolfram Putz über die Ästhetik des Gebäudes. Dank der Schrägstellung der verglasten Elemente zueinander konnten vertikale, opake Öffnungsklappen zur Querlüftung zwischen den Elementen integriert werden. Geschwungene Linien entlang der Decke leiten den Besucher intuitiv in die Schulungs- und Präsentationsräume im Erdgeschoss. Für diese Linien wurden schwarze Stromschienen, die es ursprünglich nur als lineare Module gab, als Sonderanfertigung in die passende Form gebogen und mit fest vergossenen, farbig leuchtenden LED Leuchten versehen. Für den Trockenbauer war das passgenaue Anschmiegen der Kanten der Abhangdecke an die geschwungenen Linien der Schienen eine besondere Herausforderung.

Eine Cloud als Kronleuchter

Über dem Foyer schwebt die sogenannte „Cloud“, ein ca. 5,5 x 8 m großer Kronleuchter in Form einer skulpturalen Deckenleuchte aus einzelnen Leuchtkacheln. Die Module sind alle baugleich und bilden im Schnitt betrachtet eine Rautenform aus zwei Leuchtkacheln im unteren und zwei Lichtpunktzerlegungsspiegeln im oberen Bereich. Die Anordnung ist in Form einer Zangen- bzw. Scherenkonstruktion umgesetzt, bei der die unterschiedlichen Winkel der Rauten in der Gesamtform eine organische Wölbung ergeben. Die Bleche für die Spiegel sind CNC-gefräst und pulverbeschichtet. Um die einzeln angesteuerten LED-Leuchten zu spiegeln, sind sie so angeordnet, dass eine Blendung vermieden wird. Mittels einer speziellen Berechnung dieser reflektierenden Oberflächen wird die Lichtdichte verringert und in Lichtpunkte zerteilt. Das Ergebnis sind unendlich viele Szenarien der Beleuchtung auch dank einer Lichttemperaturskala von 2 500 − 6 000 Kelvin. Möglich ist dies durch eine Steuerung über DMX (= 512 Kanäle), so dass jede einzelne Kachel individuell angesteuert werden kann. GRAFT hat in Kooperation mit TRILUX eigens diese Leuchte für den Licht-Campus entworfen, um Architektur und Licht in einer Struktur zusammen zu fassen. Die sich darunter befindende Sitztreppe kann als Verweilort, als informeller Arbeitsplatz oder aber als kleines Auditorium für Fortbildungen dienen.

Modernes Arbeiten

Die Planer des Headquarters haben es sich nicht nehmen lassen, die Büroflächen in den beiden oberen Geschossen modern und offen als „open space“ zu planen. Im offen gestalteten Büro betritt man als erstes die zentral gelegene, informelle Kommunikationszone, die im Kontrast zum sehr hellen Arbeitsbereich entlang der Fassade mit dunklen Abhangdecken und Teppichbelägen versehen ist. Gleiches gilt für die getrennt vom Bürobereich positionierten Teeküchen mit Besprechungsraum. Die Rückzugsräume sind laut Sophia Klees bewusst dunkel gehalten und mit Pendelleuchten und asymmetrischen Downlights versehen worden, um eine gemütliche Atmosphäre und Abwechslung in den Lichtsituationen zu schaffen. „Da wir eine Heizkühldecke aus Beton haben, mussten wir bereits ein Jahr vor Fertigstellung die exakten Positionen der Abpendelpunkte für die Leuchten in der Decke festlegen und das, ohne dass das Produkt auf dem Markt war“, erläutert die Lichtplanerin. In der weißen, perforierten Abhangdecke über den Arbeitsplätzen ist hingegen keine einzige Leuchte zu entdecken – stattdessen individuelle Tischleuchten von TRILUX. „Das Beleuchten der Officebereiche ohne Deckenleuchten war für uns Lichtplaner sehr riskant, aber am Ende ist es sehr gut aufgegangen“, gibt Sophia Klees zu. Die Fassade kommt ohne äußeren Sonnenschutz aus Dank einer durchgefärbten Verglasung (mit Ausnahme der Foyerverglasung) und eines innenliegenden Blend- und Sonnenschutzrollos mit Alukaschierung. Damit lässt sich das Optimum an Natur- und Kunstlicht ausnutzen. „Die Richtlinien nach DIN fordern zu viel Licht aus Angst vor Dunkelheit. Wir sind jedoch der Meinung, dass man Licht nur sieht, wenn es auch Dunkelheit gibt. Wenn man bedenkt, dass das Licht einer Kerze etwa einem Lux entspricht, sind 500 Lx für eine Arbeitsplatzbeleuchtung im Büro sehr viel.“

Intelligente Steuerung

Im gesamten Haus wird für die Steuerung eine von TRILUX entwickelte Beleuchtungsanlage namens „LiveLink“ verwendet, die sämtliche Leuchten mit DALI- und DMX-Schnittstellen im Haus ansteuert. Mit Ausnahme der „Cloud“ und der Lichtlinien im Foyer des Eingangsbereichs laufen sämtliche Leuchten über die DALI-Schnittstelle. Mit Hilfe dieser Steuerung werden vorprogrammierte Szenarien angewendet, die die Lichtplaner gemeinsam mit TRILUX entwickelt haben. Während die sogenannte indirekte, d. h. die Decke anstrahlende Beleuchtung schwarmgesteuert und somit gebündelt ist, bedienen die MitarbeiterInnen dank einer App die direkte, auf den Arbeitsplatz gerichtete Beleuchtung manuell inklusive Lichttemperatur. „Die einheitlichen Lichtflecken an der Decke erzeugen, von außen betrachtet ein homogenes, stimmiges Bild“, erklärt Wolfram Putz die Bedeutung dieser Technologie für die Außenwirkung. Dank eingebauter Sensoren schalten sich die Leuchten bei Abwesenheit wieder aus. Dank einer HCL Planung – „human centric lighting“ – passen sich die Arbeitsplatzleuchten auf Wunsch farblich dem umgebenden Tageslicht in einem Spektrum von 2 700 bis 6 500 Kelvin an. Einen großen Vorteil bietet der konstante Abstand der Leuchte zur Tischplatte bei unterschiedlichen Tischhöhen im Gegensatz zu Steh- oder Deckenleuchten, da für die Arbeitsplätze höhenverstellbare Tische ausgewählt worden sind.

Für die Zukunft prognostizieren die Planer, dass für eine gelungene Büroplanung der Aspekt des intelligenten und nachhaltigen Lichtmanagements eine entscheidende Rolle spielen wird. Nathalie Brum, Köln

Hier werden neue Wege in der Bürobeleuchtung, in den klassischen konventionellen Bürobereichen wie auch im open space beschritten. Das perfekte Zusammenspiel von Lighting Designer, Architekten und Auftraggeber sorgt dafür, dass das Ergebnis weit mehr ist als nur ein Showcase für einen Leuchtenhersteller.

⇥DBZ Heftpartner Prof. Dr.-Ing. Paul Schmits

Baudaten

Objekt: TRILUX Licht Campus

Standort: Köln

Typologie: Bürobau

Bauherr u. Nutzer: TRILUX GmbH & Co. KG, Arnsberg/Köln,

www.trilux.com

Architekt: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin,

www.graftlab.com

Gründungspartner: Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit

Mitarbeiter (Team): Allison Weiler (Projektleitung), Sven Fuchs (Projektleitung), Sara Gomez (Projektleitung), Marvin Bratke, Thomas Grabner, Sebastian Gernhardt, Agata Glubiak, Sasha Krückeberg, Yue Xiao, Mathilde Dewavrin, Giorgi Chinchaladze

Bauleitung: GAARKO Architekten, Köln, www.gaarko.de

Generalunternehmer: Günther Voullié Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Mönchengladbach,

www.vouillie.de

Bauzeit: Juni 2017 – Januar 2019

Fachplaner

Lichtplaner: jack be nimble Lighting I Design I Innovation, Berlin,

www.jackbenimble.de

Tragwerksplaner: Ingenieurbüro Hellmann GmbH, Arnsberg,

www.ib-hellmann.de

TGA Planer: Ing.-Ges. Klaus Drücke mbH & Co.KG, Dortmund,

www.druecke.de

Fassadentechniker: FELDHAUS Fenster + Fassaden GmbH & Co. KG, Emsdetten, www.feldhaus.de

Landschaftsplaner: LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten, Köln,

www.lill-sparla.de

Energieplaner und -berater:
ENOTHERM GmbH, Meschede,

www.enotherm.de

Brandschutzplaner: IDN Brandschutz GbR, Duisburg, www.idn-bs.de

Bodengutachter: gbk Geologisches Büro Dr. Georg Kleinebringer, Köln, www.gbk-kleinebrinker.de

Projektdaten

Grundstücksgröße: 7 689 m²

Grundflächenzahl: GRZ-1: 0,48, GRZ-2: 0,828

Geschossflächenzahl: 1,24

Nutzfläche gesamt 2 508 m²

Nutzfläche: 2 239 m²

Technikfläche: 89 m²

Verkehrsfläche: 180 m²

Brutto-Grundfläche: 2 794 m²

Brutto-Rauminhalt: 12 219 m³

Projektdaten Licht

Leuchtmittel: LED

Farbtemperaturen: 2 700 K – 4 000 K

Lichtmanagement/Steuerungssystem: DALI, DMX

Energiebedarf

Primärenergiebedarf: 79,3 kWh/m²a

Endenergiebedarf: 78,0 kWh/m²a

Jahresheizwärmebedarf:
105,4 kWh/m²a

Gebäudehülle

U-Wert Fassadenpaneel =
0,389 W/(m²K)

U-Wert Bodenplatte = 0,165 W/(m²K)

U-Wert Dach = 0,165 W/(m²K)

Uw-Wert Fenster = 0,60 W/(m²K)

Ug-Wert Verglasung = 0,25 W/(m²K)

Ug-total (mit Sonnenschutz)

= 0,25 W/(m²K)

Luftwechselrate n50 = 2,07/h

Hersteller:

Dach: SOPREMA GMBH,

www.soprema.de; Triflex GmbH & Co. KG, www.triflex.com

Fassade: RAICO Bautechnik GmbH, www.raico.de

Wand/Trockenbau: Gebr. Knauf KG, www.knauf.de

Decke: Gebr. Knauf KG, www.knauf.de, PMS Systemtechnik,

www.climatt.de

Dämmung: JACKON Insulation GmbH, www.jackon-insulation.de; DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG, www.rockwool.de

Sonnenschutz/Blendschutz: MHZ Hachtel GmbH & Co. KG, www.mhz.de

Brandschutztüren/-tore: Schüco International KG, www.schueco.com

RLT-Anlage: TROX GmbH,

www.trox.de

Zutrittssysteme: SimonsVoss
Technologies GmbH,

www.simons-voss.com

Beleuchtung (innen und außen): TRILUX GmbH & Co. KG,

www.trilux.com

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